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Fahrbericht: Rolls-Royce Ghost „Black Badge“ im Test: Lady in Black

Fahrbericht : Rolls-Royce Ghost „Black Badge“ im Test: Lady in Black

Berlin (dpa-infocom) - Als Superreicher hat man es nicht leicht. Permanent ist man auf der Hut, dass einem kein anderer Krösus die Schau stiehlt. Mit einem Auto von der Stange kommt man da nicht weit.

Selbst wenn es ein Rolls-Royce ist.

Fahrbericht: Rolls-Royce Ghost „Black Badge“ im Test: Lady in Black
Foto: dpa

Mittlerweile lassen mehr als ein Drittel aller Kunden ihren Luxusliner individuell veredeln. Ging es dabei früher vor allem um Glanz und Gloria, haben neue und vor allem jüngere Kunden offenbar einen anderen Geschmack, der etwas düsterer ist und zugleich nach mehr Dampf verlangt. Dem trägt die edle BMW-Tochter jetzt mit so genannten „Black Badge“-Modellen für Ghost, Wraith und demnächst wohl auch den Dawn Rechnung.

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Rabenschwarze Rhetorik statt PS-Proletariat

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Dass dafür bei der Limousine mindestens 325 495 Euro und beim Coupé sogar 339 805 Euro fällig werden, scheint die Kunden nicht zu stören: Die Bestellquote für den „Black Badge“ jedenfalls liegt bei immerhin zehn Prozent.

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Für einen Aufpreis von etwa 45 000 Euro, der Normalsterblichen schon allein für eine Limousine der gehobenen Mittelklasse reichen würde, zieht Rolls-Royce die gleichen Register, wie sie ein Werkstuner ziehen würde. Nur dass die Briten dabei etwas behutsamer vorgehen und dem Kind einen anderen Namen geben. Wo die M GmbH von einem Performance-Modell spricht, philosophieren sie von einem „Alter Ego“ und rücken den „Black Badge“ mit einer rabenschwarzen Rhetorik auf die dunkle Seite der Pracht.

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Souverän aber nicht sportlich

Dabei verwenden sie nur einen Teil ihrer Ressourcen auf die Raserei. Denn wer einen Rolls-Royce fährt, ist Herr seiner Zeit und muss sich von nichts und niemandem hetzen lassen. Außerdem wird aus einem Luxusdampfer von rund 2,5 Tonnen und 5,40 Metern auch dann keine Sportlimousine, wenn man das Fahrwerk etwas strammer abstimmt, die acht Automatik-Gänge ein paar hundert Touren weiter ausdreht und dem Motor eine Leistungsspritze gönnt.

Schon im Standard-Ghost ist der 6,6 Liter große V12 mit seinen 421 kW/572 PS und 780 Newtonmeter so souverän, dass 30 kW/40 PS und 60 Newtonmeter mehr keinen messbaren Unterschied machen. Nicht umsonst stehen im Datenblatt mit 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 250 km/h Spitze fast die gleichen Werte.

Der Kick passiert im Kopf, nicht in der Kurve

Im Gegensatz zur Physik lässt sich die Psyche sehr wohl überlisten. Wo man sonst in einer Limousine vom Schlage eines Ghost am liebsten hinten rechts sitzt und das Steuern einem dienstbaren Geist überlässt, lockt es einen im „Black Badge“ lautstark hinter das Lenkrad. Das gilt im übertragenen Sinne, weil sich das Auto vielleicht doch ein bisschen verbindlicher anfühlt und engagierter bewegen lässt. Selbst, wenn das Lenkrad zu dünn ist, zu steil steht und man viel zu erhaben im Sessel thront.

Und natürlich, weil man diesen teuren Spaß vielleicht auch einfach nicht seinem Chauffeur gönnen möchte. Das kann man durchaus wörtlich nehmen. Denn schon allein wegen der höheren Drehzahlen ist das ferne Flüstern des Triebwerks nun einen Hauch präsenter und kommt einem in der vornehmen Stille fast schon ohrenbetäubend vor.

Schwarzmalerei in Perfektion

Weil es bei derart luxuriösen Fahrzeugen immer auch um den schönen Schein geht, hat Rolls-Royce mindestens genau so viel Energie auf den standesgemäßen Auftritt verwandt. Wie es sich für eine Luxus-Manufaktur gebührt, wurden dabei keine Kosten und Mühen gescheut. Allein an den Felgen mit Karbonrädern und einem Innenleben aus Aluminium haben die Ingenieure zwei Jahre entwickelt, und der von Hand polierte Lack hat mehr Tiefe und Schwärze denn je. Für die düsteren Konsolen im Innenraum werden Karbonfäden mit Alufasern verwoben, die gerade einmal 0,014 Millimetern dick sind. Diese werden dann mit sechs Schichten Klarlack überzogen und nach 72 Stunden Trockenzeit ebenfalls von Hand auf Hochglanz gebracht.

Dass der sonst so gleißend strahlende Kühlergrill jetzt so düster und trotzdem glänzend ist wie eine wolkenlose Neumondnacht und sich selbst die Spirit of Ecstasy auf der Haube von einem Schwarzen Hauch von nichts umwehen lässt, war da noch die leichteste Übung. Allerdings goutieren nicht alle Kunden diese Schwarzmalerei - und bestellen ihren „Black Badge“ deshalb in jeder anderen Farbe des Regenbogens.

Fazit: Maximaler Prunk durch ultimatives Understatement

Leistung und Luxus ohne Ende und dazu mehr Glanz und Gloria als bei jedem anderen Auto - eigentlich ist ein Rolls-Royce an Dekadenz kaum mehr zu überbieten. Doch mit dem „Black Badge“ machen die Briten das Unmögliche möglich und kehren den maximalen Prunk in das ultimative Understatement. Dass man dafür einen unverschämt hohen Aufpreis zahlen muss, wird den Kunden sogar recht sein. Denn zumindest Kenner werden an der Lady in Black auf den ersten Blick erkennen, was für ein sündteures Glanzstück sie da vor sich haben.

Datenblatt: Rolls-Royce Ghost Back Badge

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke