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Deutung eines Phänomens: Apple stellt neues iPhone vor: Hurra, es ist ein Telefon

Deutung eines Phänomens : Apple stellt neues iPhone vor: Hurra, es ist ein Telefon

Düsseldorf. Die Vorstellung neuer Apple-Produkte gleicht jedes Mal aufs Neue einem großen Zirkus. Das Publikum starrt gebannt auf die Bühne, wo meistens ein ganz oder zumindest teilweise in schwarz gekleideter Mann sich anschickt, alsbald die Sinne zu täuschen.

Wenn es dann soweit ist, sind Überraschung und Begeisterung so groß, wie die Innovation gering ist. Seht nur, der Zauberer holt wirklich ein weißes Kaninchen aus dem Hut. Schaut, Apple hat ein neues iPhone vorgestellt. Man kann mit ihm sogar telefonieren. Staunen, Jubel, Vorhang.

So war es auch am Mittwochabend, als Apple in San Francisco das iPhone 6s vorstellte. Rund 7000 Zuschauer vor Ort und ungezählte in alten und neuen Medien wollten bei dem Spektakel dabei sein. Wichtigste Neuerung: Der Bildschirm reagiert jetzt auf unterschiedlich starken Tastendruck und öffnet entsprechend verschiedene Ordner. Kennt man vom Computer, dort heißt es: linke Maustaste, rechte Maustaste.

Ansonsten gibt es das übliche: schnellere Prozessoren, mehr Speicherplatz (2 statt einem GB Ram), schärfere Bilder (12 statt 8 Megapixel). Wobei, auf eine bessere Kamera durften iPhone-Nutzer vier Jahre lang warten. Das war es aber auch schon, und das ist auch gut so. Denn so technikverliebt, wie sie auch sein mögen, die meisten iPhone-Besitzer sind konservativ.

Urknall und Schöpfungsgeschichte in einem ist für Apple-Jünger die Vorstellung des ersten iPhones im Jahr 2007. Ihr Guru war Steve Jobs, „der Mann, der die Zukunft erfand“, wie der „Spiegel“ ihn 2013 nannte. Seitdem gibt es zwar jedes Jahr eine Erweiterung und alle zwei Jahre ein neues Modell, der Schwerpunkt liegt aber - um im Bild zu bleiben - auf Evolution und nicht auf Revolution. Warum die Anhänger der Marke mit dem angebissenen Apfel also jede neue Produktvorstellung und jeden neuen Apple-Store feiern wie einen Gospel-Gottesdienst, bleibt ihr Geheimnis.

Genauso wie die Antwort auf die Frage, wie der Kult um die in gebürstetes Aluminium verpackten Technik-Gadgets eigentlich derart zum Selbstläufer werden konnte. Cleveres Marketing und ein solides Produkt sind die bekannten Variablen in dieser Gleichung. Welches die Unbekannten sind, würde nicht nur manch an Mitgliederschwund leidende Religionsgemeinschaft gerne genauer wissen.

Konservativ ist Apple auch beim vielgelobten Design. Da bei der Software derzeit nichts Revolutionäres zu erwarten ist, sollte das iPhone im Bereich Hardware vielleicht mit einem anderen betont bodenständigen Produkt zusammengehen, das früher einmal als Inbegriff für Innovation galt. Denkbar wäre eine Kooperation mit Victorinox, dem Hersteller des in die Jahre gekommenen Schweizer Offiziersmessers. Das hätte den Vorteil, dass man nicht nur die Fotos vom Event während des Besuchs ins Netz stellen, sondern auch noch das dazu passende Getränk öffnen kann.