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Ab neun Jahren beginnt die intensive Mediennutzung

Ab neun Jahren beginnt die intensive Mediennutzung

Eine neue Studie zeigt: Handys stehen bei Kindern auf der Wunschliste ganz oben. Die Eltern steuern dagegen.

Berlin. Kinder, so das gängige Vorurteil, hängen nur noch über dem Smartphone, spielen nicht mehr miteinander und haben kaum noch andere Interessen. In der Realität ist es offenbar halb so schlimm, wie eine am Dienstag in Berlin veröffentlichte Studie von sechs Verlagshäusern zeigt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Bis zum neunten Lebensjahr sind die Kinderzimmer noch gefüllt mit klassischem Spielzeug. Puppen und Stofftiere bei den Mädchen, Autos und Baukästen bei den Jungen, ganz klischeemäßig. Dann gewinnen Digitalgeräte nach und nach die Oberhand. Wenn es nach den Kindern allein ginge, geschähe das viel früher. Fast die Hälfte wünscht sich schon mit sechs Jahren ein Handy, real haben es nur 17 Prozent dieser Altersgruppe. Die Eltern bremsen also. Erst mit 13 ist der Wunsch für fast alle (92 Prozent) Wirklichkeit geworden. Ein Fahrrad haben freilich noch mehr, es bleibt Spielobjekt Nummer 1 bei den Jungen und Nummer 2 (nach Plüschtieren) bei den Mädchen.

Mit Freunden zusammen sein nennen 93 Prozent als ihre Wunschaktivität. Bei den älteren Kindern wird das mit dem Wunsch zu chillen (73 Prozent) kombiniert. Surfen oder die Nutzung von Computerspielen nimmt mit zunehmendem Alter als Aktivität zwar deutlich zu, erreicht aber auch bei den 13-Jährigen nur 71 Prozent, und damit Platz drei. Auf Platz vier liegt das Verlangen „Im Freien zu spielen“ (64 Prozent).

Alle. 93 Prozent gucken mehrmals pro Woche Fernsehen, zumeist ganz klassisch. Streamingdienste, Youtube und Mediatheken werden erst ab zwölf Jahren interessant. Radio, Hörspiele oder CDs werden von 88 Prozent genutzt und Zeitschriften oder Bücher immerhin noch von 72 Prozent. Das Handy nutzten die kleineren Kinder überwiegend zum Telefonieren; erst ab zehn kommen Textnachrichten und soziale Dienste dazu. Übers Internet denken die Kinder mal differenziert („doof, da sitzt Papi stundenlang drin“), mal begeistert („Die coolste Erfindung gleich nach Pferden“).

Im Durchschnitt sind es 22,99 Euro im Monat, wobei Mädchen drei Prozent weniger bekommen als Jungen. Das Thema unterschiedliche Bezahlung scheint früh zu beginnen. Zur Orientierung: Vier- bis Fünfjährige bekommen 6,70 Euro, Sechs- bis Neunjährige 18,76 Euro und Zehn- bis 13-Jährige 34,96 Euro im Monat. Zum Geburtstag und an Weihnachten kommen Geldgeschenke von durchschnittlich 163 Euro im Jahr dazu. Kinder haben also 200 bis 500 Euro jährlich frei zur Verfügung, die sie — in dieser Reihenfolge — für Süßigkeiten, Zeitschriften, Eis und Getränke ausgeben.

In diesem und im vergangenen Jahr wurden insgesamt 3300 Interviews geführt. Bei den Kleinkindern mit den Eltern, bei den Sechs- bis 13-Jährigen als Doppelinterviews mit den Kindern selbst und den Eltern. Die Daten sind repräsentativ für insgesamt 7,3 Millionen Kinder. Schwachpunkt der Studie: Obwohl die Sozialdaten der Haushalte, etwa Einkommen und Bildungsgrad, den Autoren bekannt sind, wurden sie nicht berücksichtigt. Deshalb wurde zum Beispiel nicht ermittelt, ob die Mediennutzung der Kinder in einkommensschwachen Haushalten anders ist als in reicheren. Auch wurden keine Untersuchungen zum Unterschied von Stadt und Land oder bezogen auf den Migrationshintergrund vorgenommen. Dafür galten umso mehr Fragen der Nutzung von Kinderzeitschriften und der Akzeptanz von Werbung — offenbar ein Interesse der Autoren.

Die komplette Studie unter www.kinder-medien-studie.de