725 Jahre Stadtrechte: Vortrag zur Stadtgeschichte Kempen

Kempener Stadtgeschichte : 725 Jahre Kempen: Die Bedeutung der Stadt bis heute

Historiker Friedhelm Weinforth referierte über Campunni. Archivgruppe „Beldscheskieker“ steuerte Fotos bei.

. Vor 725 Jahren erhielt Kempen städtische Rechte. Aus diesem Anlass gab es beim Neujahrsempfang der CDU einen Einblick in die Geschichte der Stadt von Historiker Friedhelm Weinforth. 1993 hatte er das Buch „Campunni – Kempen“ herausgebracht und daraus nun einen Vortrag gestaltet, der mit Fotos der ehrenamtlich tätigen Archivgruppe der Stadt, der „Beldscheskieker“, illustriert wurde.

Erzbischof Siegfried von Westerburg gewährte den Kempenern vor 725 Jahren einige Rechte, die ihnen Erleichterungen brachten. Aber die Bürger mussten dafür auch etwas tun. Eine der Urkunden schildert, dass Strafzahlungen, die Metzger, Bäcker oder Wirte bei Fehlverhalten zu zahlen hatten, für den Ausbau der Befestigungsanlagen genutzt werden sollten.

Dass Kempen diese Rechte bekam, ist auch der Tatsache zu verdanken, dass Siegfried von Westerburg in dieser Zeit in einer Krise steckte. Mit seinen Verbündeten hatte er bei der Schlacht von Worringen eine Niederlage erlitten. Dies hatte das Machtgefüge verändern.

Kempen wurde nun als Verteidigungsbastion an der Nordgrenze gebraucht. Und ein Zufall wird wohl dazu beigetragen haben, dass die Urkunden an diesem Tag ausgestellt wurden.

Am 2. November 1294 reiste der Kölner Erzbischof mit Gefolge von Geldern nach Neuss. Einen Tag später wurden die beiden Stadtrechtsurkunden ausgestellt. Es ist also anzunehmen, dass er auf dem Weg auch an Kempen vorbeikam und sich vom Zustand des Ortes ein Bild gemacht hatte. Der Prozess der Stadtwerdung Kempens hatte aber schon früher begonnen.

Schon im Mittelalter zogen Kempens Märkte die Menschen an

Kempen hat sich in den nächsten Jahrhunderten in einigen Bereichen zum Zentrum für die Umgebung entwickelt. So wirkte Kempen im Mittelalter zum Beispiel mit seinen Märkten in die niederrheinische Region. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wilfried Bogedain sah da durchaus Parallelen zur Gegenwart mit den Märkten und Veranstaltungen des Werberings, die immer wieder viele Besucher in die Thomasstadt locken.

Und dann war Kempen auch Zentrum der Verwaltung. Bis 1400 entstand die Kempener Burg, in der als Stellvertreter des Landesherrn ein adeliger Amtmann residierte, der im Frieden für Recht und Ordnung und in Kriegszeiten für die Verteidigung sorgte. Und auch später war Kempen als Verwaltungssitz wegen Räumlichkeiten und Personal, die dort vorhanden waren, geeignet, so Weinforth.

Mit dem Verlust des Kreissitzes – die Kreisverwaltung zog 1975 nach Viersen – ging dann eine mehr als 150 Jahre währende Ära zu Ende. Und nun werde 2021 auch noch das Kreisarchiv Kempen verlassen. Die Beurteilung dessen wollte Weinforth dann aber doch lieber seinen Nachfolgern überlassen, vielleicht 2044, wenn das Jubiläum 750 Jahre Stadt Kempen gefeiert wird.

Dem diesjährigen Jubiläum 725 Jahre Kempen sollte man, auch wenn es nicht ganz rund sei, doch eine Bedeutung beimessen, befand Wilfried Bogedain. ulli