Thriller: Die Schafe wollen nur noch weg

Thriller: Die Schafe wollen nur noch weg

Leonie Swann beschert ihren wolligen Helden düstere Tage.

München. So haben sich die Schafe aus dem irischen Örtchen Glennkill das europäische Festland nicht vorgestellt. Als ihr Schäfer George auf der sonnigen Weide hoch über dem Meer von Apfelgärten und komischen langen Weißbroten schwärmte, träumten Miss Maple, Mopple the Whale und all die anderen von einem Schafparadies.

Doch wo sind sie gelandet? Im eisigen Winter auf einer Weide, die vom Wald umschlossen und von einem riesigen Schloss beschattet wird. In der Dunkelheit verborgen, droht zudem ein Werwolf, der "Garou". Jahrelang hatte er Ruhe gegeben, doch nun liegt ein totes Reh am Waldrand.

Dem Schaf-Krimi "Glennkill" (2005), der allein im deutschsprachigen Raum über zwei Millionen Mal verkauft wurde, lässt Swann nun einen Schaf-Thriller folgen, der es vom Start weg auch in die Bestsellerlisten geschafft hat.

Wer die Autorin wirklich ist, weiß man nicht: Sie verbirgt sich hinter dem Pseudonym Leonie Swann. Laut Verlag ist sie 1975 bei München geboren, studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literatur und soll heute in Berlin wohnen.

Die Schafe schert derlei sowieso nicht. Sie sind bedrückt, weil die unbekümmerten Tage vorbei sind, an denen sie glaubten, mit allem fertig zu werden

Die neue Schäferin Rebecca liest ihnen keine Liebesromane mehr vor, sondern "Das Schweigen der Lämmer". Die Schafe wollen eigentlich nur noch weg. Aber wer auch immer aus der Weide ausbricht, irrt durch den Wald und kann am Ende froh sein, wieder bei den anderen zu landen.

Rebecca, die von ihrem Vater George testamentarisch verpflichtet wurde, mit den Schafen die versprochene Europareise zu unternehmen, muss sich erst in ihr neues Amt hineinfinden. Und sie muss verkraften, dass plötzlich ihre Mutter auftaucht. Trotzdem wundert sich der Leser, dass es ihr nicht auffällt, wenn die halbe Herde tagelang in geheimer Mission unterwegs ist.

Immerhin hat Swann auch im neuen Roman originelle Einfälle, die die Welt aus der Schafsperspektive neu erklären. So ist eine Kommode für die Herde natürlich das Lamm eines Schranks. Die Autorin hat zur stärkeren Einfühlung in ihre Hauptfiguren sogar ein Schäferpraktikum absolviert. Zugleich ist die Welt, die Swann hier entwirft, voll mythischer Düsternis, eine Bedrohung für Leib und Seele. Sollten die Schafe wirklich verloren sein?

Leonie Swann: "Garou", Goldmann Verlag, 416 Seiten, 19,95 Euro

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