Von Manuel Praest: Einkaufsmeile Friedrichstraße: „Es war mal alles schöner“

Von Manuel Praest : Einkaufsmeile Friedrichstraße: „Es war mal alles schöner“

Geschäftsleute und Anwohner erzählen über den Wandel. Hoffnung auf die Qualitätsoffensive Innenstadt.

Mittwochvormittag, 11 Uhr, gut was los auf der Friedrichstraße: Es sind viele Menschen zwischen Neumarkt und Karlstraße unterwegs, die Außengastronomie des Eiscafés ist gut belegt, auch in der Kneipe herrscht schon Betrieb. Doch es lässt sich nicht kaschieren: Wer nach links und rechts einen Blick wirft, dem fallen die Leerstände auf. Das fängt schon im Erdgeschoss des Rathauses an, wo zwei Ladenlokale leer stehen. Weitere folgen, unter anderem an der Ostseite der Rathaus-Galerie oder auch direkt an der Bushaltestelle, wo ein Makler um neue Mieter wirbt. Um die müssen sich bald auch die Eigentümer der Friedrichs-Arkaden bemühen, wenn Mulligan’s Ende Oktober schließen wird (die WZ berichtete). Eine Nachricht, die für viel Aufsehen sorgte, weil sie noch einmal deutlich machte, dass es der Friedrichstraße nicht besonders gut geht.

„Es war alles mal schöner“, sagt Ingrid Münchrath, die um die Ecke aufgewachsen ist und seit Jahrzehnten dort lebt. „Ich bin fast jeden Tag hier“, erzählt sie, während sie im Eiscafé eine Kaffee trinkt. Früher hätte noch deutlich mehr Betrieb geherrscht, der Rückgang habe aber schon vor Jahren angefangen, als Akzenta den Standort dort verließ und in die City-Arkaden zog.

Dass im vergangenen Jahr Abeler an die Friedrichstraße zog, „hat uns sehr gefreut“, sagt Georgios Moraidis, der seit 16 Jahren gegenüber George`s Lifestyle und Leder betreibt. Das Aus für Mulligan’s sei nun wieder ein weiterer Rückschlag. Grundsätzlich sei es aber nicht nur für die Friedrichstraße schwierig, wuppertalweit „müssen die Einzelhändler kämpfen“, sagt Moraidis. Ihm helfe, dass er nicht nur seinen Showroom im Geschäft habe, sondern auch seine Werkstatt. Viele Händler wüssten nicht, was sich in der Rathaus-Galerie tut, zögerten deshalb, an die Friedrichstraße zu ziehen. Die Situation sei vergleichbar mit der Einkaufszone Richtung Döppersberg, wo die unklare Planung rund um die ehemalige Bahndirektion ein Hemmnis sei.

Rathaus-Galerie und Karlsplatz sind wenig anziehend

Dass die Entwicklung der Rathaus-Galerie großen Einfluss auf die Friedrichstraße hat, bestätigen nicht nur Geschäftsleute. Auch Passanten erzählen, dass die vor gut 25 Jahren eröffnete Galerie, die kürzlich einen erneuten Management-Wechsel hatte, viel von ihrer Attraktivität eingebüßt habe. „Und so fehlt hier Laufkundschaft.“

Dass zum Beispiel mit Abeler ein hochwertiger neuer Mieter hinzukam, liege an dem speziellen Segment, das er bediene, sagt Marco Trienes von der Städtischen Wirtschaftsförderung. Abeler sei nicht auf Laufkundschaft angewiesen. Auch Trienes betont, dass die Rathaus-Galerie ihre Magnetwirkung verloren habe. Ein Konzept sei wichtig. Das gelte aber insgesamt für den Bereich „City-Nord“. Ein Thema sei zum Beispiel die Achse vom Mirker Bahnhof aus über die Neue Friedrichstraße, die bekanntlich Fahrradstraße wird, bis hin zum Neumarkt.

Die Stadt arbeitet derzeit an der Qualitätsoffensive Innenstadt. Umgestaltung Wall, Fußgängerzone, Neumarkt — alles Punkte, die darin aufgegriffen werden. Geprüft wird unter anderem, wie der Verkehr in Zukunft geführt werden soll. Ideen sehen vor, dass zum Beispiel die Neumarktstraße zum Teil „autofrei“ werden könnte, damit ihre Barrierewirkung verliert. Bislang, so der Eindruck vieler, drehen Passanten, die aus Richtung Süden kommen, eher um, als noch weiter in die Friedrichstraße zu gehen. „Außer sie müssen zum Bus.“

Änderungen rund um den Neumarkt könnten sich auch positiv auf die Friedrichstraße auswirken, hoffen die Geschäftsleute. Doch was das Thema „autofrei“ angeht, sind die Meinungen geteilt. Die Neumarktstraße sei nun mal auch Zubringer für viele Kunden, so Trienes.

Mehr Leben könnte eine Verlagerung des Marktes vom Neumarkt bringen, zum Beispiel auf den Willy-Brandt-Platz oder sogar den Karlsplatz. „Das wäre eine tolle Sache“, ist Händler Moraidis überzeugt. „Wenn das Konzept stimmt.“ Dass die Marktbeschicker einem Umzug skeptisch gegenüberstehen, könne er allerdings nachvollziehen. „Die haben Angst, weil es ja gar kein Konzept gibt.“