1. Auto
  2. Testberichte

Aller guten Dinge sind vier: Cleverer Crossover: Womit der Kia XCeed im Test punktet

Aller guten Dinge sind vier : Cleverer Crossover: Womit der Kia XCeed im Test punktet

Während die meisten Hersteller ihre Modellpalette kräftig eindampfen, baut Kia die Auswahl in der Kompaktklasse weiter aus: Mit dem XCeed schlagen die Koreaner für etwas Aufpreis die Brücke vom Boulevard zur Buckelpiste.

Die meisten Autobauer folgen zur Zeit dem Motto „weniger ist mehr“. VW etwa hat beim Generationswechsel des Golf vom Sportsvan Abschied genommen. Doch Kia geht den entgegengesetzten Weg und sorgt für Nachwuchs in der Kompaktklasse.

Die Koreaner bauen vom Ceed neben dem konventionellen Fünftürer nicht nur zwei Kombis, sondern jetzt auch noch einen Crossover, der sowohl Stadtverkehr als auch Buckelpiste beherrscht. Wem der normale Ceed zu brav und der Stonic zu mächtig ist, der kann sein Glück für 21.390 Euro aufwärts also mit dem neuen XCeed versuchen.

Eigenständig und fit fürs Digitalzeitalter

Weil sich Kia von dieser Modellvariante bis zu 50 Prozent Verkaufsanteil erwartet, haben die Koreaner sich bei der Ableitung reichlich Mühe gegeben: Während die Konkurrenz oft nur die Bodenfreiheit vergrößert und ein paar Plastikplanken ans Blech pappt, hat Kia den Ceed komplett neu eingekleidet: Bis auf die vorderen Türen gibt es deshalb kein gemeinsames Blechteil. Der XCeed sieht nicht nur bulliger aus als der normale Fünftürer, sondern hat mit seinem coupéartigen Schnitt auch die knackigere Kehrseite. Trotzdem bietet er bei 4,40 Metern Länge und 2,65 Metern Radstand genügend Platz auf allen Plätzen. Auch im Fond können zumindest zwei Erwachsene halbwegs bequem sitzen, und der Kofferraum fasst mit 426 Litern sogar knapp zehn Prozent mehr als beim normalen Ceed.

Auch innen geht der XCeed seinen eigenen Weg. Zwar wirkt das Ambiente vertraut, und auf den ersten Blick bemerkt man nur die gut vier Zentimeter höhere Sitzposition, die einem einen besseren Überblick verschafft. Doch auf den zweiten Blick erkennt man hinter dem Lenkrad zum ersten Mal in einem Kia lauter digitale Instrumente, die über einen zwölf Zoll großen Bildschirm flimmern. Dazu gibt es eine Ausstattung, die wie immer bei Kia etwas besser ist als bei den deutschen Konkurrenten. Sie reicht von serienmäßigen LED-Scheinwerfern über teilweise aufpreispflichtige Assistenten für Abstandsregelung, Tempo und Parken. Komfortmerkmale sind die belüfteten Sitze oder die elektrische Heckklappe mit Gestensteuerung.

Noch kein Zuwachs bei den Motoren

Beim Antrieb dagegen übernimmt der XCeed die Motoren der anderen Modelle: Das Basismodell treibt ein 1,0-Liter-Benziner mit 88 kW/120 PS an, im Spitzenmodell röhrt ein 1,6-Turbo mit 150 kW/204 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Dazwischen rangiert der auch im Testwagen verbaute 1,4-Liter, der es auf 103 kW/140 PS bringt und einen Kompromiss aus Vernunft und Vergnügen bietet. Denn einerseits ist er durchschnittlich mit 5,7 Litern zufrieden (CO2-Ausstoß 130 g/km), und andererseits geht er mit bis zu 242 Nm forsch zu Werke, beschleunigt in 9,5 Sekunden auf Tempo 100 und schafft bei Vollgas immerhin 200 km/h.

Unbeirrt hält Kia auch am Diesel fest und bietet den XCeed mit zwei Selbstzündern an: Einem 1,6-Liter-Vierzylinder, den es wahlweise mit 85 kW/115 PS oder 100 kW/136 PS gibt. Gleichzeitig versprechen die Koreaner auch zwei elektrifizierte Antriebe. Erst soll ein Mild-Hybrid kommen und dann eine Plug-in-Variante, die rund 50 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Egal welche Motorvariante man wählt, und ob man nun von Hand schaltet oder automatisch mit einer Doppelkupplung: Trotz der Offroad-Optik bleibt der Ceed immer ein Fronttriebler. Denn Allrad ist auch gegen Aufpreis nicht zu haben.

Frisches Fahrgefühl

Obwohl sowohl Motoren als auch die Plattform altbekannt sind, fühlt sich der XCeed beim Fahren frisch und vor allem anders an. Er ist spürbar komfortabler abgestimmt als seine Baureihen-Brüder, bewahrt aber dennoch eine gewisse Bestimmtheit, die auch unter der größeren Bodenfreiheit und dem höheren Schwerpunkt nicht leidet. So durcheilt er aufrecht anspruchsvolle Kurven, lenkt ausgesprochen direkt und präzise und weckt schon mal - wenn der Nachwuchs mal zu Hause bleibt - den Sportsgeist braver Familienväter.

Fazit: Goldene Mitte

Er sieht nicht so brav und bieder aus wie der normale Ceed, hat eine höhere Bodenfreiheit und einen etwas erweiterten Aktionsradius. Das zeichnet ihn zwar als SUV aus. Beim Fahrverhalten und beim Verbrauch ist der XCeed dennoch näher an einem normalen Pkw als einem Geländewagen. So bedient er die Goldene Mitte und könnte sich damit tatsächlich als neues Familienoberhaupt hervortun - zumal der Aufpreis für den Aufstieg mit 2100 Euro eher bescheiden ausfällt. Nur eines kann der XCeed mangels Allradantrieb nicht befriedigen: echte Abenteuerlust. Aber dafür hat Kia ja auch noch den Stonic oder Sportage.

Datenblatt: Kia XCeed 1.4 T-GDI


 Motor und Antrieb Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
 Hubraum: 1353 ccm
 Max. Leistung: 103 kW/140 PS bei 6000 U/min
 Max. Drehmoment: 242 Nm bei 1500 bis 3200 U/min
 Antrieb: Frontantrieb
 Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik


 Maße und Gewichte 
 Länge: 4395 mm
 Breite: 1826 mm
 Höhe: 1483 mm
 Radstand: 2650 mm
 Leergewicht: 1511 kg
 Zuladung: 485 kg
 Kofferraumvolumen: 426-1378 Liter


 Fahrdaten: 
 Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
 Beschleunigung 0-100 km/h: 9,5 s
 Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter/100 km
 Reichweite: 880 km
 CO2-Emission: 130 g/km
 Kraftstoff: Super
 Schadstoffklasse: Eu6b
 Energieeffizienzklasse: B


 Kosten: 
 Basispreis des Kia XCeed: 21.390 Euro
 Grundpreis des Kia XCeed 1.4 T-GDI Automatik: 26.490 Euro
 Typklassen: k.A.
 Kfz-Steuer: 108 Euro/Jahr


 Wichtige Serienausstattung: 
 Sicherheit: Sechs Airbags, Spurführungshilfe, adaptiver Tempomat
 Komfort: Klimaautomatik, Sitzheizung, Rückfahrkamera
 Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

(dpa)