Testfahrt: Der SsangYong Korando bietet viel Ausstattung für wenig Geld

Testfahrt : Der SsangYong Korando bietet viel Ausstattung für wenig Geld

Kia Sportage oder Hyundai Tucson sieht man an jeder Ecke, ebenso VW Tiguan oder Toyota RAV4. Denn kompakte Geländewagen zählen längst zu den meistverkauften Autos im Land.

Entsprechend schwer tut sich die Kundschaft, die zwar mit dem Trend, aber nicht mit der Masse gehen will: Wer in diesem Segment auffallen möchte, der muss entweder ein besonders starkes und teures Modell fahren oder ein relativ unbekanntes. Hier kommt der SsangYong Korando ins Spiel, der in diesem Herbst in die vierte Generation geht.

Trendwende beim Design

Mit den geplanten 1500 Zulassungen ist er seltener als etwa ein Porsche Macan oder ein Mercedes GLC Coupé, kostet aber mit einem Grundpreis von 22.990 Euro kaum die Hälfte.

Sind die Autos der Koreaner früher wegen eines besonders schrägen Designs aufgefallen, geht der Korando in der neuesten Fassung als schmuckes SUV durch, an dessen Optik nichts auszusetzen ist. Er ist sechs Zentimeter flacher geworden, hat dafür aber in Länge und Breite vier Zentimeter zugelegt. Das verbessert die Proportionen und die Platzverhältnisse - vor allem im Fond. So haben die Hinterbänkler etwas mehr Kniefreiheit, und der Kofferraum wächst um 65 auf 551 Liter. Legt man die Rückbank um, passen bis zu 1248 Liter hinter die elektrische Klappe, die sich schon dann automatisch öffnet, wenn man nur lange genug hinter dem Auto steht.

Außen artig, innen einzigartig

Während der Korando außen eher gewöhnlich wirkt, überrascht SsangYong innen mit ein paar hervorstechenden Details: Dass die Instrumente digital sind und daneben ein großer Touchscreen fürs Online-Infotainment prangt, das ist mittlerweile Standard. Auch die Auswahl der Materialien sowie deren Verarbeitung entsprechen den gestiegenen Ansprüchen. Doch eine Ambiente-Beleuchtung ist in diesem Segment eher die Ausnahme, und dass die dann auch noch holographische Qualitäten hat und wie dreidimensional in den Konsolen schimmert, das ist einzigartig.

Der ganze Stolz der Koreaner ist aber nicht das Ambiente, sondern die Ausstattung. Denn es gibt von der automatischen Notbremse bis hin zum Abstandstempomat mit aktivem Lenkeingriff oder einem Schutzsystem gegen Unfälle mit Radfahrern beim Öffnen der Türen mehr Assistenzsysteme denn je. Das hat sich sogar schon vor dem Marktstart ausgezahlt: Der Korando ist der erste SsangYong, der beim NCAP-Crashtest die Bestwertung von fünf Sternen erzielt hat.

Nur magere Motoren

Während sie bei der Elektronik in die Vollen gehen, backen die Entwickler allerdings bei der Mechanik kleinere Brötchen und bauen entsprechend magere Motoren ein. Los geht es mit einem 1,6 Liter großen Diesel von 100 kW/136 PS. Und selbst wenn im November der Benziner folgt, wird es nicht viel besser. Der hat nämlich auch nur 1,6 Liter Hubraum und 120 kW/163 PS. Dafür bietet SsangYong mehr Auswahl in der Peripherie des Motors: Beide Aggregate können für jeweils 2000 Euro Aufpreis auch mit Allradantrieb und für noch einmal 2200 Euro mit Automatik bestellt werden.

Deutlich schwächer motorisiert als die meisten Konkurrenten, fährt sich der Korando entsprechend freud- und farblos. Ja, der Diesel ist nach dem Warmlaufen vergleichsweise kultiviert und das Fahrwerk komfortabel. Doch weder Federn und Dämpfer noch die Lenkung verleiten zu einem engagierten Fahrstil. Um anzukommen, braucht man ein bisschen Geduld: Zwar tritt der Selbstzünder mit seinen 320 Nm entsprechend kräftig an. Doch jenseits des Ortschilds beschleunigt er eher zäh auf maximal 181 km/h. Wer sich den etwas zurückhaltenden Fahreigenschaften fügt, hat eine reale Chance, nahe des Normverbrauchs von 5,5 Litern (CO2-Ausstoß 144 g/km) zu bleiben. Wer dagegen anarbeitet, steht entsprechend häufig an der Tankstelle.

Fazit: Der Außenseiter holt auf

Er sieht besser aus denn je und ist bei Ambiente und Ausstattung auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. So rückt der Korando zu Hyundai Tucson und Kia Sportage in eine Liga auf und rechtfertigt seinen Exotenstatus nur noch durch die geringen Absatzzahlen und nicht mehr durch seinen antiquierten Auftritt. Wenn es jetzt noch ein paar stärkere Motoren gäbe, könnte der Außenseiter schnell Anschluss an die Marktführer gewinnen.

Datenblatt: SsangYong Korando 1.6 e-XDI


 Motor und Antrieb Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
 Hubraum: 1597 ccm
 Max. Leistung: 100 kW/136 PS bei 4000 U/min
 Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1500 bis 2500 U/min
 Antrieb: Allradantrieb
 Getriebe: Sechsgang-Automatik


 Maße und Gewichte 
 Länge: 4450 mm
 Breite: 1870 mm
 Höhe: 1620 mm
 Radstand: 2675 mm
 Leergewicht: 1750 kg
 Zuladung: 950 kg
 Kofferraumvolumen: 551-1248 Liter


 Fahrdaten: 
 Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h
 Beschleunigung 0-100 km/h: k.A.
 Durchschnittsverbrauch: 6,5 Liter/100 km
 Reichweite: 720 km
 CO2-Emission: 170 g/km
 Kraftstoff: Diesel
 Schadstoffklasse: Euro6d Temp
 Energieeffizienzklasse: C


 Kosten: 
 Basispreis der Modellreihe: 22.990 Euro
 Grundpreis des Ssangyong Korando 1.6 e-XDI: 33.190 Euro
 Typklassen: k.A.
 Kfz-Steuer pro Jahr: 302 Euro/Jahr


 Wichtige Serienausstattung: 
 Sicherheit: Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Tempomat
 Komfort: Klimaautomatik, Freisprechanlage, Touchscreen-Infotainment
 Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

(dpa)
Mehr von Westdeutsche Zeitung