Kommentar  Die Stadt will den Bau neuer Wohnungen und Quartiere weiter forcieren: Bauen, bauen, bauen ist für den Wahlkampf nicht der Hit

Kommentar  Die Stadt will den Bau neuer Wohnungen und Quartiere weiter forcieren : Bauen, bauen, bauen ist für den Wahlkampf nicht der Hit

Im September 2020 sind Kommunal- und OB-Wahlen in Düsseldorf. Das ist noch lange hin. Und doch hat man beim Amtsinhaber gerade den Eindruck, ihm könne der Wahlkampf gar nicht früh genug losgehen. Müllabfuhr, Tempolimit im Rheinufertunnel, Parkgebühren bis in die Nacht zum Schutz der Anwohner: Thomas Geisel schaltet sich immer öfter ein, wenn er befürchtet, dass die Leute sauer auf die Stadt sein könnten.

Oder wenn er umgekehrt hofft, sich beliebter machen zu können. Dabei wirkt Geisel ein wenig wie der hochmotiviert durch den Ring tänzelnde Boxer, der auf seinen Gegner warten muss.

Im Wahlkampf wird es neben dem persönlichen Image besonders darauf ankommen, zündende Themen für eine Kampagne zu finden. Bei der Suche danach liegt das Wohnen seit Jahren buchstäblich auf der Straße.  Mieten und Kaufpreise steigen in allen prosperierenden Metropolen und Studentenstädten immer weiter an, so auch in Düsseldorf. Dass Geisel nun ganz besonders laut die immer neuen Bauprogramme hervorhebt, erscheint logisch, ist aber keineswegs risikolos. Denn die Bauerei wird aus zwei entgegengesetzten Richtungen unter Beschuss genommen: Die einen kritisieren, dass die Stadt trotz aller Anstrengungen das Problem nicht lösen kann, ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreicht. Also immer noch für zu wenig Wohnungsbau sorgt und die Preistreiberei nicht gestoppt kriegt. Den anderen dagegen ist das erreichte Maß schon viel zu viel. Sie rufen von Stockum (Fashion Häuser) bis Niederkassel (St. Anna), von Unterbach (Breidenplatz) bis Hubbelrath (Bergische Kaserne): Halt, es reicht. Baut weniger dicht – und unsere schöne Stadt nicht zu.

Tatsächlich drückt (und interessiert) ja die meisten Düsseldorfer der Mangel an bezahlbarem Wohnraum deutlich weniger als diejenigen, die neu hierhin ziehen möchten. Letztere freilich können bei der Kommunalwahl in Düsseldorf nicht abstimmen. Wer hier längst lebt (im Bestand oft noch zu moderater Miete), der möchte womöglich gar nicht, dass die Einwohnerzahl immer weiter steigt. Denn das erhöht die Konkurrenz in vielen Lebenslagen – von der Kita und Schule über den Parkplatz bis zum Klavierunterricht oder Schwimmkurs.

Das heißt natürlich nicht, dass Stadtspitze und Politik beim Wohnungsmangel einfach die weiße Fahne hissen sollten. Es stimmt ja: Wenn man gar nichts tut, das Angebot beim Status quo belässt, geht deswegen nicht die Nachfrage nach einer begehrten Stadt zurück.Vielmehr steigt der Preisdruck weiter an und letztlich setzen sich dann die in Düsseldorf durch, die mehr Geld fürs Wohnen bezahlen können. Das kann es nicht sein.

Und doch müsste die Stadt noch mehr versuchen, andere Hebel als ständig den Baukran in Bewegung zu setzen. Zum Beispiel den einer effizienteren Verteilung des Wohnraums. Insgesamt ist der bekanntlich reichlich vorhanden, viele Düsseldorfer haben viel zu viel davon. So leben zum Beispiel hochbetagte Menschen allein in großen Vier-Zimmer-Wohnungen oder Häusern, auch weil der Umzug in eine kleine Wohnung für sie teurer wäre.