Haiti-Hilfsprojekt des Rhein-Maas-Berufskollegs Kempen

Rhein-Maas-Berufskolleg : Berufsschüler nutzen ihr Handwerk auf Haiti

Nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2010 und Hurrikan „Matthew“ 2016 hilft das Rhein-Maas-Berufskolleg beim Aufbau.

Das verheerende Erdbeben auf Haiti 2010 war der Auslöser einer besonderen Hilfsaktion, die bis heute anhält: Schüler des Rhein-Maas-Berufskollegs Kempen wollten damals mit eigenen Händen Menschen in Not helfen und sich am Wiederaufbau beteiligen. Damals gingen die erschreckenden Bilder von der Erdbebenkatastrophe in dem mittelamerikanischen Inselstaat um die Welt. Die Kempener Berufsschüler besprachen das Leid der Menschen auf Haiti im Religionsunterricht mit Pfarrer Roland Kühne. Als Auszubildende verfügten sie nicht über viel Geld, aber sie boten an, ihr handwerkliches Können einzusetzen.

Daraus ist ein festes Netzwerk entstanden. Jedes Jahr in den Osterferien reist eine Gruppe von Schülern in Begleitung von Kühne und einigen Lehrern nach Haiti. Zunächst entstand in Liamcourt ein Ausbildungszentrum für Erzieherinnen. Sie lernen hier nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik, schon kleinen Kindern Bildung und Selbstbewusstsein zu vermitteln. Das gehört zu den Zielen der Kempener Initiative „Schüler bauen für Haiti”, die nicht nur fester Bestandteil des Schullebens am Berufskolleg geworden ist, sondern auch im Leben der Evangelischen Thomaskirchengemeinde in Kempen Unterstützung erfährt.

Einige Haitianer und Kempener haben Freundschaft geschlossen

Da es keine staatliche Hilfe für die Betroffenen der Naturkatastrophen gibt, müssen sich die Bewohner selbst helfen. Kempener Berufsschüler unterstützen sie dabei. Foto: Kühne

Ein weiterer positiver Effekt ist, dass im Laufe der Jahre auch Freundschaften zwischen Haitianern und Kempenern entstanden sind. Über den Einsatz hinaus gibt es regen Kontakt durch soziale Netzwerke.

Seit einigen Jahren arbeiten die Schüler in Torbeck. In der kleinen Gemeinde soll in Zusammenarbeit mit dem Orden „Petites Freres et Sœurs de l‘Incarnation” ein ganzes Zentrum entstehen. 2014 und 2015 bauten Haitianer und Kempener in Torbeck im Süden von Haiti einen Rohbau mit Bedachung und einer Grundfläche von 270 Quadratmetern. Die einheimischen Arbeiter erhielten ihren Lohn aus Spendengeldern, sodass sie zumindest für die Dauer des Aufenthaltes der Nachwuchsmaurer aus Deutschland über ein Einkommen verfügen konnten. Bis das Gebäude fertiggestellt werden kann, liegt noch ein weiter Weg vor allen Beteiligten. Sanitärinstallationen, Elektrik, Fenster und Türen müssen eingebaut werden.

Auf dem Areal ist außerdem ein weiteres Haus geplant, das eine Grundschule beherbergen soll. All das bewerkstelligt die Initiative mit eigener Arbeitskraft und natürlich mit Spenden.

Nach Erdbeben brachte ein Hurrikan neues Leid über Haiti

Dann brach 2016 mit dem Hurrikan „Matthew” das nächste Unglück über den Inselstaat herein. Die ohnehin kargen Behausungen der Bewohner in Torbeck wurden durch den Sturm entweder ganz oder zum Teil zerstört. Von einem Moment zum anderen standen die Menschen dort ohne Unterkunft oder Versorgung da. Staatliche Hilfe gibt es in Haiti nicht. Deshalb gründeten die Schüler spontan die Initiative „Dächer für Haiti” und stellten ihre Pläne für den kommenden Besuch um. Mit einer kurzfristigen Geldspende konnten sich die Familien erst einmal mit Lebensmitteln versorgen.

Die Kempener kümmerten sich dann bei ihrem Einsatz mit einheimischen Handwerkern und Helfern um den Aufbau der Häuser. Es wurde verwendet, was noch brauchbar war, andere Baumittel kauften die Schüler wie immer vor Ort. Denn damit unterstützen sie auch die heimische Wirtschaft. Die Schüler errichteten einen Wasserturm, damit genügend Trinkwasser zur Verfügung steht.

Dieses Jahr wird es weitergehen. Neben dem Zentrum für obdachlose Jugendliche soll in Torbeck ein medizinisches Erstversorgungszentrum entstehen. Denn die Schüler haben selbst in den vergangenen Jahren erlebt, dass Kinder und Jugendliche nicht die nötige medizinische Versorgung erhalten. Zum einen mangelt es an Geld für ärztliche Betreuung, zum andern sind die Wege zum Krankenhaus oft weit. Mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer aus Willich fand Pfarrer Kühne direkt einen prominenten Unterstützer. Er hat sich an mehrere Unternehmen und den Bauindustrieverband NRW gewandt. „Hier wird vom Kempener Berufskolleg aktive Entwicklungshilfe geleistet. Nicht nur finanziell, sondern von Mensch zu Mensch, unter Weitergabe ihres erlernten Handwerks“, sagt Schummer.

Nähere Informationen über den Fortgang des Projektes findet man im Internet unter: