Abschiedsmelodien in Moll

Abschiedsmelodien in Moll

Für bekannte Sportler, Teams und Veranstaltungen erklang 2012 in Wuppertal der Schlussakkord.

Wuppertal. „Time to say good bye“ könnte der melancholische Titelsong für das Wuppertaler Sportjahr 2012 sein. Das ist geprägt durch Abschiede — und die sind nicht immer so positiv belegt, wie der von Weltklasseschwimmerin Sarah Poewe oder der der Cronenberger Rollhockey-Heroen Jan Velte und Thomas Haupt, die ihre langen und erfolgreichen Karrieren als gefeierte Stars beendeten.

Viele der höchsten Töne gingen der Wuppertaler Sportmelodie aus unerfreulichen Gründen flöten. Nach 25 Jahren endete im Januar die Ära der einst glanzvollen Wuppertaler Springermeetings. Die ganz großen Stars waren zuletzt vom eher bescheidenen Budget, das der Barmer TV mit Hilfe von einigen wenigen Sponsoren Jahr für Jahr auf die Beine stellte, nicht mehr zu haben. Einem weiteren Abbröckeln wollten Meetingdirektor Birger Hense und sein Vorgänger Wolfgang Killing vorbeugen, zumal die Zuschauerresonanz angesichts der immer noch gezeigten Klasseleistungen eher enttäuschend war. So wurde die schwungvolle 25. Auflage, bei der der Brite Robert Grabarz in der Heckinghauser Halle mit 2,34 Metern sogar eine Weltjahresbestleistung aufstellte, die letzte.

Trotz des sportlichen Aufstiegs in die erste Bundesliga schlug Thorsten Westhoff, Manager der Titans Bergisch Land, das Kapitel Spitzenvolleyball in Wuppertal im Mai zu. Ein Etat, um dort konkurrenzfähig zu sein, sei nicht zu beschaffen. Um mit Trainer Georg Grozer zumindest als Spitzenteam der zweiten Liga wieder an den Start gehen zu können, fehlten nach dem letzten Spiel trotz lauter Notsignale noch 15 000 Euro. „So wurde aus „We are the champions“ ein Abschiedslied. Ranghöchste Volleyball-Mannschaft der Stadt sind seitdem die Herren des SV Bayer, einst zweifacher deutscher Meister, die in der jetzt viertklassigen Regionalliga spielen.

Für die Schwimmer des SV Bayer, seit mehr als einem Jahrzehnt auch international ein Aushängeschild der Stadt, wurde der Saisonhöhepunkt zu einem ungeahnten Wendepunkt. Das lag nicht am angekündigten Abschied von Sarah Poewe, sondern daran, dass Erfolgstrainer Farshid S., der Poewe und Olympia-Kollege Christian vom Lehn schnell gemacht hatte, über die frühere Beziehung zu einer Schwimmerin in Kiel stolperte. Dass in Kiel unmittelbar nach Ende der Spiele ein Verfahren gegen ihn wegen der Anklage des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener anhängig war, verschwieg er bis dahin sowohl dem Deutschen Schwimmverband, für den er mit nach London geflogen war, als auch seinem Verein SV Bayer. So war die Trennung unausweichlich.

Unmittelbar mit seinem Abschied hing auch der von Christian vom Lehn, WM-Dritter von 2011 und deutsche Zukunftshoffnung, zusammen. Am Bundesstützpunkt in Essen sucht der Wuppertaler künftig ein renommiertes Trainerteam und eine Trainingsgruppe mit weiteren Spitzenschwimmern.

Dass beim Wuppertaler SV mit Hans-Günter Bruns mal wieder ein Trainer das Abschiedslied hörte, überrascht bei 22 Trainerwechseln in 20 Jahren kaum. Überraschender kam die Ankündigung des Weggangs von Handball-Macher und -Manager Stefan Adam, mit dem das Jahr 2013 beginnen wird. Dass Adam sich durch sein erfolgreiches Wirken für den Bergischen HC einen Job beim Branchenführer THW Kiel verdient hat, ist für ihn und den BHC eine Auszeichnung, tut wie die vielen Abschiede 2013 dem Wuppertaler Sport aber weh.

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