Grevenbroich: Inge Lempka bietet Hilfe für Igel in Not

Engagement für Tiere : Inge Lempka gibt Igeln ein Zuhause

Seit acht Jahren päppelt die Grevenbroicherin die Tiere auf. 2018 wurden ihr 380 Igel gebracht – so viele wie nie zuvor.

Die Aufzucht-Milch schmeckt „Roberta“ richtig gut: Sie saugt die Milch aus der kleinen Spritze, dabei ist ein leises Schmatzen zu hören. Die erst drei Monate alte Igel-Dame liegt eingewickelt in einem flauschigen Handtuch, das Inge Lempka in ihrer linken Hand hält. Die Wevelinghovenerin ist für „Roberta“ und viele andere Igel eine Art Ersatz-Mama. Eine Mama, die sich rührend um sie kümmert und ihnen sogar Namen gibt. Seit acht Jahren kümmert sich die 56-Jährige um die stacheligen Tiere – freiwillig, aus Leidenschaft. „Wenn jemand einen verletzten Igel zu mir bringt, kann ich nicht Nein sagen“, sagt sie. „Ich finde die Tiere einfach niedlich.“

Immer wieder melden sich Menschen bei ihr, die hilflose Igel finden. Auch „Roberta“ kam so zu ihr. Eigentlich sind Igel nachtaktiv. „Sie saß wohl tagsüber wach und hilflos alleine im strömenden Regen“, erzählt Lempka von dem, was die Finder aus Giesenkirchen ihr berichtet haben. „Sie kam am 11. Januar zu mir und hat nur 200 Gramm gewogen. Das ist eindeutig zu wenig.“ Die Wevelinghovenerin päppelt das Igel-Baby auf, mittlerweile wiegt „Roberta“ 225 Gramm. „Sie wird wohl noch etwas länger bei mir bleiben“, sagt Lempka, die sich manchen Schützlingen mehrere Wochen annimmt, bis sie wieder fit sind und ausgewildert werden können. „Igel sind keine Tiere, die man zu Hause halten kann“, betont Lempka. Bis „Roberta“ ausgewildert werden kann, werden jedoch noch einige Wochen vergehen. „Sie bräuchte zu dieser Jahreszeit mindestens 500 Gramm, eher 600.“

So kommt es, dass einige Tiere auch bei Inge Lempka Winterschlaf halten. Momentan kümmert sie sich um sieben Igel, in Spitzenzeiten sind es bis zu 40 Tiere. Überhaupt werden ihr Jahr für Jahr mehr Igel vorbeigebracht. „Vergangenes Jahr hatte ich 380 Zugänge. Das sind so viele wie noch nie“, berichtet Lempka, die beruflich als Friseurin arbeitet und die Tiere in ihrer Freizeit versorgt – häufig braucht sie dafür mehrere Stunden. „Durch den heißen Sommer kamen 2018 sehr viele Igel, darunter außergewöhnlich viele Babys. Allein im Juli habe ich mich um 70 Igel-Babys gekümmert, die ohne Mutter gefunden wurden“, sagt die Tierfreundin, die sich das mit der extremen Hitze erklärt: „Es gab kaum Wasser, kaum Insekten – viele Igel-Mütter haben ihre Babys verlassen.“ Die verwaisten Igel fiepen wie Vögel, „manche wissen gar nicht, dass es Igel sind, die nach ihrer Mutter schreien“, sagt Lempka.

Oftmals werden Igel bei der Gartenarbeit gefunden. „Die Tiere schlafen zum Beispiel in Komposthaufen oder im Laub unter Büschen.“ Lempka berichtet von Igeln mit Schnittwunden, oftmals versehentlich von Menschen bei der Arbeit mit Rasentrimmern zugeführt. Die Tiere verletzen sich aber auch, wenn sie von Katzen oder Vögeln wie Elstern und Krähen gegriffen werden. In ihrem kleinen „Krankenhaus“ versorgt „Igel-Mama“ Lempka ihre Schützlinge, zahlt im Notfall Tierarzt-Behandlungen aus eigener Tasche. „Ich freue mich immer über Spenden, auch über Futterspenden“, sagt sie mit Blick auf die Kosten, die ihr dadurch entstehen.

In den großen Boxen, die sie eigens für die Tiere hat anfertigen lassen, sind sie geschützt und können sich erholen. Was Igel gerne fressen? „Katzenfutter“, sagt Inge Lempka. „Und Rührei.“ Jeden Tag bereitet sie den Stacheltieren Rührei zu. „Hühnchen mögen sie auch“, erzählt die Wevelinghovenerin mit einem Schmunzeln. Igel-Babys zieht sie mit einer speziellen Aufzucht-Milch groß, manche haben noch ganz weiche Stacheln. „Am Stachelkleid lässt sich auch gut das Alter abschätzen. Je heller die Stacheln, desto jünger der Igel.“ Erst nach zwei Wochen öffnen Baby-Igel ihre schwarzen Augen.

Angefangen hat alles vor acht Jahren, als Inge Lempka in ihrem Garten einen unterernährten Igel fand. „Damals habe ich mich im Internet informiert, verschiedene Foren durchforstet, und den Igel so wieder aufgepäppelt“, erinnert sie sich. Inzwischen ist sie selbst zur Expertin geworden – und für Menschen aus der ganzen Region Ansprechpartnerin, wenn es um Igel in Not geht. „Seitdem das Grevenbroicher Schneckenhaus keine Tiere mehr aufnimmt, ist es deutlich mehr geworden. Viele stoßen über das Internet auf meine Kontaktdaten und bringen die Igel vorbei.“

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