Citroën DS5 Hybrid4: Avantgardist auf Sparflamme

Citroën DS5 Hybrid4: Avantgardist auf Sparflamme

Berlin (dpa-infocom) - Citroën traut sich wieder was: Knapp 40 Jahre nach dem Ende der legendären Limousine DS legen die Franzosen mit dem DS5 einen Mittelklasse-Wagen auf, der nicht nur sehr unkonventionell gezeichnet ist, sondern auch ungewöhnlich motorisiert.

Der DS5 ist eine ungewohnte Mischung aus Coupé und Kombi. Noch wichtiger: Er ist das erste Hybridmodell der Franzosen und kombiniert dabei als einer der ersten den E-Motor mit einem Diesel. In den Handel kommt das Top-Modell der vor zwei Jahren lancierten DS-Reihe am 11. Februar.

Endrohre wie eine Sportwagenstudie

Gibt der C5 als braver Kombi und bedächtige Limousine den Biedermann, provoziert der ungefähr 2000 Euro teurere DS5 in jeder Hinsicht. Das fängt an bei der Form, die so recht in kein Segment passen will - mit der wuchtigen Frontpartie, der hohen Brüstung, der abgedunkelten Seitenlinie und der schrägen Heckpartie. Das Finish ist fast so avantgardistisch wie beim Original von 1955: eine aggressive Front mit Lüftern wie Reißzähnen und LED-Leuchten wie Sicheln. Chromleisten, die sich wie Sehnen über die Karosserie winden, Sicken und Kanten, die der Silhouette Kontur geben. Und Endrohre wie bei einer Sportwagenstudie - so dick hat in der Mittelklasse bislang kaum ein anderes Modell aufgetragen.

Avantgarde bietet sich auch im Innenraum, vor allem für den Fahrer: Er sitzt hoch wie in einem Geländewagen und genießt einen guten Überblick. Aber mit dem unten abgeflachten Lenkrad und der mächtigen Mittelkonsole fühlt er sich wie in einem Sportwagen. Und der Blick nach oben legt schon fast den Vergleich mit der Kanzel eines Düsenjets nahe. Wie im Flugzeugcockpit gibt es über der ersten Reihe noch einmal zwei Fenster zum Himmel und dazwischen ein weitere Konsole mit futuristisch geformten Schaltern.

Sparsame, aber teure Kombination

Die Zeche für die unkonventionelle Form zahlen die Hinterbänkler: Dank des etwas höheren Aufbaus können sie zwar bequemer einsteigen. Und weil die Sitze gut gepolstert sind und Citroën bei der Innenausstattung viel Liebe zum Detail bewiesen hat, genießt man auf allen Plätzen ein angenehmes Ambiente. Doch leidet dafür unter dem schrägen Dach die Kopffreiheit. Außerdem ist die vom markanten Spoiler geteilte Rückscheibe so schmal und verbaut, dass man nach hinten kaum etwas sieht.

Mit dem DS5 betritt Citroën nicht nur Neuland bei Form und Format. Auch beim Antrieb gehen die Franzosen neue Wege. Natürlich gibt es das Modell mit konventionellen Motoren: Die Diesel leisten 82 kW/112 PS oder 120 kW/163 PS, die Benziner 115 kW/156 PS oder 147 kW/200 PS. Doch der ganze Stolz der Entwickler ist der Diesel-Hybrid. Obwohl mit zusammen 147 kW/200 PS eine der stärksten und sportlichsten Motorvarianten in der Modellpalette, ist er trotzdem die sparsamste. Der Verbrauch liegt bestenfalls bei 3,8 Litern, der CO2-Ausstoß bei 99 g/km. Allerdings zahlt man dafür einen stolzen Preis: Kostet der mit 4,9 Litern Verbrauch (CO2-Ausstoß 129 g/km) auch nicht gerade verschwenderische Diesel ohne E-Baustein 32 590 Euro, steht der Hybrid mit mindestens 37 540 Euro in der Liste.

Drei Kilometer ohne Sprit

Für den Sparer kombinieren die Franzosen einen 120 kW/163 PS starken Diesel an der Vorderachse mit einem 27 kW/37 PS starken E-Motor an der Hinterachse. Beide Motoren arbeiten entweder im Team, was für einen sportlichen Antritt und die Traktion eines Quattro-Antriebs sorgt. Oder sie bewegen den Wagen alleine und helfen sich nur gegenseitig aus.

Wer einen sanften Gasfuß hat oder mit dem Wählschalter auf dem Mitteltunnel direkt in den E-Modus wechselt, kann so bei Tempo 60 bis zu drei Kilometer durch die Stadt fahren, bevor der Diesel sich wieder zu Wort meldet. Das Zusammenspiel der beiden Motoren funktioniert unauffällig und reibungslos. Man muss deshalb schon auf die neuen Anzeigen oder besser den Bildschirm des Bordcomputers schauen, wenn man den aktuellen Status erkennen will.

Fazit: Mutige Alternative in der Mittelklasse

Außen elegant und auffällig, innen nobel und angenehm ungewohnt und unter der Haube mit wegweisender Spartechnik - so kehrt Citroën zur alten Avantgarde zurück. Natürlich machen ein unkonventionelles Design und eine ungewöhnliche Motortechnik aus einem Mittelklassemodell noch kein so legendäres Auto wie den originalen DS. Aber für Aufmerksamkeit ist damit allemal gesorgt. Und in der am dichtesten besetzten Klasse des Marktes ist das schon die halbe Miete.

Mehr von Westdeutsche Zeitung