Erkrath: Neanderhöhe erhitzt die Gemüter

Erkrath : Neanderhöhe bringt die Bürger in Rage

Die Sitzung war in das Bürgerhaus nach Hochdahl verlegt worden. Zahlreiche Gegner der Bebauung kamen.

Trotz aller Proteste befindet sich das geplante Gewerbegebiet Neanderhöhe auf der Zielgeraden. Der Planungsausschuss hat nun die erforderliche Flächennutzungsplanänderung beschlossen. Der entsprechende Bebauungsplan wurde nicht, wie von den Grünen gefordert, in den nächsten Planungsausschuss vertagt, sondern lediglich um eine Woche an die Ratssitzung am kommenden Dienstag verwiesen.

Die Fronten sind verhärtet. Die BmU, auf deren Umschwenken die zahlreichen Gegner gehofft hatten, bleiben bei ihrer Position. Sie forderten lediglich, die Beschlussvorlage für den Rat in drei Punkten nachzubessern.

Gegner der Bebauung fielen durch Zwischenrufe und Applaus auf

Wegen der emotionalen Aufladung des Themas war die Ausschusssitzung vom Rathaus in den großen Saal des Bürgerhauses Hochdahl verlegt worden. Zahlreiche Anwohner der Neanderhöhe und weitere Gegner der Bebauung folgten der Einladung und machten ihrer Wut Luft, mit Zwischenrufen und Applaus. Die Spannung übertrug sich auch auf die Ausschussmitglieder. Persönliche Angriffe wurden ausgetauscht, immer wieder fiel das Wort „unredlich“, und Peter Knitsch (Grüne) warf der CDU vor, im Gegensatz zu ihm könnten sie keine ihrer Behauptungen belegen. Daraufhin platzte Winfried Schmidt (CDU) der Kragen: „Sie reizen jeden hier. Was Sie sagen ist unredlich, demagogisch und eine reine Provokation“.

Zu Beginn waren noch einmal alle Argumente auf den Tisch gelegt worden, die gegen die Bebauung sprechen. Wolfgang Sternberg (Nabu) zählte auf: erstens der Verlust des Biotops an sich, zweitens der zu geringe Puffer zum Flora-Fauna-Habitat Neandertal; drittens der Verlust der landwirtschaftlichen Fläche und viertens die Nähe zur Fundstelle des Neandertalers.

Die Idee, dort zu bauen, wo möglicherweise noch weitere archäologische Funde zu erwarten seien, bezeichnete Sternberg als „Treppenwitz“. Peter Knitsch erinnerte daran, dass vor einem Jahr der Rückgang der Insektenmasse um 70 Prozent bekannt geworden war.

„Es herrschte hektische Betriebsamkeit, überall Blühwiesen anzulegen. Doch nun soll mit der Neanderhöhe ein Vielfaches an Fläche vernichtet werden“. Obwohl die Wiese derzeit brachliegt, warnte Knitsch vor dem Verlust der landwirtschaftlichen Fläche. Außerdem gab es noch Streit, ob und wie viel Leerstände für Gewerbe in Unterfeldhaus vorhanden seien, die die Neanderhöhe überflüssig machen sollten.

Jeder hatte im Internet eigene Recherchen angestellt, doch wer nun Recht hatte, konnte nicht abschließend geklärt werden. Bernhard Osterwind (BmU) machte Zugeständnisse an die Gegner: Bevor der Bebauungsplan beschlossen werde, müssten die Fragen nach der Archäologie und der finanziellen Umlage der Ausgleichsflächen vernünftig geregelt werden.

Außerdem solle bei den Ausgleichsflächen nicht nur der Bodentyp, sondern auch die Bodenqualität berücksichtigt werden. Die Grünen fanden, das wäre nur dann ehrlich, wenn man sich für die Ausarbeitung bis zum nächsten Ausschuss Zeit nehme. Dieses wurde aber von der Mehrheit deutlich abgelehnt.

Die endgültige Entscheidung pro oder contra Bebauung fällt nun am Dienstag, 11. Dezember, im Stadtrat.

(tpp)
Mehr von Westdeutsche Zeitung