Viele Pleitegeier vor erfolgreichen „Angry Birds“

Viele Pleitegeier vor erfolgreichen „Angry Birds“

München (dpa) - Was zeichnet einen Internet-Unternehmer aus? „Er muss sehr kreativ sein, sehr flexibel und zu hundert Prozent an die Sache glauben“, antwortet Sarik Weber vom Investor Hanse Ventures in Hamburg.

Internet-Unternehmer und potenzielle Investoren halten drei Tage lang auf einer Konferenz in München Ausschau nach neuen Geschäftsmodellen. Was ist gerade trendy und was ist in nächster Zeit angesagt?

„Ohne die App Stores wären wir nicht in so kurzer Zeit so groß geworden„, sagt Peter Vesterbacka, dessen „Angry Birds“ auf Millionen von Handys herumflattern. Das beliebte Computerspiel der finnischen Firma Rovio fürs iPhone und für Android-Geräte wurde bis Dezember 50 Millionen Mal heruntergeladen. Allein im letzten Monat des Jahres seien dann 25 Millionen Downloads gezählt worden, strahlt Vesterbacka im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Nicht immer waren die Zeiten so glänzend für das 2003 von drei Studenten in Helsinki gegründete Unternehmen: Vor den für 0,79 Euro verkauften Angry Birds wurden laut Vesterbacka 51 andere Spiele herausgebracht, von denen kaum jemand spricht. Erst die Figur mit dem zornigen Schnabel wurde zum Renner.

„Es ist viel harte Arbeit, bis man Erfolg hat“, sagt Vesterbacka am Montag in einer Diskussionsrunde der Konferenz DLD (Digital, Life, Design). Auf der Welle des Erfolgs vergibt Rovio jetzt Lizenzen für den bunten Vogel an Spielzeughersteller und Filmproduzenten. Vesterbacka, der die Geschäfte in den USA leitet, gibt das ehrgeizige Ziel vor: „Wir wollen größer als Mickey Mouse werden.“

Das Podium der DLD präsentiert nur die Erfolgreichen. Die Konferenz wird schon zum siebten Mal von der Verlagsgruppe Burda organisiert. An kaum einem anderen Ort kommen so viele Größen der Internet-Branche aus den USA nach Europa wie zur DLD - das liegt auch an der zeitlichen Nähe zum Weltwirtschaftsforum in Davos, das am Mittwoch beginnt. Etwa jeder dritte der 170 DLD-Referenten fährt anschließend in die Schweiz weiter.

Unter den rund 800 Teilnehmern der bis Dienstag dauernden Konferenz tummeln sich viele Investoren, die wie Weber Ausschau nach potenziellen Gründern von Internet-Firmen halten. Die vorgestellten Projekte dienen ihnen als Entscheidungshilfe bei der schwierigen Frage, in welche Ideen es sich lohnen könnte, zu investieren.

Hip ist in diesem Jahr alles, - was sich in einem App Store anbieten lässt; - was „social“ ist, also eng mit Facebook, Twitter und Co verbunden ist; - was „location based“ ist, also die potenzielle Kundschaft an ihrem jeweiligen Ort abholt; - was die Realität erweitert („augmented reality“), also zum Beispiel Videos mit computergenerierten Informationen ergänzt; - was dabei hilft, die Informationsflut im Internet zu kanalisieren; - was in ein ausgefallenes Design gepackt wird; - was umwelt- und klimafreundlich ist; - was wie die private Raumfahrt die Erfahrung in ganz neue Räumen verspricht.

Dabei liege es keineswegs daran, dass die Idee falsch sei, wenn ein Startup in die Hose gehe, sagt Christoph Raethke vom Founder Institute, das potenzielle Startups auf ihren allerersten Schritten begleitet. „Früher habe ich auch immer gedacht, es gibt die Leute, die es aus irgendeinem Grund packen und es gibt andere, die es nicht packen“, sagt der Berliner Startup-Berater im Gespräch mit dpa.

Mittlerweile wisse er aber, dass jeder Erfolgsgeschichte drei oder fünf Misserfolge vorausgingen. „In Ehren zu scheitern, ist das Erfolgsrezept.“ Denn jedes Scheitern biete Erfahrungen und Kontakte, die schon den nächsten Versuch zum Erfolg führen könnten. „Es kommt nur darauf an, sich nicht unterkriegen zu lassen.“