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Mercedes G-Klasse: Ist der 4x4² der ultimative Geländewagen?

Fahrbericht : Mercedes G-Klasse: Ist der 4x4² der ultimative Geländewagen?

Er stellt die meisten anderen Geländewagen wohl buchstäblich in den Schatten. Denn seine Portalachsen machen den G 4x4² zu einem übergroßen Koloss. Doch wie fährt sich der Mercedes fürs Grobe?

Mercedes setzt der neuen G-Klasse die Krone auf. Denn drei Jahre nach dem Generationswechsel bieten die Schwaben den Vierkant aus Graz jetzt auch wieder als 4x4²an.

Als einziger Geländewagen-Hersteller stellt Mercedes dafür ein Serienmodell ab Werk auf sogenannte Portalachsen und verschafft der anspruchsvollen Kundschaft so noch mehr Freiheiten auf der Buckelpiste. Für die erwünschte Aufmerksamkeit im Stadtverkehr ist damit natürlich auch gesorgt.

Den Aufstieg gibt es natürlich nicht umsonst: Mit 300.000 Euro ist der G 63 4x4² knapp dreimal so teuer wie das Basismodell und liegt noch rund 100.000 Euro über der herkömmlichen AMG-Version.

Der Thron will erstmal erklommen werden

Die Sache mit dem Aufstieg kann man bei diesem Auto übrigens wörtlich nehmen. Denn bei den Portalachsen rückt ein Umlenkgetriebe an der Radnabe die eigentliche Achse um zwei Hand breit nach oben und erhöht so die Bodenfreiheit. Das erfordert von den Insassen allerdings eine kleine Kletterpartie: Mühsam muss man sich nach oben ziehen, wenn man den wohl höchsten Thron der SUV-Welt erklimmen will. Immerhin gibt es serienmäßig einen expeditionstauglichen Dachträger, der nicht nur die LED-Zusatzscheinwerfer hält, sondern auch als Kletterstange dient.

Seine extreme Höhe bewirkt zudem, dass andere Mercedes-Offroader gegen den 4x4² vergleichsweise mickrig aussehen. Die martialischen Kotflügelverbreiterungen aus Karbon verstärken diesen Eindruck. Und wer hinter dem Steuer sitzt, dürfte sich der opulenten Außenwirkung durchaus bewusst sein. Denn wenn man mit Truckern auf Augenhöhe fährt, kommt automatisch ein erhabenes Gefühl auf. Das luxuriöse Manufaktur-Ambiente, die feinen Lederbezüge und die vielen elektrischen Helfer tun ihr Übriges.

Im Gelände und auf der Straße ein Star

Die Überlegenheit zeigt sich auch im Gelände: Weil die Bodenfreiheit um elf auf 35 Zentimeter zulegt, meistert der G 63 nicht nur Steigungen hinauf und hinab besser. Sondern er nimmt jetzt noch größere Gesteinsbrocken zwischen die Räder, kraxelt unbeirrt über Baumstämme und watet durch Furten von 90 Zentimetern Tiefe.

Zwar gab es die Quadratur der G-Klasse auch schon in der letzten Generation. Allerdings war der G 500 4x4² vor allem fürs Gelände optimiert. Nun soll das Sondermodell auch im Alltag Spitzenleistungen bieten. Und die Voraussetzungen dafür stimmen. Schließlich fährt der 4x4² diesmal nicht mit dem V8-Motor des G 500, sondern mit dem AMG-Achtzylinder des G 63.

Schon beim Anlassen geht ein Grollen durch die G-Klasse als bräche irgendwo eine Gerölllawine los, dann entfaltet sich die enorme Kraft des 4,0 Liter großen Achtzylinders. 430 kW/585 PS und bis zu 850 Nm lassen sich weder von den rund 2,8 Tonnen Gewicht, noch vom Luftwiderstand einbremsen. Und so hoch oben sitzend beeindruckt der Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,0 Sekunden noch mehr. Gleiches gilt für das Spitzentempo von 210 km/h. Daher lassen sich die fehlenden 30 km/h zum normalen G 63 leicht verschmerzen.

Vom Spritschlucker zum Stromer?

Die Kraftdemonstration des Riesenabenteurers hat freilich seinen Preis - und den zahlt man an der Tankstelle. Denn schon der Normverbrauch ist mit 20,1 Litern (CO2-Ausstoß 456 g/km) stattlich, und im Alltag werden es oft noch mehr.

Die meisten Käufer wird der hohe Verbrauch kaum stören, und allen Klimabewussten macht Mercedes eine vielversprechende Ankündigung: In spätestens zwei Jahren wird es die G-Klasse auch mit reinem Elektroantrieb geben. Erste Prototypen davon sind schon unterwegs. Und weil sich diese beim sogenannten „G-Turn“ auf der Stelle drehen können, ist ihnen der große Auftritt selbst ohne V8 sicher.

Fazit: Diese G-Klasse ist der Gipfel

Nicht nur weil sie mehr als zwei Meter aufragt, ist diese G-Klasse der Gipfel. Sondern vor allem, weil sie so ziemlich alles vereint, was Mercedes in den letzten 40 Jahren in die Autoikone aus Graz gesteckt hat. Potenziert wird das Ganze schließlich durch die Portalachsen, die den G 63 zum 4x4² machen. Für zahlkräftige Kunden offenbar ein Must-have: Die gesamte, auf immerhin zwei Jahre ausgelegte Produktion, ist bereits ausverkauft.

Datenblatt: Mercedes-AMG G 63 4x4²


 Motor und Antrieb V8-Turbo-Benzindirekteinspritzer
 Hubraum: 3982 ccm
 Max. Leistung: 430 kW/585 PS
 Max. Drehmoment: 650 Nm
 Antrieb: Allradantrieb
 Getriebe: Neungang-Automatik


 Maße und Gewichte 
 Länge: 4936 mm
 Breite: 2095 mm
 Höhe: 2255 mm
 Radstand: 2872 mm
 Leergewicht: 2865 kg
 Zuladung: 535 kg
 Kofferraumvolumen: - Liter


 Fahrdaten: 
 Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
 Beschleunigung 0-100 km/h: 5,0 s
 Durchschnittsverbrauch: 20,1 Liter/100 km
 Reichweite: k.A.
 CO2-Emission: 456 g/km
 Kraftstoff: Super
 Schadstoffklasse: EU6d
 Energieeffizienzklasse: F


 Kosten: 
 Basispreis des Mercedes G 63 AMG 4x42: 300.000 Euro
 Typklassen: k.A.
 Kfz-Steuer: 802 Euro/Jahr


 Wichtige Serienausstattung: 
 Sicherheit: Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Tempomat, Allradantrieb, Tempomat, Portalachsen
 Komfort: Klimaautomatik, Zentralverriegelung, Komfortsitze mit Massagefunktion, Manufaktur-Leder
 Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

© dpa-infocom, dpa:221221-99-979708/36

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(dpa)