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Gefährliche Bequemlichkeit? Vorteile und Risiken beim Online-Banking

Ratgeber : Gefährliche Bequemlichkeit? Vorteile und Risiken beim Online-Banking

Fast zwei Drittel aller Deutschen erledigen ihre Bankgeschäfte regelmäßig über das Internet.

Wie eine entsprechende Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt, lag der Anteil von Online-Banking-Nutzern im Jahr 2020 bei 65 Prozent. Im Vergleich zu 2006 hat sich die Zahl derjenigen, die Überweisungen von Zuhause aus erledigen oder im Büro den Kontostand checken somit mehr als verdoppelt. Dank des breiten Angebotes leicht bedienbarer Softwarelösungen und der Tatsache, dass klassisch geführte Konten oft erheblich teurer sind, erfreut sich das Online-Banking immer größerer Beliebtheit. Bei aller Bequemlichkeit dürfen die Risiken der modernen Internet-Kontoführung allerdings nicht gänzlich außer Acht gelassen werden.

Vom BTX-Angebot zur umfassenden Banking-Software

Die Geschichte des Online-Bankings in Deutschland begann vor mehr als 40 Jahren. Am 12. November 1980 startete die Deutsche Bundespost mit Kunden aus dem Raum Neuss/Düsseldorf die ersten größeren Versuche zu Finanzgeschäften via Bildschirmtext. Über die BTX-Seite #300 hatten Kontoinhaber der damaligen Verbraucherbank (der heutigen Norisbank) die Möglichkeit, Überweisungen von Zuhause aus in Auftrag zu geben. Allerdings dauerte es von diesem Zeitpunkt an noch knapp 20 Jahre, bis die ersten "echten" Online-Banking-Zugänge über das Internet angeboten wurden. Da zur Jahrtausendwende der Anteil von Internet-Nutzern jedoch stark angestiegen war, gewann das Online-Banking schnell viele Freunde und verbreitete sich rasant.

Zahlreiche Vorteile

Der wohl größte Vorteil des Online-Bankings liegt in der Bequemlichkeit: Unabhängig von Bank-Öffnungszeiten und ohne weite Wege zurücklegen zu müssen können Überweisungen getätigt, Daueraufträge eingerichtet oder Umsätze geprüft werden. Am Samstagabend vom Sofa aus schnell noch einen Geldbetrag an den in einer anderen Stadt studierenden Sohn zu senden ist per Internet-Überweisung ebenso möglich wie die Abfrage des aktuellen Kontostandes. Zudem können auch Börsengeschäfte mühelos über das Internet erledigt und das eigene Wertpapierdepot im Blick behalten werden. Da viele Kreditinstitute ihren Kunden die Nutzung des Online-Bankings nicht zuletzt durch geringere Gebühren oder gar eine komplett kostenfreie Kontoführung schmackhaft machen, fällt die Entscheidung für diese moderne Form von Bankgeschäften häufig leicht.

Risiken beim Online-Banking

Trotz der vielen positiven Aspekte gilt es, bestehende Risiken des Online-Bankings zu kennen und angemessen mit ihnen umzugehen. Denn längst geraten nicht mehr nur die Banken selbst, sondern immer häufiger auch ihre Kunden ins Visier von Betrügern und Kriminellen. Bei Online-Banking ist es beispielsweise eine bei Angreifern überaus beliebte Methode, Zugangsdaten über manipulierte E-Mails zu ergaunern. Mehr oder weniger professionell gefälschte Nachrichten gaukeln den Empfängern vor, von der Bank zu stammen und erzählen dabei eine immer recht ähnliche Story: Das Konto wurde gesperrt oder muss überprüft werden - dies wäre über den Link in der E-Mail schnell erledigt. Dieses, auch als Phishing bezeichnete Vorgehen führt immer wieder dazu, dass sich verunsicherte Kontoinhaber trotz gebetsmühlenartiger Warnungen dazu hinreißen lassen, den Link anzuklicken und ihre Zugangsdaten einzugeben. Nicht selten mit drastischen Folgen.

Moderne Sicherheitssysteme schützen

Durch die Einführung von modernen Transaktionsnummer(=TAN)-Systemen und zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen kann ein unberechtigter Geldabfluss heute glücklicherweise häufig verhindert werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Banken im Falle nachweislich krimineller Kontozugriffe entweder Kulanz zeigen und den entstandenen Schaden ausgleichen oder sogar in ihren Geschäftsbedingungen die grundsätzliche Übernahme der Haftung festschreiben. Dennoch gilt: Auch wenn es Cyberkriminellen durch die Schutz- und Sicherheitssysteme der Banken immer schwerer gemacht wird und sich unrechtmäßig erfolgte Abbuchungen meist rückgängig machen lassen, ist ein Mindestmaß an Vorsicht beim Online-Banking unverzichtbar.

Tipp: Staatliche Stellen wie beispielsweise das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bieten gute Tipps für einen gefahrlosen Umgang mit Online-Banking-Verfahren.

Bei Überweisungen auf die richtige IBAN achten

Neben den grundsätzlichen Sicherheitsaspekten sollte bei Überweisungen immer auch darauf geachtet werden, dass die IBAN des Empfängers korrekt eingegeben wurde. Zwar erkennen moderne Banking-Systeme Zahlendreher oder unvollständige IBANs automatisch. Gleichwohl kann es theoretisch passieren, dass eine zwar falsche aber tatsächlich existierende IBAN eingetragen wird. Da gemäß § 675r des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) die Banken grundsätzliche keinen Abgleich zwischen Empfängernamen und IBAN mehr durchführen müssen, kann das Geld somit auf dem Konto eines unbeteiligten Dritten landen - und sich schlimmstenfalls nicht mehr ohne Weiteres zurückholen lassen. Eine genaue Prüfung der Daten des Zahlungsempfängers ist beim Online-Banking daher sehr wichtig.

Allgemeine Voraussetzungen für die Teilnahme am Online-Banking

Voraussetzung für die Teilnahme am Banking via Internet ist ein onlinefähiges Konto. Zwar ist das bei den allermeisten Banken heute standardmäßig der Fall, gleichwohl sind nicht alle Konten von langjährigen Bestandskunden entsprechend freigeschaltet. Es empfiehlt sich daher, mit dem jeweiligen Kreditinstitut Rücksprache zu halten. Gegebenenfalls dürfte die Umstellung schnell und ohne viel Aufwand möglich sein. Grundvoraussetzung ist zudem der Abschluss einer gesonderten "Vereinbarung über die Nutzung des Online-Bankings", sofern dieser Passus nicht bereits als Bestandteil der allgemeinen Vertragsbedingungen über das jeweilige Konto gilt. Übrigens: Bei vielen Banken können onlinefähige Konten auch für Minderjährige eingerichtet werden. Wer für seinen Sohn oder seine Tochter im Teenageralter also ein eigenes Girokonto eröffnet, sollte hier ruhig schon ein wenig in die Zukunft denken und das Online-Banking mit freischalten lassen. Durch die Begrenzung möglicher Überweisungsaufträge und die Tatsache, dass Konten von Minderjährigen meist nicht überzogen werden können, ist das Risiko für Missbrauch minimal.

Technische Voraussetzungen

Für die Teilnahme am Online-Banking sind auch ein paar technische Voraussetzungen erforderlich. So werden in jedem Fall benötigt:

  • Ein PC oder ein mobiles Endgerät (Notebook, Smartphone, Tablet).
  • Ein Internetzugang (LAN, WLAN oder Mobilfunknetz).
  • Ein moderner Browser oder eine Banking-App.
  • Eine Mobilfunkrufnummer nebst Endgerät (Handy, Smartphone) für den Empfang von TAN-SMS.

In letzter Zeit sind immer mehr Banken dazu übergegangen, statt der Zusendung von TANs per SMS (sogenanntes mTAN/mobileTAN-Verfahren) eigene Apps für die Freigabe von online erteilten Aufträgen zu nutzen. Seit September 2019 ist zudem das Online-Banking mit TAN-Listen auf Papier aufgrund der EU-Zahlungsdiensterichtlinie II / PSD2 nicht mehr zulässig. Möglich ist auch die Nutzung eines von manchen Kreditinstituten ausgegebenen TAN-Generators. Dieses handliche Gerät erzeugt für jede einzelne Transaktion eine separate TAN - ein Verfahren, welches von Experten als sehr sicher eingestuft wird.

Fazit: Online-Banking ist bequem und grundsätzlich auch sicher

Online-Banking ist eine bequeme Art, Bankgeschäfte zu erledigen. Dank der Vielzahl moderner Software- oder App-Lösungen sowie durch die Bemühungen der Kreditinstitute um hohe Sicherheitsstandards sind die Risiken inzwischen recht überschaubar. Wer sich für ein Kontomodell mit Internet-Führung entscheidet, spart zudem nicht nur Zeit, sondern oft auch Gebühren. Einzig der Weg zum Bankautomaten zum Zwecke der Beschaffung von Bargeld wird dann noch - ganz klassisch - zu Fuß erfolgen müssen.