Friedrich Tamms, der „Herr der Brücken“ prägte Düsseldorf

Friedrich Tamms, der „Herr der Brücken“ prägte Düsseldorf

Friedrich Tamms entwarf Berliner Allee, Tausendfüßler und Garath. Davor war er Teil des NS-Regimes.

Düsseldorf. Den „Herrn der Brücken“ nannte die Geschichtswerkstatt Düsseldorf Friedrich Tamms, den berühmten Düsseldorfer Stadtplaner. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Familie der drei eleganten Schrägseilbrücken Theodor-Heuss, Oberkasseler und Rheinknie, die Tamms als Planungsdezernent in den 60er-Jahren entwarf. Weil Tamms aber auch die Hochstraße „Tausendfüßler“ plante, verbindet man mit ihm stadtgeschichtlich vor allem den Protagonisten einer „autogerechten Stadt“.

Gegen den da mitschwingenden Vorwurf, Tamms sei in erster Linie ein technokratischer, ja fast unmenschlicher Verkehrsplaner gewesen, nimmt ihn jetzt Hagen Fischer in seinem Aufsatz „Stadterneuerung und Umnutzung“ im aktuellen Düsseldorfer Jahrbuch in Schutz. Tamms war seit 1954 als Beigeordneter für Stadtplanung tätig (bis 1969), seit 1960 war er auch Baudezernent der Stadt.

Laut Fischer sah bereits der erste Aufbauplan des damaligen Planungsamtsleiters Bernhard Düttmann 1947 eine Nord-Süd-Straße durch die zerstörte Innenstadt östlich der Königsallee vor.

Ein Jahr später entwickelte der neue Amtsleiter Tamms einen Plan zur Neuordnung der zerstörten Innenstadt mit der Berliner Allee als Nord-Süd-Achse, der Immermannstraße sowie der Verbreiterung von Schadowstraße/ Am Wehrhahn sowie Kölner-/ und Pempelforter Straße.

Dass vor allem die Anlage der Berliner Allee als Schneise ohne Rücksicht auf bestehende Straßen- und Häuserblocks bezeichnet wird, weist Fischer zurück — durch die Kriegszerstörungen seien dort kaum noch Strukturen vorhanden gewesen.

Die Berliner Allee hat zudem maßgeblich zur Beruhigung der Kö (von der nun auch die Straßenbahn verschwand) beigetragen. Ein neuer Straßenbahnknoten entstand auf dem Jan-Wellem-Platz.

Die Herausnahme des Autoverkehrs und der Bahnen aus Teilen der Altstadt (Flingerstraße) zeige, „dass Tamms nicht — wie häufig behauptet — die autogerechte Stadt plante. Er sah vielmehr das riesige Wachstum des Stadtverkehrs voraus, das nur über das Zusammenwirken (...) von öffentlichem (Bus und Bahn) sowie Individualverkehr (Auto) bewältigt werden kann“.

Dass Tamms nicht einseitig den Autoverkehr bevorzugte, zeigte sich auch darin, dass er „das weitverzweigte Straßenbahnnetz weitgehend bestehen ließ und auf ihn die Anfänge des U-Bahnbaus in Düsseldorf zurückgehen“. Denn die jetzt gebaute Wehrhahn-Linie tauchte bereits im Generalverkehrsplan von 1961 auf.

Völlig losgelöst davon ist die Person Friedrich Tamms weiter kritisch zu sehen. Dafür stand er in jüngeren Jahren dem NS-Regime einfach zu nah, insbesondere seinem Freund und Kollegen Albert Speer, in dessen Behörde er Generalbauinspektor für die „Reichshauptstadt Germania“ war. 1942 ernannte überdies Hitler persönlich Tamms zum Professor an der TH Berlin. Nach dem Krieg wurde ihm mehrfach vorgeworfen, dass er Ex-Kollegen aus der Nazizeit protegiert habe.

Letzteres befeuerte den sogenannten „Düsseldorfer Architektenstreit“ Anfang der 50er-Jahre. Denn in dem ging es neben der „autogerechten Stadt“ maßgeblich um Tamms’ Personalpolitik. Der Architektenring mit Antifaschisten wie Bernhard Pfau (Schauspielhaus) oder Josef Lehmbrock warf dem Amtsleiter Tamms vor, Architekten bei Ämtern und/oder Aufträgen zu protegieren, mit denen er schon in NS-Zeiten bei Albert Speer zusammengearbeitet hatte — darunter Helmut Hentrich oder Rudolf Wolters.

Auf der anderen Seite hinterließ Tamms in Düsseldorf weitere markante Plätze, Viertel und Bauwerke. So das Ensemble Dreischeibenhaus-Schauspielhaus-Tausendfüßler, die „Trabantenstadt“ Garath oder den Neubau des Rheinstadions vor der WM 1974.

Der Träger des Bundesverdienstkreuzes starb 1980 in Düsseldorf.

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