Das Grauen unter der Glocke - „Die Arena“, der neue Stepehen King

Das Grauen unter der Glocke - „Die Arena“, der neue Stepehen King

Stephen King sorgt mit „Die Arena“ für Gänsehaut.

Düsseldorf. An einem 21. Oktober, einem Samstag des Jahres 2012, exakt um 11.44 Uhr, stülpt sich aus heiterem Himmel eine unsichtbare Glocke wie eine Glaskuppel über eine amerikanische Kleinstadt namens Chester’s Mill und schneidet sie von der Außenwelt ab - völlig. Flugzeuge zerschellen daran und die Hand eines Gärtners wird abgetrennt als die Glocke niederfährt. Nichts, noch nicht einmal ein Raketenbeschuss des US-Militärs oder Säure durchdringt dieses Kraftfeld.

Im neu erschienenen Buch von Stephen King wird die bis zu diesem Tag vordergründig heile Welt des 2000-Seelen-Kaffs plötzlich zu einer Arena, in der die Menschen ums Überleben kämpfen müssen: Strom gibt es keinen mehr, die Vorräte drohen auszugehen, der einzige Arzt stirbt. Und ein ebenso korrupter wie machtbesessener Kommunalpolitiker tut alles, um in der Kleinstadt ein faschistisches System mit ihm als Führer zu errichten.

In anfangs noch subtilen, dann immer drastischeren Bildern zeigt Stephen King die Verwandlung der idyllischen Kleinstadt in einen Ort, in den das Grauen Einzug hält. Erniedrigungen, Vergewaltigung und Morde werden alltäglich. Nur eine kleine Schar Aufrechter - darunter ein Ex-Soldat mit Irak-Trauma, eine Journalistin und ein liberaler Englisch-Professor - nimmt den Kampf auf.

Nicht nur die Zusammensetzung dieser Gruppe zeigt, dass King mit seinem Roman auch ein politisches Anliegen verfolgt. In dem machtbesessenen Kommunalpolitiker James "Big Jim" Rennie ist unschwer der ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney zu erkennen. Und wer mag, sieht auch bei Andy Sanders, dem etwas dümmlichen Stadtverordneten gewisse Parallelen zu George W. Bush. US-Präsident Barack Obama, der von außerhalb hilflos dem Grauen in der Kuppel zusehen muss, wird sogar direkt erwähnt. Insofern ist "Die Arena" auch ein Buch, das sich als Appell gegen Machtmissbrauch versteht.

Im Nachwort schreibt King, er habe versucht, "ein Buch zu schreiben, in dem das Gaspedal ständig durchgetreten bleibt". In der Tat bietet das knapp 1300 Seiten starke Werk Horror ohne Ende. Und es ist angesichts unzähligen Cliffhanger nur schwer aus der Hand zu legen - bis auf den leider mal wieder Stephen-King-typisch hervorgezauberten Schluss per deus-ex-machina. Aber der wird hier natürlich nicht verraten...

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