1. Auto
  2. Testberichte

Taugt der Genesis G90 für den deutschen Premiummarkt?

Autotest : Taugt der Genesis G90 für den deutschen Premiummarkt?

Genesis? Inzwischen ist die luxuriöse Hyundai-Schwester unter diesem Namen bekannt. Mit dem neuen G90 will sie nun in der ganz oberen Liga mitmischen.

Die Platzhirsche der automobilen Oberklasse bekommen einen neuen Konkurrenten. Nachdem bereits Lexus und Cadillac erfolglos gegen Audi A8, 7er BMW und Mercedes S-Klasse angetreten sind, will nun Genesis mit dem G90 die deutschen Topmodelle herausfordern.

Fürs erste erfolgt die Einführung nur daheim in Korea und in den USA als ihrem wichtigsten Markt. Doch nachdem der Europa-Start mit zwei SUV und zwei Limousinen der gehobenen Mittelklasse so gut gelungen ist, denkt Genesis mittlerweile auch laut über eine Kleinserie für unsere Straßen nach.

Gleiches Prestige, niedrigerer Preis

Das könnte sich lohnen. Denn der G90 lockt mit einem Preis, der zumindest in den USA mit 88.400 Dollar oder umgerechnet 85.000 Euro mehr als 20 Prozent unter den süddeutschen Luxuslimousinen liegt. Doch auch das Flaggschiff von Genesis steht für klassische Eleganz.

Mit seinen vier LED-Schlitzen im Bug und dem breiten Kühler dazwischen wirkt der G90 genauso mächtig wie die S-Klasse. Er tritt aber weniger provozierend auf als der Siebener. Und mit der schnellen Dachlinie und dem leichten Schwung über dem Kofferraum hat er das mit Abstand gefälligste Heck im Segment.

Auch innen geht Genesis einen eigenen Weg. Ja, natürlich sind die Instrumente animiert, und es gibt einen Touchscreen für Navigation und Infotainment. Auf dem Mitteltunnel prangt zudem ein zusätzliches Sensorfeld. Doch während Siebener und S-Klasse mit der Größe ihrer Displays wetteifern und so irgendwo zwischen Space Shuttle und Spielothek landen, pflegt ausgerechnet der jüngste Neuzugang in dieser Klasse den traditionellsten Stil.

Erfrischung auf Knopfdruck

Trotzdem setzen die Koreaner auch auf digitale Errungenschaften. Der Fahrer wird etwa am Fingerabdruck erkannt und von einer verständigen Sprachsteuerung unterstützt. Egal ob Erfrischung oder Entspannung benötigt wird - für die optimale Wohlfühlatmosphäre sorgen unterschiedliche Moods. Hiefür stimmen sich alle Komfortsysteme von der Klimatisierung bis zum Soundsystem miteinander ab.

Wie bei allen Luxuslimousinen liegt auch beim G90 das Augenmerk der Entwickler auf dem Fond. Dort befinden sich deshalb schon in der Standardvariante auf Wunsch eine Loungeliege mit ausklappbarer Fußraste, Massagesitze, Jalousien und jede Menge elektrischer Helfer - selbst die Türen öffnen und schließen vorn wie hinten auf Wunsch auf Knopfdruck. Und wem das nicht reicht, der bekommt den Luxusliner auch mit 19 Zentimetern mehr Radstand und noch mehr Beinfreiheit.

Schmale Kost unter der großen Haube

Während der G90 bei Design und Ausstattung mit den Marktführern durchaus mithalten kann, reicht es beim Antrieb nicht ganz. Zwar verfügt der Sechszylinder mit 279 kW/380 PS und 540 Nm über ausreichend Kraft. Und auch die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in kaum mehr als fünf Sekunden und die maximale Geschwindigkeit von 250 km/h sind beachtliche Werte.

Doch wenn es ums Prestige geht, kann man in dieser Klasse mit einem V6-Benziner von 3,5 Litern Hubraum keinen Stich machen - selbst wenn er in der Top-Version noch einen elektrischen Turbolader bekommt, der weitere 21 kW/29 PS mobilisiert. Acht Zylinder sollten es da mindestens sein, und wenn es (noch) keine vollelektrische Variante gibt, dann doch bitte wenigstens einen Plug-in-Hybrid. Doch auch hier muss Genesis bisher passen.

Trotzdem: Beim Fahrkomfort lässt sich der G90 wenig Schwächen anmerken. Das Paket aus adaptiver Luftfederung, Allrad, Automatik und Hinterachslenkung ist hervorragend abgestimmt und macht engagiertes Fahren wie auch entspanntes Cruisen zu einem angenehmen Erlebnis.

Fazit: Koreaner zeigen, was sie können

Auch wenn deutsche Automarken die Oberklasse hierzulande unter sich aufteilen, sollte Genesis nicht gleich einen Bogen um Deutschland machen. Mit ihrem neuen Flaggschiff zeigen die Koreaner nämlich, dass sie auch Luxus können. Der G90 bietet klassische Eleganz und viel Komfort - sowohl beim Fahren als auch beim Mitfahren im Fond.

Die digitale Ausstattung ist zeitgemäß, ohne den Nutzer zu überfordern. Dass die Motorenauswahl etwas beschränkt bleibt, ist bedauerlich, aber kein K.-o.-Kriterium. Schließlich dürfte vor allem eines zählen: Der Preis ist niedriger als bei der Konkurrenz.

Datenblatt: Genesis G90 (US-Modell)


 Motor und Antrieb V-Sechszylinderturbobenzindirekteinspritzer
 Hubraum: 3470 ccm
 Max. Leistung: 279 kW/380 PS
 Max. Drehmoment: 540 Nm
 Antrieb: Allradantrieb
 Getriebe: 8-Gang-Automatik


 Maße und Gewichte 
 Länge: 5275 mm
 Breite: 1930 mm
 Höhe: 1490 mm
 Radstand: 3180 mm
 Leergewicht: k.A.
 Zuladung: k.A.
 Kofferraumvolumen: k.A.


 Fahrdaten: 
 Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
 Beschleunigung 0-100 km/h: ca. 5,5 s
 Durchschnittsverbrauch: k.A.
 Reichweite: k.A.
 CO2-Emission: k.A.
 Kraftstoff: Super
 Schadstoffklasse: k.A.
 Energieeffizienzklasse: k.A.


 Kosten: 
 Basispreis des Genesis G90 (US-Modell): ca. 86.000 Euro


 Wichtige Serienausstattung: 
 Sicherheit: Acht Airbags, Notbremsassistent, Müdigkeitswarner, automatisches Fernlicht, Tempomat mit Abstandsregelung und Lenkeingriff
 Komfort: Klimaautomatik, Massagesitze, Loungeliege im Fond, Mood-Steuerung

Alle Angaben laut Hersteller

© dpa-infocom, dpa:221206-99-799404/12

Hier geht es zur Bilderstrecke: Taugt der Genesis G90 für den deutschen Premiummarkt?

(dpa)