Berlinale: Zehrfeld brilliert als einsamer Soldat

Berlinale: Zehrfeld brilliert als einsamer Soldat

Der 37-Jährige hat sich an die Spitze der deutschen Schauspielerriege gearbeitet. Bei der Berlinale ist er in zwei Filmen zu sehen.

Berlin. Von ihm wollte keiner etwas wissen. Nina Hoss war es, die vor zwei Jahren auf der Berlinale als DDR-Ärztin „Barbara“ alle in ihren Bann zog. Die Journalisten rissen sich um die schöne Blonde, Ronald Zehrfeld saß neben ihr. Schweigend, schwitzend und berührt von dieser internationalen Aufmerksamkeit, die trotz seiner Leistung auf der Leinwand nicht ihm galt.

Dominik Graf, Regisseur und Ronald Zehrfeldsfilmischer Förderer. Foto: dpa Foto: Berlinale

Das könnte sich nun ändern. Gleich zweimal ist Zehrfeld im Wettbewerb der diesjährigen Filmfestspiele, die am kommenden Donnerstag starten, vertreten: Als Freund und Schwager Schillers spielt er in „Die Geliebten Schwestern“, und in dem Film „Zwischen Welten“ sucht er als Bundeswehrsoldat in Afghanistan nach dem Sinn des Sterbens.

Mit dem Regisseur Dominik Graf verbindet den 1977 in Ost-Berlin geborenen Schauspieler, der als Kind von einer Olympia-Medaille im Judo träumte, eine lange Verbindung. Zehrfeld spielte in Grafs „Der Rote Kakadu“, aber vor allem überzeugte er mit seiner physischen Präsenz in der preisgekrönten Fernseh-Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“. Als Berliner Polizist ermittelt er im Milieu der Russenmafia, überschreitet die Grenzen der Legalität und verkörpert einen harten Kerl, für den Freundschaft und Loyalität dennoch eine starke Währung sind.

Um eine amouröse Dreiecks-Geschichte geht es in Grafs Berlinale-Beitrag „Die Geliebten Schwestern“, dem ersten abendfüllenden Kinofilm des Regisseurs seit acht Jahren. Darin verbindet sich der aufrührerische Dichter Schiller mit zwei mittellosen Schwestern aus dem thüringischen Adel. Zehrfeld spielt den Schwager Schillers und steht für das Umfeld im kulturellen Zentrum Weimar.

Der Schritt zu der Hauptrolle, die Zehrfeld in „Zwischen Welten“ von Regisseurin Feo Aladag in ein kleines Dorf in Afghanistan führt, könnte größer nicht sein. Schon das zweite Mal ist der Soldat Jesper hier im Einsatz, sein Bruder ist bei einem Anschlag in der Nähe ums Leben gekommen. In unerträglicher Hitze versucht er, an der Seite afghanischer Kämpfer einen kleinen Ort gegen die Taliban zu beschützen. Er freundet sich mit dem afghanischen Übersetzer an und gerät auch emotional in ein Grenzgebiet, in dem seine Entscheidungen weitreichende Folgen haben.

Ein starker Auftritt für den Berliner Darsteller, der sich in den vergangenen Jahren auf seine sympathisch zurückhaltende Weise in die erste Schauspielerliga Deutschlands gearbeitet hat. Davon noch weit entfernt ist Lea von Acken, die bei der Berlinale ihr Kino-Debüt gibt.

Sie spielt die 14-jährige Maria in „Kreuzweg“ von Dietrich Brüggemann. In den 14 Bildern des Kreuzwegs entfaltet der Regisseur, der sich mit Musikvideos unter anderem für Thees Uhlmann und Judith Holofernes in Deutschland einen Namen gemacht hat, das Seelenleiden des Mädchens, das zu Hause den traditionalistischen Prinzipien der Priesterbruderschaft Pius XII. folgen muss.

Der vierte deutsche Film im Wettbewerb wirft einen Panoramablick auf Berlin. Allerdings stehen weniger der Berlinale-Palast am Potsdamer-Platz, der rote Teppich und die Stars im Mittelpunkt. In „Jack“ von Edward Berger geht es um einen Zehnjährigen, der aus einem Heim ausreißt und mit seinem kleinen Bruder die Stadt durchstreift.

Auf der Suche nach ihrer Mutter übernachten sie in Parks. Berliner Boulevards, Supermärkte und Nachtclubs ziehen über die Leinwand. Eine Filmauswahl, mit der sich die Festspiele einmal mehr zu ihrer Stadt bekennen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung