Meerbusch: Denkmalschutz soll wichtiger werden

Meerbusch : Denkmalschutz soll wichtiger werden

Politiker fordern, die Stadtverwaltung solle dem Thema einen höheren Stellenwert einräumen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Denkmalschutz in einer Stadt wie Meerbusch? Diese Frage hat zuletzt Politiker in gleich mehreren Ausschüssen beschäftigt. Auslöser war der Streit um die Villa Jansen an der Claudiusstraße in Lank-Latum. Erst nachdem ein Investor das Grundstück samt Wohnhaus gekauft hatte, mit dem Ziel, die Villa abzureißen, um dort neu zu bauen, hatte die Verwaltung ein Denkmalschutzgutachten für die Villa in Auftrag gegeben. Der Ablauf hat den Investor extrem verärgert und die Politiker alarmiert.

„Für die Stadt ist es ein Armutzeugnis, dass wir den Denkmal-Gutachten hinterherlaufen. Wir hätten schon vorher selbst darauf kommen müssen. Das ganze Hin und Her um die Villa Jansen sollte uns ein Lehrstück sein“, kritisierte Dieter Schmoll von der UWG-Fraktion bereits im Kulturausschuss. Dort war zuletzt das Thema Denkmalschutz besonders intensiv und emotional diskutiert worden.

„Wir haben in der Stadt viele denkmalverdächtige, schützenswerte Gebäude und Bereiche. Die müssten alle mal gründlich abgearbeitet werden“, ergänzte Franz-Josef Radmacher (CDU). Dazu gehörten beispielsweise die Mauritiusschule in Büderich, einige alte Häuser an der Viehgasse in Osterath, die beiden letzten Vierkanthöfe in Lank, das Ensemble der Alten Seilerei in Osterath und der Alte Markt mit Stephanuskirche in Lank.

Klaus Rettig (FDP), der die entsprechende Liste mit Vorschlägen aller Fraktionen vorgelegt hatte, forderte: „Für die Zukunft ist es wichtig, dass uns nichts mehr durchgeht. Dafür ist aber mehr Personal und mehr Geld nötig.“ Franz-Josef Jürgens (CDU) ergänzte: „Das Thema Denkmalschutz ist in der Vergangenheit immer wieder versandet. Wir müssen uns gemeinsam dafür einsetzen, dass der Denkmalschutz in Meerbusch endlich den Stellenwert bekommt, den er auch verdient.“

Viele schützenswerte Gebäude und Bereiche in der Stadt

Der Vorsitzende des Heimatkreises Lank stellte daraufhin einen fraktionenübergreifenden Antrag, der einstimmig beschlossen wurde: Die Verwaltung soll nun „intensiv“ die umfangreiche Liste möglicher schützenswerter Denkmäler prüfen. Klaus Rettig dazu: „Denn wenn wir nicht aufpassen, wird die Liste immer kürzer, weil die Gebäude in der Zwischenzeit abgerissen wurden.“

Ausschussvorsitzender Georg Neuhausen (SPD) machte deutlich, wie wichtig dieser „richtungsweisende Auftrag an die Verwaltung“ den Kulturpolitikern ist: „Wir sind unzufrieden, wie die Verwaltung in der Vergangenheit mit dem Denkmalschutz umgegangen sind. Deshalb hat die Überprüfung der Liste möglicherweise sogar eine höhere Priorität als die Denkmalliste, die ja nun auch endlich erstellt werden soll.“

Denn das hatte zuvor Dezernent Michael Assenmacher angekündigt: Ab Juli stellt die Verwaltung für sechs Monate eine Mitarbeiterin ein, die während dieser Zeit eine digitalisierte Denkmalliste für Meerbusch erstellen soll. Assenmacher: „Wir wollen kein Stück­werk mehr mit Karteikarten und Word-Dokumenten. Die Liste soll endlich vollständig, digital und für jeden zugänglich sein.“ Georg Neuhausen lobte: „Wir freuen uns, wenn die Liste endlich komplett und fertig ist. Mit allen Daten und Nummerierung. Darauf warten wir schon so lange.“

Die Mitglieder im Kulturausschuss sorgten sich allerdings um die Kompetenz der Mitarbeiterin, die Assenmacher als „Praktikantin“ vorstellte. Klaus Rettig, der selbst bereits zahlreiche Daten zu Meerbuscher Denkmälern gesammelt hat, sagte: „Ich habe Zweifel, dass eine Praktikantin in so kurzer Zeit eine solche Liste erstellen kann. Das muss hochprofessionell gemacht werden.“

Michael Assenmacher betonte, dass es keinen Grund gebe, an der Kompetenz der Praktikantin zu zweifeln und versprach: „Die Liste wird auf jeden Fall fertiggestellt.“ Die Verwaltung nahm dafür das Angebot von Ratsherr Rettig an, dessen bereits vorliegenden Datenbestand für die neue Liste zu verwenden.