Griesson-de Beukelaer: Reaktion auf Standort-Aufgabe

Reaktionen zu de Beukelaer-Abzug : „Die Prinzenrolle gehört zu Kempen“

Bürger, Vereine und Parteien kamen zum Buttermarkt, um ihre Solidarität zu bekunden. Nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch andere Betriebe trifft das Aus für das de Beukelaer-Werk.

. Griesson-de Beukelaer hat angekündigt, den Standort mit zurzeit 270 Arbeitsplätzen bis 2020 nach Thüringen zu verlegen. Die WZ-Redaktion war am Freitag auf dem Buttermarkt, um Reaktionen der Kempener zu erfahren. Die Resonanz war riesig. Neben den Mitarbeitern (siehe S. 17) waren Bürger, Vertreter von Vereinen und Parteien gekommen, um Solidarität und Mitgefühl für die Mitarbeiter zu bekunden. Die Prinzenrolle gehört für viele einfach zu Kempen.

So wie für Sylvia Hoffmanns. „Meine Mutter hat vor 50 Jahren schon bei de Beukelaer gearbeitet. Nun arbeitet mein Neffe dort.“ Auch wenn sie wenig Hoffnung hat, dass es etwas ändert, setzt sie ihre Unterschrift auf die Liste. Helmut Jansen besorgen die Auswirkungen auf die Stadt. Wo ist die Unterstützung des Kreises Viersen oder des Landes NRW in so einem Fall, fragt er. Die Werksschließung betreffe ja nicht nur 270 Mitarbeiter, sondern auch Zulieferer und Handwerksbetriebe, die für de Beukelaer arbeiten.

So wie Günter Horst. Er war mit seinem Malerbetrieb Horst lange für de Beukelaer tätig. Im Laufe des Jahres verstärkt. Weitere Termine waren vereinbart, als es vor drei Wochen auf einmal hieß: „Sie brauchen nicht mehr zu kommen.“ Ein bis zwei Mitarbeiter habe er weniger zu beschäftigen, wenn er den Wegfall nicht durch andere Kunden kompensieren kann, hat Horst durchgerechnet. 20 Mitarbeiter hat der Malerbetrieb Horst.

Auch Bernd Berger war zum Buttermarkt gekommen und vertrat den Kolping-Elferrat. Er weiß, dass viele, die arbeiten müssen und nicht selbst kommen, ebenfalls Solidarität bekunden wollen. „Das ist eine Schande“, findet Berger. Die Gründe für den Weggang sind für ihn nicht nachvollziehbar.

Mitglieder des Kempener Werberings waren ebenso gekommen, um ihre Solidarität zu zeigen, wie Vertreter der Kempener Politik. Sie alle setzen Unterschriften auf die bereit gelegten Listen.

SPD-Fraktionschef Andreas Gareißen forderte politische Konsequenzen. Es könne nicht sein, dass ein Unternehmen Zuschüsse dafür erhalte, dass es in Ostdeutschland Arbeitsplätze schaffe, die in anderen Bundesländern abgebaut würden. „Zuschüsse darf es nur geben, wenn neue Arbeitsplätze geschaffen werden“, so Gareißen.

Kritik an Entscheidung
in der Vorweihnachtszeit

Per E-Mail meldete sich die Fraktion Die Linke zu Wort. Günter Solecki kritisiert die Entscheidung und den Zeitpunkt der Mitteilung. „Wir sind entsetzt ob dieser menschlichen Kälte dieses Unternehmens.“ Viel Hoffnung, dass sich dieser Beschluss noch einmal drehen lasse, hat die Linke-Ratsfraktion nicht. Denn die Umsetzung habe ja schon vor zwei Jahren in Kahla begonnen, wo schon 100 Millionen investiert worden seien. „Wir wünschen uns, dass alle daran arbeiten, dass unsere 270 Kempener Mitbürger, die bei de Beukelaer Arbeit haben, auch zukünftig in Kempen weiter gut arbeiten können“, so Solecki.

„Wahrscheinlich sind es mal wieder die lieben Gewerbesteuern, die den Ausschlag für diese Entscheidung geben“, schreibt Hannelore Barth-Hormans in einer Mail. „Für die Mitarbeiter ist es sehr traurig, dass sie in der Vorweihnachtszeit von der Schließung des Werkes erfahren“, schreibt sie weiter. Die Mitteilung, jeder Mitarbeiter könne in den anderen Werken einen Arbeitsplatz bekommen, hält sie für „eine fast schon boshafte Aussage“. Wer hier seinen Lebensmittelpunkt mit der Familie habe, ziehe nicht so einfach nach Thüringen.

Im Netzwerk Facebook gibt es aber auch andere Reaktionen. „Als AZ (Absatzzentrale, Anm. d. Red.) seinen Standort von Krefeld nach Kempen verlagert hat, interessierte sich auch kein Kempener dafür. So ist halt Marktwirtschaft“, heißt es in einem Kommentar.

Einige fühlen sich an den Weggang der Firma Bauerfeind erinnert. Der Hersteller orthopädischer Bandagen und Einlagen verkündete im Juli 2008 das Ende des Kempener Standortes an. 210 Mitarbeiter waren betroffen. Die Produktion wurde in Thüringen konzentriert.

Werner Rennes (Freie Wähler Kempen) kritisiert den Umgang von Griesson-de Beukelaer mit der Stadt. Dass man keinen Kontakt gesucht habe, um eine Lösung zu finden, ist für ihn unverständlich.

Konrad Bittner berichtet von einer Erinnerung an de Beukelaer. „Als Herr de Beukelaer in Kempen eine Niederlassung für Kempen plante, arbeitete ich als Notargehilfe im Notariat Siebels in Krefeld am Ostwall, Notar Siebels hatte das Kempener Notariat verlassen und das Krefelder übernommen. Zuvor muss Siebels wohl den Kaufvertrag über das künftige Betriebsgrundstück beurkundet haben. Das war wohl der Grund, warum Herr de Beukelaer die Grundschuld auch im Notariat Siebels beurkunden lassen wollte und deshalb kurz vor 17 Uhr, also kurz vor Feierabend, im Notariat erschien. Notar Siebels war in Urlaub, der Notarvertreter aus Mönchengladbach schon auf dem Weg zum Bahnhof. Die für damalige Verhältnisse sehr hohe Kreditsumme veranlasste die Bürovorsteherin, mich per Dauerlauf zum Bahnhof zu schicken. Ich erreichte den Notarvertreter noch auf dem Ostwall. So konnte die Grundschuld beurkundet werden.“

Familie Heinze-Wassler fragt in ihrer E-Mail: „Was soll denn mit dem Gebäude werden? Leerstand? Oder gibt es Aussicht auf einen Nachmieter oder Käufer?“ Jutta Blum schreibt: „Ich würde mir wünschen, dass die Kempener Politik noch eine Lösung für die 270 Mitarbeiter findet. Glaubhaft erscheint mir, dass auch die Stadtverwaltung quasi vor scheinbar vollendete Tatsachen gestellt wurde! Gerade von so einem Traditionsunternehmen sollte man das Wort „Fürsorgepflicht“ noch verstehen und auch handhaben! Profitgier ohne Rücksicht auf Verluste.“

Der Tönisvorster Peter Knedel hat zwei Gedichte in der WZ-Redaktion abgegeben. Eines davon lautet: „Was der Kragen für das Hemd einst war, ist Kempen für de Beukelaer. Die Prinzenrolle geht auf Reisen, soll in Kahla sich beweisen. An dem Standort Kempen kann’s nicht liegen, könnt ihr nicht den Hals vollkriegen? Es ist traurig, aber wahr, wieso das Ganze, Griesson-de Beukelaer?“