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Dacia Logan: Der spröde Charme vom Balkan

Dacia Logan: Der spröde Charme vom Balkan

Wenig Geld für viel Auto - Was ist dran am Werbe-Slogan des Dacia Logan?

Eigentlich wäre ein Zettel an der Seitenscheibe recht hilfreich: 1. Ja, das ist ein Dacia. 2. Im Gegenteil, er fährt sich äußerst angenehm. 3. Es stimmt wirklich, der ist tatsächlich so preiswert. Aber um es ehrlich zu sagen, dann wäre es fast langweilig. Denn noch lernt man derzeit als Dacia-Fahrer mehr freundlich- fragende Menschen kennen, als einem das vielleicht sonst als Pilot eines deutschen Oberklassemodells vergönnt ist.

Worin der Charme des Rumänen besteht, lässt sich schwer beschreiben. Die Ehrung für eine Stil-Ikone hat der Logan knapp verpasst. Und auch technisch hat er das Rad nicht neu erfunden. Ist es also doch der Preis, von dem alle schon mal gehört haben, aber nicht glauben wollen, dass man dafür wirklich ein Auto bekommt? Ein Billigheimer, der nur gekonnt blendet?

Die Wahrheit liegt in der Mitte. Den Weg dorthin kann man kritisch oder wohlwollend gehen. Könnte darüber meckern, was das Auto alles nicht hat. Oder sich drüber freuen, für wie wenig Geld man heute noch einen Wagen kriegen kann - für ’nen Appel und ein Ei.

Hier der Spickzettel für Meckerer: Wenig Pfiff in der Karosserie. Recht steriler und nüchterner Innenraum. Scheibenwascher und Scheibenwischer müssen nacheinander betätigt werden. Das Lenkrad ist nicht verstellbar. Keine Servolenkung im Basismodell. Die Rückspiegel sind nicht von innen verstellbar. Die Rücksitzbank steht, ohne sich umlegen zu lassen. Kein ESP. Harte Wahrheiten, die man auch nicht schönreden kann.

Dagegen treten an: Überraschend komfortable Sitze auf allen Plätzen mit einem pflegeleichten Bezugsmaterial. Ein aufgeräumtes Cockpit mit allen erforderlichen Instrumenten und optional sogar mit einem Bordcomputer. Eine präzise Schaltung für sparsame, aber dennoch agile Motoren. Ein genügsames Fahrwerk mit sehr guter Dämpfung und Geräuschdämmung. Ein 510 Liter schluckender Kofferraum, der selbst das Urlaubsgepäck nicht fürchtet. Und neben dem grandios tief angesetzten Einstiegspreis auch noch die günstige Versicherungseinstufung.

Besser als jedes Gegeneinanderaufrechnen ist aber, den Logan einfach mal zu fahren. Und am besten den stärksten Benziner mit 1,6 Litern Hubraum und 105 PS oder den 1,5er Diesel mit 68 PS. Der Benziner überzeugt durch munteren Auftritt und ökonomischen Umgang mit dem teuren Super. Überlandverbräuche von gut sechs Litern (beim Diesel kaum mehr als fünf Liter) sind durchaus machbar. Dabei kommt auch die Fahrfreude nicht zu kurz, wenn man sie an präzisem Handling und solider Kraftentfaltung und sonor-leisem Motorgeräusch misst.

Doch der Logan ist kein Sprinter, eher der Gandhi der unteren Mittelklasse: Bescheiden und unbeirrbar hat er den Weg als Ziel. Und auf dem sind alle Insassen bequem unterwegs. Das Gestühl ist straff, gut seitenstabil und ausreichend in den Auflageflächen. Sehr große Menschen stoßen höchstens bei der Verschiebbarkeit der Sitze an störende Grenzen. In puncto Kopffreiheit etwa gibt es nichts zu klagen.