Lives Outgrown Beth Gibbons von Portishead präsentiert erstes Solo-Album

London · Mit 59 Jahren zieht Portishead-Sängerin Beth Gibbons Bilanz, die sie in eine Solo-Platte gegossen hat. Es ist ein hörbar ausgeruhtes Album, das mit prominenter Unterstützung daherkommt.

Beth Gibbons blicht auf ihr Leben mit all seinen Höhen und Tiefen zurück.

Beth Gibbons blicht auf ihr Leben mit all seinen Höhen und Tiefen zurück.

Foto: Netti Habel/Domino Records/Goodtogo/dpa

Nachdenklich, manchmal verstörend, aber auch wohltuend harmonisch: Die Portishead-Sängerin und Songwriterin Beth Gibbons veröffentlicht ihr erstes Solo-Album. Die 59-jährige Britin aus dem West Country nutzt die Platte mit dem Titel „Lives Outgrown“ als Rückschau auf ihr bisheriges Leben mit all seinen Höhen und Tiefen - inklusive Neuausrichtung. Es ist ein hörbar ausgeruhtes Album, für dessen zehn Songs Gibbons sich ein ganzes Jahrzehnt lang Zeit genommen hat.

Eigenwillige Platte mit eingängigen Songs

Es geht um Mutterschaft, Ängste, Wechseljahre und den Tod geliebter Menschen. Doch Gibbons fällt mit diesen Themen nicht ins Haus: Ihre subtilen Texte geben Raum für Interpretationen und Assoziationen. Musikalisch ist es eine erfrischend eigenwillige Platte, die keine Rücksicht auf Konventionen nimmt und doch einige eingängige Songs parat hat.

Die ausgekoppelte Single „Floating On A Moment“ steht in einem Spannungsfeld zwischen der Musik, die von Bassgitarre und Back Vocals getragen, ein Gefühl von Geborgenheit hervorruft und einem Text, der erbarmungslos auf die vielen Ungewissheiten unserer Existenz und die eine große Gewissheit, den Tod, hindeutet: „I'm floating on a moment, don't know how long / No one knows, no one can stay / All going to nowhere (nowhere) / All going, make no mistake“ (Ich schwebe in einem Moment, weiß nicht wie lang / Keiner weiß, niemand kann bleiben / Alle gehen ins Nirgendwo / Alle, glaub mir).

Mit Erbsen gefüllte Tupperdosen als Trommeln

Insgesamt ist es ein Album, das harmonisch klingt, aber auch von Dissonanzen geprägt ist. Beispielsweise experimentierten Gibbon und der frühere Talk-Talk-Drummer Lee Harris, der sie bei dem Album unterstützt hat, mit improvisierten Instrumenten wie mit Erbsen gefüllten Tupperdosen und anderen Alltagsgegenständen, die als Trommeln herhalten mussten.

Auf der Suche nach ungewöhnlichen Sounds brachte sie auch Musikproduzent James Ford (u.a. Arctic Monkeys) dazu, die Saiten eines Klaviers mit einem Löffel anzuschlagen. Der Klang, der dabei herauskommt, ist nicht perfekt, aber gleichzeitig auch von Tiefe und Substanz geprägt, die großes Können offenbaren. Zu hören beispielsweise bei dem melancholischen Song „Burden of Life“.

Über die Erfahrungen, aus denen sie geschöpft hat, sagt Gibbons einer Mitteilung zufolge: „Wenn man jung ist, weiß man nie, wie es ausgeht, man weiß nicht, wie es weitergehen wird. Man denkt: Wir werden das schon überstehen. Es wird besser werden.“ Doch manches sei schwer zu verdauen. Trotzdem geht Gibbons aus dem Prozess der Rückschau auch gestärkt hervor: „Jetzt, wo ich das andere Ende hinter mir gelassen habe, denke ich, dass man einfach mutig sein muss.“

© dpa-infocom, dpa:240514-99-24379/5

(dpa)
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