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Cadillac Lyriq: Neuer US-Rivale für Audi und Co?

Nobel-Stromer im Test : Cadillac Lyriq: Neuer US-Rivale für Audi und Co?

Die Autos von Cadillac fanden auch in Europa mal viel Beachtung. Doch heute kommt die amerikanische Luxusmarke mit dem XT4 als einzigem Modell hier auf keinen grünen Zweig mehr. Der elektrische Lyriq könnte das ändern.

Auch General Motors hat mittlerweile auf Strom umgestellt. Mit dem EV1 waren die Amerikaner sogar lange vor Tesla an der Ladesäule und haben mit den Chevrolet-Modellen Volt und Bolt ihre E-Auto-Sparte weiter ausgebaut. Danach war aber erst einmal Schluss mit der Antriebsrevolution.

Nun hat der Hersteller aus Detroit seine Reformpläne wieder aufgenommen und einen eigenen Elektrobaukasten entwickelt, der über alle Marken ausgerollt wird. Den Anfang macht dabei der Cadillac Lyriq, mit dem die Luxusmarke des Großkonzerns ab dem nächsten Jahr auch bei uns durchstarten könnte. Vor allem weil ein entscheidender Preisvorteil möglich wäre. Denn in den USA verkaufen sie das schnittige SUV für 62.900 Dollar oder umgerechnet rund 65.000 Euro. Damit zahlt man für ihn deutlich weniger als für deutsche Konkurrenten wie dem Audi e-tron, dem BMW iX oder dem angekündigten Mercedes EQS.

LED-Lichtspiel außen, Riesen-Display innen

Schon optisch liefert der Lyriq ein klares Statement: Während die Cadillac-Modelle früher durch reichlich Chrom und prätentiöse Formen auffielen, wirkt der neue Crossover gradlinig und modern. Statt eines Kühlergrills gibt es nun eine Kunststoffpaneele mit prunkvoller LED-Inszenierung. Dazu bietet der Lyriq bei fünf Metern Länge und bald drei Metern Radstand viel Platz. Und weil alle Antriebskomponenten im Wagenboden untergebracht sind, leistet er sich anders als die deutsche Konkurrenz auch noch einen Frunk. Wem die nach der großzügigen US-Norm ermittelten 850 Liter Kofferraum nicht reichen, der kann deshalb das restliche Gepäck oder die Ladekabel im Bug verstauen.

Innen punktet der Lyriq mit einem imposanten Panorama-Display, das sich in einem leichten Bogen bis fast vor den Beifahrer spannt. Integriert sind hier nicht nur Bordcomputer und Tacho, sondern auch Navigation, Infotainment und Internetzugang. War das Ambiente bei Cadillac einst knallig und für europäische Geschmäcker eine Spur zu dick aufgetragen, hält sich General Motors nun an die internationalen Standards der Oberklasse. Das Ergebnis ist ein hochwertiges Interieur, das den entsprechenden Komfort sicherstellt.

Beim Akku auf Augenhöhe mit Audi und Co

Zum Start gibt es den Lyriq mit einem beachtlichen Akkupaket, das eine Kapazität von gut 100 kWh aufweist. Laut US-Norm reicht diese Strommenge durchschnittlich für mindestens 500 Kilometer. Mit beiden Werten schneidet der Cadillac genauso gut ab wie Audi und Co. Und auch beim Laden ist der Lyriq auf der Höhe der Zeit, saugt den Strom daheim mit bis zu 19,2 kW aus der Wand und am öffentlichen Powercharger im besten Fall mit 190 kW. In zehn Minuten fließt so der Strom für 120 Kilometer.

Die E-Maschine an der Hinterachse hat dank der 250 kW/340 PS und der 440 Newtonmeter mit dem weit über zwei Tonnen schweren SUV leichtes Spiel. Von 0 auf 100 km/h braucht der Lyriq jedenfalls keine fünf Sekunden, und während die Höchstgeschwindigkeit im Mutterland des Tempolimits keine Rolle spielt, sollten für den Export locker 200 km/h und mehr drin sein. Erst recht, wenn bis dahin auch die zweite Motorvariante am Start ist: Die hat im Bug noch einen zusätzlichen E-Motor, kommt dann auf 367 kW/500 PS und fährt standesgemäß mit Allradantrieb.

Für den Highway gemacht

Klar ist die Abstimmung überaus amerikanisch und gedacht für lange, gerade Highways mit tiefen Fugen und Schlaglöchern. Doch wegen seiner soliden Substanz und seiner elektronischen Dämpfer sollten ein paar neue Softwarezeilen genügen, um den Cadillac auch für Europas Straßen zu rüsten.

Das wird mit der Supercruise-Software leider nicht ganz so einfach gelingen: Sie ist die GM-Antwort auf Teslas Autopiloten und ermöglicht autonomes Fahren über lange Strecken - zumindest in den USA. Eine Kamera wacht darüber, dass der Fahrer währendessen nicht einnickt oder sich allzu sehr mit andren Dingen beschäftigt. Weil für diese Technik aber die Fernstraßen digitalisiert sein müssen, ist das ein Plus, mit dem eine mögliche Exportversion für Europa wahrscheinlich erst einmal nicht punkten kann.

Fazit: Fit für den europäischen Markt

Natürlich ist die Zeit der Heckflossen bei Cadillac schon seit Jahreszehnten vorbei, und auch der XT4 ist für amerikanische Verhältnisse durchaus zeitgemäß. Doch mit dem Lyriq ist der luxuriösen GM-Tochter nun ein großer Schritt nach vorn gelungen. Mit coolem Design, toller Technik und leistungsfähigem E-Antrieb wäre das SUV auch auf dem europäischen Markt konkurrenzfähig und könnte die Marke dort aus ihrer Nische führen. Doch zu seinen Europa-Plänen hält sich der US-Konzern bisher noch bedeckt.

Datenblatt: Cadillac Lyriq


 Motor und Antrieb Ein Elektromotor
 Max. Leistung: 250 kW/340 PS
 Max. Drehmoment: 440 Nm
 Antrieb: Heckradantrieb
 Getriebe: Eingang-Automatik


 Maße und Gewichte 
 Länge: 4996 mm
 Breite: 1976 mm
 Höhe: 1620 mm
 Radstand: 3093 mm
 Leergewicht: k.A.
 Zuladung: k.A.
 Kofferraumvolumen: 850 Liter


 Fahrdaten: 
 Höchstgeschwindigkeit: > 180 km/h
 Beschleunigung 0-100 km/h: < 5,0 s
 Durchschnittsverbrauch: k.A.
 Reichweite: > 500 km (US-Norm)
 Batteriekapazität: 104 kWh
 Kraftstoff: Strom
 Schadstoffklasse: k.A.
 Effizienzklasse: A+


 Kosten: 
 Basispreis der Modellreihe: ca. 65.000 Euro
 Kfz-Steuer: 0 Euro/Jahr


 Wichtige Serienausstattung: 
 Sicherheit: Acht Airbags, LED-Scheinwerfer, Anstandstempomat mit Lenkeingriff, Supercruise
 Komfort: Klimaautomatik, Navigation, Sitzheizung

Alle Daten laut Hersteller

© dpa-infocom, dpa:220822-99-474875/15

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(dpa)