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Drei Fragen an... Pen-Präsident Josef Haslinger

Drei Fragen an... Pen-Präsident Josef Haslinger

Darmstadt. Um kritische Autoren mundtot machen zu können, gehen autoritäre Staaten laut der Schriftstellervereinigung Pen-Zentrum Deutschland verstärkt gegen Veröffentlichungen im Internet vor.

Das berichtet Haslinger zum Tag des inhaftierten Schriftstellers am Freitag.

Herr Haslinger, wo werden Autoren besonders unterdrückt?

Josef Haslinger: In Syrien ist die Situation 2013 unüberschaubar geworden. Spitzenreiter ist aber nach wie vor China. Dort sitzt Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo in Haft, und mindestens 40 namentlich bekannte Schriftsteller, Journalisten und Blogger, unter ihnen Kunchok Tsephel Gopey Tsang, der eine 15-jährige Haftstrafe verbüßt für das Verbrechen, eine tibetische Website betrieben zu haben.

Von den europäischen Ländern haben Weißrussland und die Türkei den schlechtesten Menschenrechtsstatus. In Weißrussland wurde der bedeutendste Literaturverlag, Lohvinau, geschlossen und die diesjährige Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch darf ihre weltweit übersetzten Bücher nicht veröffentlichen.

Wie steht es um die Freiheit von Internet-Autoren?

Haslinger: Die Probleme der Blogger nehmen auf der ganzen Welt zu, vor allem auch wieder in China, Vietnam und den arabischen Ländern. In der Türkei wurde Fazil Say wegen Religionsbeleidigung verurteilt, weil er literarische Texte getwittert hat.

Wie werden Autoren unterdrückt?

Haslinger: Websites werden gehackt und mit Firewalls abgeschirmt. Die Autoren werden attackiert, verhört, inhaftiert. Es werden ihnen die Pässe weggenommen, sie werden unter Hausarrest gestellt — oft auch die Familienangehörigen. Berichte über Folter gibt es aus vielen Staaten, aus Nordkorea, China, Vietnam, auch aus der Türkei. Und bekanntlich lässt sich selbst die CIA immer wieder neue Foltermethoden einfallen.