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Was der Mercedes Marco Polo zu bieten hat und was nicht

Campervan im Test : Was der Mercedes Marco Polo zu bieten hat und was nicht

Camping boomt, und weil Reisen mit der Bahn oder dem Flieger zurzeit eher beschwerlich ist, denken viele über ein Urlaubsmobil nach. Ein Van wie der Marco Polo von Mercedes macht den Umstieg leicht.

Stundenlange Schlangen an der Sicherheitskontrolle, Glückspiel an der Gepäckausgabe und die Züge hoffnungslos überfüllt. Selten war der Urlaub mit dem Auto so verlockend wie in diesem Sommer. Und weil auch in den Hotels und Pensionen längst nicht alles rund läuft, ist Camping beliebter denn je.

Menschen, die sich nicht extra ein Fahrzeug für den Urlaub leisten können oder wollen, nehmen dafür am besten einen sogenannten Campervan. Der ist das Jahr über eine ganz gewöhnliche Großraumlimousine, lässt sich aber für den Urlaub mit ein paar Handgriffen zum Feriendomizil auf Rädern umbauen. Und wer sich am Strand sattgesehen hat, der rüstet den Van genauso schnell wieder zurück und zieht einfach weiter.

Die V-Klasse zum Wohnen

Angeboten werden solche Lösungen nicht nur von den üblichen Umrüstern, sondern oft direkt vom Hersteller. Neben dem VW California ist es vor allem der Mercedes Marco Polo, den man häufig auf den Stellplätzen am Strand und in den Bergen sieht. Wie immer, wenn es um Sterne bei der Übernachtung geht, ist allerdings auch die umgebaute V-Klasse etwas teurer. Schon der Grundpreis liegt bei knapp 60.000 Euro und mit dem stärksten Antrieb auch beim anderthalbfachen.

Und es lohnt durchaus, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Auf Luftfederung und Allradantrieb lässt sich vielleicht noch verzichten. Doch angesichts der über zwei Tonnen Eigengewicht mag man sich eine Alpen-Tour mit dem 100 kW/136 PS starken Diesel aus dem V 200d nur schwerlich vorstellen.

Aber es gibt den Selbstzünder auch als V220d mit 120 kW/163 PS, als V 250d mit 160 kW/190 PS oder gleich als V300d mit 174 kW/237 PS. Der erlaubt mit 500 Nm und einem Sprintwert von 8,6 Sekunden auch mal ein Überholmanöver und lässt die Reisezeit mit einem Spitzentempo von 217 km/h spürbar schmelzen. Und gemessen am Elektroauto ist die Fahrt mit der V-Klasse wie ein Langstreckenflug. Denn bei einem Normverbrauch von 8,5 Litern kommt der Marco Polo oft quer durchs Land.

Wie ein Luxus-SUV mit extra Beinfreiheit

Auf der Straße fühlt sich der schwäbische Entdecker an wie ein etwas groß geratenes Luxus-SUV. Das liegt vor allem an der erhöhten Sitzposition und dem souveränen Fahrverhalten, aber auch am hochwertigen Ambiente und den zahlreichen Assistenten. Auf der Rückbank genießt der Nachwuchs sogar noch mehr Beinfreiheit als in einem großen SUV.

Auf dem Campingplatz zeigt die V-Klasse zudem ihre Steherqualitäten und wird in ein paar Minuten zum Wohnwagen. Unter dem Aufstelldach entsteht ein Schlafzimmer, hinter dem Fahrer gibt es eine kleine Küchenzeile samt Kühlschrank, Spülbecken und Gasherd. Und in den Schränken ringsum verschwindet das Gepäck, das nicht unter die Rückbank passt.

Werden die Sessel gedreht, können es sich vier Insassen an dem ausgeklappten Tisch bequem machen. Für die Hygiene befindet sich drinnen ein Badschrank mit Schminkspiegel und draußen eine Dusche. Und wenn es Nacht wird, krabbelt man entweder unter das Klappdach oder baut den Fond mit drei Handgriffen zum luftigeren Schlafzimmer um.

Hyperspace auf dem Campingplatz

Spätestens im Liegen entdeckt man noch einen weiteren Vorteil des Marco Polo. Weil Connectivity auch beim Camping längst ein großes Thema ist, hat Mercedes den Van voll vernetzt und eine App programmiert: Ambientelicht, Standheizung, das Ausstelldach, ja sogar die Temperatur im Kühlschrank kann man so vom Smartphone aus steuern. Nicht ganz so bequem hat man es allerdings, wenn man zur Toilette muss. Denn damit ist der Van nicht ausgestattet.

Fazit: Auf zu neuen Ufern

Zwar ist der Komfort größer, je kleiner die Reisegruppe ist. Und natürlich geht nichts über eine eigene Nasszelle ohne Publikumsverkehr. Doch für ein paar Nächte kann man es in dem Van gut aushalten. Auch mit seiner vernetzten Steuerung und seinem hohen Nutzen im Alltag dürfte der Marco Polo einem die Entscheidung leicht machen.

Datenblatt: Mercedes V300d Marco Polo


 Motor und Antrieb Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
 Hubraum: 1950 ccm
 Max. Leistung: 174 kW/237 PS
 Max. Drehmoment: 500 Nm
 Antrieb: Allradantrieb
 Getriebe: 9G-Automatik


 Maße und Gewichte 
 Länge: 5140 mm
 Breite: 1928 mm
 Höhe: 1880 mm
 Radstand: 3200 mm
 Leergewicht: 2615 kg
 Zuladung: 485 kg
 Kofferraumvolumen: k.A. Liter


 Fahrdaten: 
 Höchstgeschwindigkeit: 217 km/h
 Beschleunigung 0-100 km/h: 8,6 s
 Durchschnittsverbrauch: 8,5 Liter/100 km
 Reichweite: 670 km
 CO2-Emission: 223 g/km
 Kraftstoff: Diesel
 Schadstoffklasse: Euro 6d
 Effizienzklasse: k.A.


 Kosten: 
 Basispreis der Modellreihe: 58.290 Euro
 Kosten des V300d Marco Polo: 84.995 Euro
 Typklassen: k.A.
 Kfz-Steuer: 446 Euro/Jahr


 Wichtige Serienausstattung: 
 Sicherheit: Sechs Airbags, ESP, Seitenwind-Assistent
 Komfort: Klimaanlage, Komfortsitze, Aufstelldach, zwei Doppelbetten, Küchenzeile
 Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Angaben laut Hersteller

© dpa-infocom, dpa:220811-99-351145/9

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(dpa)