Dormagener Max Hartung ist das Aushängeschild der deutschen Fechter

EM in Düsseldorf : Dormagener Fechter will Team-Gold

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille im Einzel möchte Max Hartung bei der Europameisterschaft im Teamwettbewerb nun Gold gewinnen.

Na klar, in den Minuten nach dem verpassten Titel-Hattrick war da nur Platz für ein Gefühl: Enttäuschung. Doch recht schnell fand Max Hartung sein Lächeln zurück. Nach vielen Schulterklopfern von Teamkollegen, Freunden und Fans machte sich beim Säbel-Spezialisten des TSV Bayer Dormagen langsam der Stolz über die Medaille breit. Nach Gold 2017 und 2018 sowie der herausragenden Weltcup-Saison mit sechs Platzierungen auf dem Siegerpodest unterstrich der 29-Jährige mit Bronze bei den Europameisterschaften quasi vor der Haustür seinen Status als Aushängeschild der deutschen Fechter.

„Direkt nach der Niederlage im Halbfinale war ich erstmal frustriert. Aber eigentlich ist es toll“, sagte der Dormagener. Zusammen mit Degenfechterin Alexandra Ndolo, die am Mittwoch ebenfalls Platz drei belegte, hatte er für den deutschen Befreiungsschlag in Düsseldorf gesorgt. Sehr zur Freude von Sportdirektor Sven Ressel, der nach zwei medaillenlosen Tagen zu Beginn „große Erleichterung“ verspürte.

Mit der von allen erwarteten Medaille im Rücken führt er die deutschen Säbel-Männer nun am Samstag in den Mannschafts-Wettbewerb – und wieder sind die Ziele hoch: „Ich glaube, dass wir was holen können“, sagte Hartung, für den der WM-Titel 2014 im Team der „emotionale Höhepunkt“ seiner bisherigen Karriere war. Mit seinen Vereinskollegen Benedikt „Peter“ Wagner und Matyas Szabo sowie Björn Hübner-Fehrer (Future Fencing Werbach) greift er abermals nach Gold. Genauso sieht das Bundestrainer Vilmos Szabo (Dormagen) nach den starken Einzelergebnissen seiner Schützlinge: „Alle vier Jungs unter den letzten 16, Peter auf dem fünften Platz, Björn Hübner Elfter und Matyas Zwölfter, das ist eine prima Vorlage für den Teamwettbewerb – und der steht jetzt in unserem Fokus“.

Pause bei Videobeweis bringt
den Gegner aus dem Konzept

Das beeindruckende Resultat in der Landeshauptstadt bescherte den deutschen Säbelfechtern wichtige Punkte für die Weltrangliste, die für die Olympia-Qualifikation so entscheidend ist.

Dass sein verletzter Fuß Probleme machen könnte, glaubt Hartung nicht. Kurz vor der EM hatte er sich einen Kapselanriss im Sprunggelenk zugezogen. Er habe zwar „gespürt das es unrund läuft, ein bisschen behäbig, aber der Fuß hat ja gehalten“, stellt der Dormagener erleichtert fest. Und dann gab es da ja auch noch die Geschichte im Viertelfinale: Gegen den nach der Vorrunde an eins gesetzten Bolade Apithy lag Hartung im letzten Drittel des Gefechts mit drei Treffern zurück. Die Wende brachte ein Hinweis von Team-Kollege Björn Hübner-Fehrer aus dem Publikum: Ein Punkt war für den Franzosen doppelt gezählt worden. Die kurze Unterbrechung zum Videobeweis warf Apithy vollkommen aus der Bahn. Der da noch amtierende Europameister übernahm das Kommando, machte aus dem 10:12-Rückstand einen 14:13-Vorsprung und schließlich den 15:14-Sieg. Hartung: „Ungewöhnlich, dass Obleute so etwas so spät revidieren. Dafür gibt es für Björn jetzt ein Flasche Champagner.“

Bis Tokio will der Gründungspräsident des Vereins „Athleten Deutschland“, dessen Steckenpferd das Thema Sportförderung ist, das Fechten „definitiv zur Priorität machen“. Olympia hat er im Blick, aber nach der EM stehen vom 15. bis 23. Juli zunächst noch die Weltmeisterschaften in Budapest an. Als Nummer zwei der Weltrangliste und Bronzemedaillengewinner von 2015 geht er auch dort als geborener Favorit an den Start.