Düsseldorf: Anne-Sophie Mutter in der Tonhalle: Mozart ist ihr Held

Düsseldorf : Anne-Sophie Mutter in der Tonhalle: Mozart ist ihr Held

Perfektion, die nie langweilig wird: Das Publikum feierte die Stargeigerin mit Bravorufen und stehenden Ovationen.

So viel Mutter und so viel Mozart gab es in der Tonhalle noch nie. Wenn auch die drei Violinkonzerte, die das Salzburger Musikgenie mit 19 Jahren innerhalb von wenigen Wochen komponierte, als Meilensteine in Anne Sophie Mutters Laufbahn gelten.

Mutter konzertiert seit mehr als 40 Jahren

Vor fast 40 Jahren begann ihr kometenhafter Aufstieg unter dem Weltmaestro von Karajan mit eben diesen Werken (Nr. 2, 3 und 5), die sie jetzt in der voll besetzten Tonhalle zum Besten gab. Zusammen mit dem Allerfeinsten, was es an Ensembles derzeit gibt: mit dem ‚Kammerorchester Wien – Berlin’, zusammengesetzt aus den Spitzenstreichern, Oboen und Hörnern der Wiener und Berliner Philharmoniker. An Intonation und fein abgestimmtem Sound kaum zu übertreffen.

Diese Musiker zusammen mit einer der weltbesten Geigerinnen zu erleben, das war wahrlich ein Meisterkonzert. Warum aber die Frau – die mit Mitte 50 nichts an Glanz und Grazie, fabulöser Technik und Ausstrahlung eines echten Stars eingebüßt hat – ausgerechnet diese Werke und nur Mozart (selbst noch in den beiden Zugaben) in einer weltweiten Tournee aufführt? Die Frage bleibt unbeantwortet.

Anne Sophie Mutter hütet sich jedenfalls davor, die Mozart-Konzerte routiniert abzuspulen. Allerdings dominieren – zumal in den langsamen Sätzen – weit ausholende Melodien in kostbarem Schönklang. Sie verzichtet auf aggressive Attacken und abenteuerliche Allüren, mit denen manche ihrer Kollegen so gerne auffallen. In diesen Stücken würden sie eher aufgesetzt wirken. Doch gleiten bei ihr Schönheit, Eleganz und Noblesse nie in Langeweile und Unverbindlichkeit ab.

Lyrische Passagen liegen ihr besonders

Besonders stark gelingen ihr die lyrischen Passagen. So wirkt jede Phrase im Andante des D-Dur-Konzerts rund und wertvoll. Im sängerischen Mittelsatz des G-Dur-Konzerts berühren ihr instrumentaler, lyrischer Schmelz und die zerbrechliche Zartheit des Klangs. Plötzlich überrascht Mutter in den lang gedehnten, bogenförmigen Melodien durch unwirkliche Töne – erzeugt dadurch, dass sie mit dem Bogen über Steg und Saiten gleitet.

Ihre energischen Akzente in den schnellen Sätzen ergeben sich aus der Struktur der Komposition. Zwar brilliert die Mutter hier in flinken, rasanten Passagen und modelliert das türkische Thema im Schluss-Satz des A-Dur-Konzerts mit all’ seinen überraschenden, bizarren Wendungen aus. Doch als Virtuosin ist sie in diesem Frühwerk Mozarts technisch meist unterfordert. Erst in den moderneren Kadenzen und Zugaben kommt sie voll zum Zuge, drischt die Tempi und zeigt, was an aufschäumendem Temperament und Dynamik in ihr und der Musik stecken kann. Da hört, sieht und spürt man wieder – Mutter, die Einzigartige. Am Ende: Bravorufe und stehende Ovationen, für die sie sich nicht nur mit Zugaben bedankt, sondern mit ihrem befreienden und entwaffnenden Strahlen.

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