Spieleindustrie besinnt sich auf Hardcore-Fans

Los Angeles (dpa/tmn) - PC- und Konsolenspiele gehören längst nicht mehr in die Schmuddelecke. Spiele für die Familie sprechen seit Jahren neue Zielgruppen an. Auf der Branchenmesse E3 besinnen sich die Hersteller wieder auf ihre Stammkundschaft, die Hardcore-Gamer.

Kinder, Frauen, Senioren - vieles, was die Computerspiele-Branche in den vergangenen Jahren groß präsentierte, zielte auf diese neuen Zielgruppen ab. Doch es scheint, als ob sich Nintendo, Sony und Microsoft wieder auf ihre Kernklientel besinnen. Auf der E3 (7. bis 9. Juni) in Los Angeles, der wichtigsten Messe der Computer- und Videospiele-Branche, zeigten die Hersteller eine Reihe von Neuerungen, die nicht zuletzt den Hardcore-Fans Spaß machen dürften.

Den Auftakt machte Sony mit der neuen mobilen Konsole Playstation Vita. Der Nachfolger der PSP soll den Unterschied zu den Smartphones wieder deutlicher sichtbar machen. Die Vita protzt mit einem fünf Zoll großen Bildschirm, der dank OLED-Technologie Farben besonders lebendig wiedergibt. Und während Smartphones allein über den Bildschirm bedient werden, lockt die Vita mit einem Arsenal an Steuer-Elementen: Analog-Sticks, wie man sie von klassischen Spielkonsolen kennt, ein berührungsempfindliches Display vorne, zusätzlich eines an der Rückseite des Gerätes, außerdem Bewegungssensoren.

Allein darauf will Sony sich aber nicht verlassen und greift daher einen Trend der vergangenen Jahre auf: die allgegenwärtige Vernetzung. Während die 250-Euro-Variante der Vita nur eine WLAN-Verbindung hat, sorgt beim 300-Euro-Gerät ein Mobilfunk-Modul dafür, dass die Nutzer immer online sind. So sehen Spieler beispielsweise, wenn einer ihrer Freunde einen Rekord gebrochen hat. Oder sie spielen direkt gegeneinander.

Auch Nintendo hat seine Hardware überarbeitet. Die neue Generation der Wii liefert nicht nur HD-Bilder, sondern wartet wieder mit einem extravaganten Steuergerät auf: Der Controller der Wii U ähnelt einem Tablet-Computer. Die sechs Zoll große Mattscheibe zeigt entweder, was auch auf dem Fernseher zu sehen ist - oder aber zusätzliche Inhalte, die das Spiel ergänzen. Entwicklern gibt das Spielraum für neue Ideen und Spielekonzepte. Ein weiterer Pluspunkt: Die Spiele und Geräte für den Vorgänger sollen auch auf der neuen Wii laufen.

Nintendo macht somit wieder einen Schritt auf die Hardcore-Fans zu. „Während der Wii-Controller einer harmlosen TV-Fernbedienung ähnelte, um Gelegenheitsspieler anzulocken, sieht das neue Touchscreen-Gerät aus wie von der Brücke der "Enterprise"“, urteilt das US-Magazin „Wired“.

Neue Hardware musste Microsoft nicht vorstellen - die Bewegungssteuerung Kinect für die Xbox 360 ist erst im vergangenen Jahr auf den Markt gekommen. Auf der E3 trat der US-Konzern aber den Beweis an, dass es sich bei dem Zusatzgerät nicht nur um eine Spielerei für Yoga-Fans, Partys und Kinder handelt. Demnächst kommt eine Reihe von Titeln auf den Markt, die sich eher an die klassische Zielgruppe richtet: junge Männer.

In „Kinect Star Wars“ schwingen Spieler vor der Kinect-Kamera ein virtuelles Laserschwert. Und im Action- Spiel „Mass Effect 3“ hört Commander Shepard dank des Kinect-Mikrofons auf Sprachkommandos. Mit einem „Move up!“ rücken die Soldaten vor.

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