Glasfaser-Ausbau: Die „weißen Flecken“ sollen aus Leichlingen verschwinden

Glasfaser-Ausbau in Leichlingen : Glasfaser-Ausbau in der Warteschleife

Das Thema beschäftigt viele Leichlinger und führt zu teils heftigen Diskussionen.

Seit Wochen wird in Leichlingen, allen voran in Witzhelden, über den Ausbau eines Glasfasernetzes diskutiert. Der Investor Primevest Capital Partners will in einem ersten Schritt in Witzhelden Glasfaser bis in die Häuser verlegen. Umgesetzt wird das Projekt vom Internetanbieter Novanetz. Damit das Vorhaben realisiert werden kann, sind allerdings 600 Vorverträge nötig. Und die sind noch lange nicht erreicht. Warum? Das kann man sich im Rathaus und bei Novanetz nicht so recht erklären. Eines ist jedoch klar geworden: Es gibt viele Fragen zum Thema. Eine Übersicht.

Was ist geplant?

Das Projekt sieht den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur bis in die Häuser vor (FTTH – Fibre to the home). Dazu können die Haushalte zweijährige Verträge mit Novanetz über Leitungsstärken zwischen 200 und 1000 Mbit pro Sekunde im Download abschließen. Den technischen Hausanschluss erhalten die Anwohner in Witzhelden kostenlos, wenn sie sich im Zuge der Vorvermarktung für einen Glasfaser-Anschluss entscheiden. Für alle, die sich erst nach dem Erreichen der Quote und während der Bauphase für einen Anschluss entscheiden, wird ein Baukostenzuschuss erhoben.

Was gibt es bereits in Leichlingen?

Aktuell ist in Witzhelden Glasfaser verlegt, allerdings nicht bis in die Häuser (FTTC – Fibre to the curb). Das bedeutet, dass das Glasfaserkabel in einem Kabelverzweiger (KVz) endet, der am Straßenrand steht. Von diesem Anschlussverteiler aus werden Kupferkabel bis zum Kunden weiterverwendet (die sogenannte letzte Meile). Das Problem: Je länger diese Kupferkabel sind, umso schlechter sind die Übertragungsraten. Durch Vectoring werden sie verbessert, die Kupferkabel also entstört. Das ist technisch aber nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich. Das Vectoring darf nur über einen Anbieter laufen, in Witzhelden über die Telekom.

Welche Anbieter wurden angefragt, bevor sich die Stadt
für Novanetz entschieden hat?

„Wir haben zuvor mehrere Unternehmen angefragt, ob sie in Witzhelden Glasfaser legen würden“, sagt Reiner Pliefke, städtischer Breitbandbeauftragter, „aber alle haben abgelehnt.“ Darunter waren auch die Telekom und Netcologne.

Können Telekom oder Netcologne nicht die Anschlüsse bis ins Haus verlegen?

Gerade im ländlichen Bereich ist die Versorgung mit Glasfaser eine Seltenheit, aus Kostengründen. Große Konzerne wollen nur da investieren, wo sie sich hohen Profit versprechen, also selten in Kleinstädten.

Warum wird genau in diesem Cluster in Witzhelden begonnen?

Langfristig soll ganz Leichlingen eine Glasfaser-Infrastruktur bekommen. Dafür wurde die Stadt in elf Cluster unterteilt, begonnen wird in Witzhelden um den Hauptverteiler der Telekom, die das Monopol für VDSL (FTTC) hat. Dort sind die Übertragungsraten derzeit am geringsten. Hier soll also zuerst Glasfaser bis in die Häuser angeschlossen werden. Schrittweise sollen dann die anderen zehn Cluster folgen.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff weiße Flecken?

Als weiße Flecken bezeichnet man Orte, die kaum bis gar nicht ans Internet angeschlossen sind. Davon gibt es in Leichlingen einige, etwa Diepenthal, Grünscheid, Hüscheid und die Wersbachklinik (siehe Karte). 459 Anschlüsse sind es laut Reiner Pliefke. Um diese mit FTTH ans Glasfasernetz anschließen zu können, hat die Stadt im Frühjahr einen Antrag auf 4,5 Millionen Euro Fördermittel gestellt. Werden sie bewilligt, trägt der Bund 50 Prozent der Kosten, 40 Prozent das Land und zehn Prozent die Stadt. In der Nachbarstadt Burscheid ist man schon einen Schritt weiter, dort wurden die Fördermittel bereits bewilligt und der Auftrag an die Telekom vergeben. Wann es in Leichlingen soweit ist, kann Bürgermeister Frank Steffes noch nicht sagen. Er hofft aber, spätestens 2020.

Warum kann die Stadt nicht Glasfaser verlegen lassen?

„Da müssten wir 60 Millionen Euro investieren und das Netz entweder selbst betreiben oder einen Betreiber finden“, sagt Bürgermeister Frank Steffes. Das sei für die Stadt in der Größenordnung nicht zu machen, zumal dafür Fachleute eingestellt und ein Tochterunternehmen gegründet werden müsste.