Bodo von Dewitz: Ein Glücksfall für die Fotografie

Bodo von Dewitz: Ein Glücksfall für die Fotografie

Bodo von Dewitz verabschiedet sich mit Man-Ray-Austellung in den Ruhestand.

Köln. Ein große Kenner der Fotografie-Geschichte, Bodo von Dewitz, eröffnet am Donnerstag seine letzte Schau als Leiter der fotografischen Sammlungen im Museum Ludwig. Zu sehen sind Neuankäufe Man Rays, einer der bedeutendsten und experimentierfreudigsten Fotokünstler des 20. Jahrhunderts.

Von Dewitz wagt einen Rückblick, doch der 63-Jährige bleibt bescheiden. Obwohl er eine atemberaubende Sammlung zusammengetragen hat, hält er sich zurück: „Es waren lauter glückliche Zufälle“, sagt er.

Als er Ende 1985 in Köln anfing, brauchte er sich nicht zu bewerben. Er wurde mit Kusshand genommen, gab es doch nur drei Kunsthistoriker mit dem Schwerpunkt Fotografie. Von Dewitz musste noch nicht einmal aus dem Stadtsäckel bezahlt werden, er kam für die ersten zehn Jahre als Angestellter der Firma Agfa, die ihr Fotomuseum von Leverkusen nach Köln überführte, vorerst als Leihgabe.

Das erste Mal Glück hatte von Dewitz mit der Privatsammlung Erich Stengers. Dieser war Professor für Fotografie und sammelte leidenschaftlich. In den 1930er Jahren hatte sich seine fotohistorische Privatsammlung zur größten der Welt entwickelt. „Stenger deponierte im Krieg seine Schätze bei Agfa in Wolfen.

Nach dem Krieg kamen die Amerikaner, sahen die Kisten und brachten sie in den Westen. Das ist ein Glück gewesen, denn wenig später wurde Wolfen sowjetische Besatzungszone und die Sammlung wäre als Beutegut nach Russland gegangen“, erzählt von Dewitz.

Er spricht gern von diesen glücklichen „Fügungen“. So machte er 1988 unter dem Titel „An den süßen Ufern Asiens“ die Orientfotografie publik, als der Stern-Fotograf Robert Lebeck behauptete, er habe schönere Aufnahmen.

„Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und habe Lebeck sofort aufgesucht. Er hatte recht. Er vertrieb sich seine Zeit in den 1960er und 1970er Jahren in Antiquariaten rund um die Welt, wo er historische Fotos aufstöberte.“ Von Dewitz gewann die Lebeck-Fotos 1994 gegen die Konkurrenz in Hamburg.

Einen weiteren glücklichen Einfall hatte er, als die Agfa-Foto-Historama 2005 versteigert werden sollte. Fast eine Katastrophe für Köln, denn Christie’s oder Sotheby hätten die Preise hochgetrieben. Da kehrte von Dewitz den Taktiker heraus, meldete die Fotosammlung als nationales Kulturgut an und rettete 11 000 Fotos für Köln.

Der letzte Clou aber ist der Ankauf des Man-Ray-Archivs mit seltenen Portfolios und Kontaktabzügen im vergangenen Jahr. Die Sammler Fritz und Renate Gruber behielten das Man-Ray-Archiv über viele Jahre zu Hause und das war gut so, denn als das historische Archiv der Stadt Köln 2009 einstürzte, konnten die Arbeiten so für die Nachwelt gerettet werden.

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