Ehrenmord-Krimi von Gabriele Brinkmann wird nicht gedruckt

Ehrenmord-Krimi von Gabriele Brinkmann wird nicht gedruckt

Experten hatten den Verleger Felix Droste vor zwei heiklen Passagen gewarnt.

Düsseldorf. "Mir ist die Entscheidung des Droste Verlags, mein Buch nicht zu veröffentlichen, unverständlich, und ich finde diesen vorauseilenden Gehorsam diskussionswürdig", sagt Gabriele Brinkmann. Ihr Krimi um einen Ehrenmord wurde vom Düsseldorfer Droste Verlag kurz vor Druck abgelehnt, nachdem Experten den Verleger Felix Droste vor zwei heiklen Passagen gewarnt hatten. Die Autorin wollte diese nicht ändern; nun ist das Buchprojekt gescheitert (unsere Zeitung berichtete).

Diese Stellen im Buch seien "religionsverunglimpfend. Das konnten wir nicht drucken", sagt Felix Droste im Gespräch mit unserer Zeitung. Man hätte Vorschläge erarbeitet, um diese Textstellen zu ändern, so dass der Krimi nicht an Qualität verloren hätte. Darauf ließ sich die Autorin laut Droste nicht ein.

Gabriele Brinkmann pocht dagegen darauf, dass ihr Buch rein fiktiv sei - "und weder tendenziös noch bewertend". Sie sieht ihren Text unvollständig und aus dem Zusammenhang zitiert. Ein Satz wie "Schiebt euch euren Koran doch..." würde tatsächlich auch im Buch mit den drei Punkten enden. Die Kommissarin, die ihn sagt, wird sogleich von ihrem Assistenten unterbrochen mit den Worten: "Jetzt reicht’s, Chefin." Die angeblich heiklen Stellen seien alles Dialogpassagen. Immer würden Aussagen durch andere eingeordnet, um viele Facetten aufzuzeigen.

Ihr Krimi mit dem Titel "Wem Ehre gebührt" spielt im Ruhrgebiet. Er beginnt mit einer Schießerei vor einer türkischen Metzgerei, bei der es Tote gibt. Irgendwann entwickelt sich diese Geschichte dann hin zu einem Ehrenmord. "Bei diesem Thema muss man alle Aspekte thematisieren", sagt Brinkmann, die schon mit einer Kollegin Krimis unter dem Pseudonym "Minck & Minck" veröffentlicht hat.

Auch dieses neue Buch wollte sie unter einem Pseudonym, W.W. Domsky, herausbringen. Doch nachdem Droste Angst um seinen Namen gehabt habe, habe Brinkmann angeboten, das Buch unter ihrem richtigen Namen zu veröffentlichen. "Gerne auch mit meiner Handy-Nummer drauf", sagt sie. Sie sei nun an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie den Vorgang diskussionswürdig finde. "Es gibt eine Freiheit der Rede und eine Freiheit der Kunst", sagt sie. "Man muss doch nicht schon vorausschauend die Schere im Kopf haben."

Verleger Felix Droste verteidigt seine Haltung: "Wenn³ es die Autorin als ihre Freiheit ansieht, die religiösen Gefühle Dritter zu verletzen - ob nun von Muslimen oder Christen - möchten wir uns davon deutlich distanzieren." Letztlich schade jedoch Brinkmann mit ihrer Kampagne sich selbst und dem Verlag. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Bereits gestern erhielt der Verlag Droh-Emails.

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