NHL 12 im Test: Der Spielspaß steckt im Detail

NHL 12 im Test: Der Spielspaß steckt im Detail

Kann der 21. Teil der Sportserie seinen Vorgänger übertrumpfen? Ja, kann er, meint unser Spieletester Jens-Magnus Krause. Warum, verrät er im Test.

Düsseldorf. In knapp zwei Wochen jagen hierzulande die Eishockey-Profis wieder der schwarzen Scheibe hinterher. Die Metro Stars und die Pinguine versuchen dann erneut, ein Wörtchen um den Titel in der DEL mitzureden. Auch in der nordamerikanischen Profiliga, der NHL, geht es Anfang Oktober ein weiteres Mal um die Trophäe schlechthin: den Stanley Cup. Da darf das passende Konsolenspiel natürlich nicht fehlen. Und dieses schickt EA Sports am 8. September mit dem neuesten Ableger seiner Eishockey-Simulation ins Rennen.

Eine Neuerung hat die mit Abstand größte Auswirkung auf die Spielbarkeit des Titels — und das im positiven Sinne: Die so genannte „Full Contact Physics Engine“ (dt. Ganzkörper-Kontakt-Spielmechanik) sorgt dafür, dass die Spieler bei Bodychecks und Kollisionen an der Bande realistisch zu Boden gehen. Erwischt der Verteidiger beim Check nur den Arm des Angreifers, strauchelt dieser zwar, verliert aber nicht den Halt. Trifft der Verteidiger jedoch an der Werbebande mit voller Wucht auf den Angreifer, passiert es des Öfteren, dass dieser Schläger und Helm verliert, die Plexiglas-Schreibe beim Aufprall zerberstet und der Spieler über die Bande fällt. Auch Größenunterschiede rechnet die neue Engine mit ein. Ein kleiner, schmächtiger und wendiger Angreifer muss den kräftigen und bulligen Verteidiger schon umkurven, wenn er nicht eiskalt mit einem Bodycheck von den Kufen geholt werden möchte.

Die Torhüter werden nicht mehr länger durch eine unsichtbare Wand vor Körperkontakt durch Angreifer geschützt. Die Gegenspieler können die Netzhüter nun authentisch anrempeln, checken, ja sogar in eine Schlägerei verwickeln. Zusätzlich halten die Torleute das Netz durch neue Animationen sauber und sorgen mit echten Verzweiflungstaten für den ein oder anderen offenen Mund, gefolgt vom Aufschrei: „Der hätte doch drin sein müssen!“

So abgedroschen die Phrase auch klingen mag: So realistisch hat sich Eishockey noch nie auf der Xbox 360 bzw. PS3 gespielt. Der Puck schlittert klebrig haftend über das Eis, nimmt bei einem Schlagschuss jedoch dermaßen Fahrt auf, dass man ihm kaum folgen kann, um dann von den Schonern des Torhüters in eine nicht absehbare Richtung abzuprallen. Wie in echt — einfach klasse. Passen, schießen, Reihenwechsel, tricksen — das alles geht bereits nach drei Spielen sehr leicht von der Hand. Taktik-Schnelleinstellungen erlauben es, den Gegner raffiniert und mit Köpfchen niederzuringen.

NHL 12 wird jeden Spieler an die Konsole fesseln! Warum? Weil für jeden ein Spielmodi dabei ist. Neben Einzelspiel- (Online oder Offline), Saison-, Turnier-, Playoff- oder General Manager-Modus sorgen besonders zwei Herzstücke für Leben und Unterhaltung in NHL 12: die „EA Sports Hockey League“ in Verbindung mit dem „Be a Pro“-Modus und der Spielmodus „Hockey Ultimate Team.“

Der „Be a Pro“-Modus erlaubt es euch, einen eigenen Spieler zu erstellen, ihn einem Team zuzuweisen und ihn fortan in jedem Spiel zu steuern — und zwar nur ihn. Die anderen Spieler werden vom Computer bewegt. Mit diesem „Pro“ kann der Spieler an der „EA Sports Hockey League“ teilnehmen. Darin kurzerhand online einem Team beitreten oder selber eines erstellen und online gegen andere Spieler antreten. Die Werte des virtuellen Egos können dabei stetig verbessert werden. Und das ist auch überlebensnotwendig, denn am Ende jedes Monats treten die besten Spieler mit ihren „Pros“ in virtuellen Playoffs gegeneinander an.

Der Spielmodus „Hockey Ultimate Team“ hingegen basiert auf so genannten Karten-Paketen. Zu Beginn erhält der Spieler ein kostenloses Karten-Set — so wie früher ein Päckchen Fußballkarten am Kiosk. Auf jeder dieser Karten ist ein Eishockeyspieler abgebildet, inklusive seiner Fähigkeiten. Es ist pures Glück, welche Karten und damit Spieler in diesen Karten-Sets enthalten sind. Aus dieser Ansammlung muss der Spieler ein funktionierendes Team zusammenstellen und kann anschließend online oder offline gegen andere Teams auf der Eisfläche antreten. Auch dieser Spielmodus findet in den Online-Playoffs seinen Höhepunkt.

Von dieser Grafik könnte sich ein FIFA die ein oder andere Scheibe abschneiden. Denn der Detailgrad, den NHL 12 erreicht, ist unglaublich hoch. Ein Beispiel: Die Strukturierung des Trikotgewebes samt dessen Nähten ist problemlos erkennbar. Zusätzlich enthält das Spiel alle Original-Lizenzen der NHL und DEL sowie von vielen weiteren Amateurligen — inklusive Original-Arenen, Original-Spielergesichtern, die nochmals verbessert worden sind, und Original-Trikots. Das alles trägt zur Atmosphäre bei. So auch die TV-reife Präsentation, die in Vereinsfarben angezogenen und mit Schals wedelnden Zuschauer, das amerikanische Kommentatoren-Duo und der Hallensprecher.

Musikalisch gibt es 14 Song-Titel, unter anderem von den Dropkick Murphys oder Anthrax. Die sind passend und vor allem durch eigene Playlisten von der Festplatte unendlich erweiterbar. Klasse Feature.

NHL 12 bietet den Sport in seiner reinsten Form: Es sieht nicht nur so aus wie Eishockey, es spielt sich auch so. Taktikten, Tricks und die zahlreichen Spielmodi verleihen dem Titel den entsprechenden Tiefgang. Zusätzlich verdichten die Fan-Gesänge, die Kommentatoren und die Original-Lizenzen das grandiose Spielgefühl.

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