Mercedes SLS AMG: Comeback ohne Retro-Kitsch

Mercedes SLS AMG: Comeback ohne Retro-Kitsch

Mit dem 571-PS-Supersportwagen gibt es nach 50 Jahren wieder einen Flügeltürer.

Düsseldorf. Gut, dass es mit der Konjunktur wieder bergauf geht. So wird manchem Interessenten die Unterschrift unter dem Kaufvertrag für den neuen Mercedes SLS AMG ein wenig leichter fallen. Der 420 kW/571 PS starke Flügeltürer überführt das Erbe des legendären 300 SL aus den 50er Jahren in die automobile Neuzeit - ohne peinlichen Retro-Kitsch, sondern als moderne Sportwagen-Interpretation mit einem feinen Sinn fürs Historische.

Markteinführung ist am 16. November zu Preisen ab 177 310 Euro. Wer diesen Betrag entbehren kann, dem sei der Zweisitzer ohne Einschränkung ans Herz gelegt.

Dabei ist der Flügeltüren- Showeffekt quasi nur das i- Tüpfelchen, das für Aufsehen bei jedem Tankstopp und bei jedem Halt auf dem Boulevard sorgt. Es sind auch die stimmigen Proportionen, die lange Motorhaube, die Kombination aus extremer Tieflage, breiter Spur und langem Radstand, die diesen SLS ausmachen; oder der manchmal brüllende, manchmal blubbernde Achtzylinder: Für die Kreation des Motorsounds mussten 16 Abgasanlagen entwickelt werden, bevor endlich alle Verantwortlichen zufrieden waren.

Ganz ohne Kompromisse ging es dabei aber nicht. Weil die neue Aluminium-Karosserie besonders hellhörig ist, war das Innenraumgeräusch anfangs dann doch zu hoch, als dass man es einem Mercedes- Kunden hätte zumuten können. Erst der aufwendige Einsatz von Dämmmaterialien brachte ein Geräuschniveau, mit dem alle leben können. Das wiederum wirkte sich auf das Fahrzeuggewicht aus, das mit 1 620 Kilogramm moderat, aber keineswegs rekordverdächtig ausfällt.

Auch Klimaautomatik, Sitzheizung und Einparkhilfe dürfen natürlich nicht fehlen. Dennoch müssen Fahrer und Beifahrer angesichts des schmalen Kofferraums mit einem Volumen von 176 Litern und weniger Ablageflächen ein paar Einschränkungen hinnehmen. Der Einstieg durch die offenen Flügeltüren gelingt hingegen ohne Verrenkungen; beim Ausstieg stoßen sich Neulinge gelegentlich den Kopf.

Die Basis des 420 kW/571 PS starken 6,2-Liter-Benziners liefert jener V8, der etwa im neuen E 63 AMG zum Einsatz kommt. Zusammen mit dem neu entwickelten Doppelkupplungsgetriebe bildet der V8 ein kongeniales Antriebsduo für das souveräne Gleiten ebenso wie für den rasanten Ritt auf der Rennstrecke.

Die Transaxle-Bauweise - Motor vorn, Getriebe hinten, beides verbunden durch eine nur 4,7 Kilogramm schwere Antriebswelle aus Carbon - sorgt für eine ideale Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse von 47:53 und für eine herausragende Fahrdynamik.

Werte wie die 317 km/h Höchstgeschwindigkeit oder die 3,8 Sekunden für den Sprint von null auf 100 sind hingegen eher etwas fürs Autoquartett - genauso wie der auf dem Prüfstand gemessene Verbrauch von 13,2 Litern je 100 Kilometer, der nur selten mit der Alltagsrealität in Übereinstimmung zu bringen sein dürfte. Potentielle Kunden wird das aber nicht weiter stören.

Mehr von Westdeutsche Zeitung