Geklopft, gestreichelt, geschlagen, gesungen

Geklopft, gestreichelt, geschlagen, gesungen

Amici del Canto und die Mandolinen Konzertgesellschaft in der Immanuelskirche.

Earth Songs war das Konzert überschrieben, das jetzt im Rahmen des Festivals „Erinnern an die Zukunft“ in der  Immanuelskirche stattfand. Programmatisch wirkte das erst 2018 entstandene Eröffnungsstück Remeber the Forgotten von Franziska Henke. Es eröffnete sofort Räume, ließ seine Entstehung im Kontext von Filmmusik erahnen. Zart und fein, aber auch zupackend und emotional zeichneten die Musikerinnen und Musiker der Mandolinen Konzertgesellschaft (Makoge) unter dem Dirigat von Detlef Tewes musikalische Landschaften.

Eine Partitur aus Linien,
Bögen und Zeichnungen

Im Stück Styx von Anestis Logothetis, enstanden 1968, spielen die Musiker keine Noten, sondern realisieren eine Partitur aus grafischen Anweisungen, Linien, Bögen, Zeichnungen, dynamischen Feldern. Voller Bedacht musiziert, bot es ein intensives Erleben des Ensemble-Zusammenspiels und des Augenblicks.

Eine ähnliche Kompositionsweise konnte man in Klans „Arten – Nachrufe auf verschiedene Weisen des Lebens“ erleben. Komponiert im Auftrag der Makoge, fand die Uraufführung der ersten beiden Sätze 1988 statt. Nun war das ganze Werk zu hören, als Uraufführung die Sätze III und IV. Auch hier bietet die grafische Notation den Instrumentalisten Spielräume. Für die verschiedenen Arten, auf ihren Zupfinstrumenten Klänge zu erzeugen, benötigten sie Federn, Kämme oder auch rote Karten. Geklopft, gestreichelt, geschabt, gerissen, geschlagen oder gekämmt wurden die Instrumente in ihrer Körperlichkeit erfahrbar. Der stumme dritte Satz „Fische – ein Friedhof“ bot mittels Plakaten in den Umrissen eines Fisches den Text des Dada-Gedichts Forellenfriedhof von Kurt Schwitters. Der vermeintlich stumme Fisch ist nicht stumm. Er spricht nur in seiner Sprache.

Klangschön und dabei mit großer Textdeutlichkeit bot der Kammerchor Amici del Canto unter der Leitung von Dennis Hansel die Gartenlieder op. 3 von Fanny Hensel. Über allen Gipfel ist Ruh von Goethe erklang darauf gleich zweimal: Als Lied von Fanny Hensel und in der englischsprachigen Vertonung durch Charles E. Ives.

Das Finale des Abends musizierten Amici del Canto und die Makoge gemeinsam: den Choral Selig sind die Sanftmütigen aus Klans armenisch-türkisch-deutschem Oratorium „wie eine Taube / bir güvercin gibi / me aghavnii neman“ von 2011. Chor und Orchester schenkten dem Publikum den Höhepunkt eines eindrücklichen Konzertes, das mit langem Applaus belohnt wurde.