Von wegen pausenlos spielen und dabei Geld verdienen - Entwickler von Computerspielen müssen ihr Handwerk genauso lernen wie andere auch.
Von wegen pausenlos spielen und dabei Geld verdienen - Entwickler von Computerspielen müssen ihr Handwerk genauso lernen wie andere auch.

Von wegen pausenlos spielen und dabei Geld verdienen - Entwickler von Computerspielen müssen ihr Handwerk genauso lernen wie andere auch.

SAE Institute/dpa

Von wegen pausenlos spielen und dabei Geld verdienen - Entwickler von Computerspielen müssen ihr Handwerk genauso lernen wie andere auch.

Berlin/Heidelberg. Pausenlos spielen und dabei Geld verdienen - so oder ähnlich verlockend klingen landläufige Meinungen über Entwickler von Computerspielen. Doch mit zwanglosem Daddeln hat der Beruf des Game Developers nichts zu tun. Die Tätigkeit reicht vom Entwerfen von Spielegeschichten über Programmieren bis hin zum Erstellen von dreidimensionalen Animationen. An Hochschulen und privaten Bildungseinrichtungen sind reihenweise Spezialausbildungen entstanden, für die man jedoch tief in die Tasche greifen muss.

Ein privater Ausbildungsanbieter ist das QANTM-Institut mit Standorten in Berlin und München. Es ist eine Tochter des SAE-Instituts, eine der weltweit größten Bildungsstätten im Bereich Multimedia. In deren "Interactive Entertainment Programme" kann zwischen dem eher kreativen Game Designer und dem technischen Game Entwickler gewählt werden. "Der Schwerpunkt liegt auf praktischen Übungen", sagt SAE-Marketingleiter Götz Hannemann - etwa in der Bildbearbeitung und Charakterentwicklung. Und Letzteres startet ganz handwerklich. "Erst werden Prototypen aus Ton gebaut."

Ein Diplom bekommt, wer ein zwölfmonatiges Vollzeitstudium für rund 11 000 Euro durchzieht. Eine derart straffe Ausbildung sei wichtig, weil sich die Technik schnell weiterentwickelt. Wer möchte, kann für 6000 Euro einen Bachelor draufsetzen. Dadurch werde das vor allem handwerklich ausgerichtete Diplom um betriebswirtschaftliche Grundlagen und gesellschaftspolitische Ansätze ergänzt.

Die SRH Hochschule Heidelberg bietet einen Abschluss zum Bachelor of Science Informatik mit Schwerpunkt Game Development. Drei Jahre beträgt die Regelstudienzeit, die Gebühr 520 Euro pro Monat. Eine Aufnahmeprüfung ist nicht nötig - noch nicht. "Das wird wohl im nächsten Jahr kommen", sagt Studiengangsleiter Tobias Breiner.

Auch hier wird Wert auf Praxis gelegt: "Es gibt Programmier-Battles, bei denen Gruppen gegeneinander antreten und den Code der anderen entschlüsseln müssen", erläutert der Professor. Auch Motion Capturing wird gelehrt, also die Aufzeichnung menschlicher Bewegungen und die Umwandlung in für Computer lesbare Formate. "Damit man 3-D-Wesen tatsächlich Leben einhauchen kann", erklärt Breiner.

Deutsche spielen gerne: Einer Studie der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers zufolge werden in Deutschland 2009 voraussichtlich 2,1 Milliarden Euro für Spielesoftware und Onlinespiele ausgegeben. Bis 2013 wird mit einem Anstieg auf 2,6 Milliarden Euro gerechnet.

Doch was muss ein Game Developer mitbringen? "Ein Interesse an Computerspielen im weitesten Sinne", sagt Hannemann. Wichtig seien Kreativität, dreidimensionales Vorstellungsvermögen und ein Faible für Freihandzeichnen. Und Breiner ergänzt: "Eine Affinität zur Mathematik sollte man haben und eine Menge Motivation." Weil die Branche zudem immer internationaler wird, sind Englischkenntnisse wichtig, sagt Volker Hansch, Herausgeber der Spiele-Zeitschrift GEE in Hamburg. Es gebe zwar nach wie vor gute Autodidakten im Game-Bereich. "Aber das wird durch die zunehmende Komplexität der Projekte weniger werden."

Wer sich für den Job entscheidet, muss wissen, dass der Weg häufig in kleine Firmen oder die Selbstständigkeit führt. "Etwa 70 Prozent der Absolventen sind selbstständig oder feste Freie", sagt Hannemann. Dafür warte eine dynamische Branche, die Fachkräfte brauche. "Da ist wieder ein bisschen Goldgräberstimmung." Gute Geschäfte erwartet er bei Spielen für mobile Geräte und Spielen für Frauen und Ältere. Auch klassische Unternehmen entdeckten mehr und mehr das Potenzial von Spielen. "Das sind gute Aussichten." Breiner sieht das ähnlich: "Die Branche ist mittlerweile richtig groß und wird die Musik- und Filmbranche bald überflügeln."

Den Zahlen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware zufolge lag das Umsatzplus der Branche 2008 bei 14 Prozent. Eine Umfrage des Netzwerkes Gamecity Hamburg kam zu dem Ergebnis, dass auch 2009 trotz Wirtschaftskrise allein in der Hansestadt 300 neue Jobs entstehen - ein Plus von 17,5 Prozent. Die Einstiegsgehälter werden zwischen 35 000 und 45 000 Euro taxiert.

Absolventen des QANTM-Instituts bekommen im Durchschnitt nach drei Monaten einen Job, sagt Hannemann. Typische Tätigkeiten seien Creative Director, 3-D-Artist sowie Jobs in der Entwicklung von Storyboards - also die Erarbeitung der Spiele-Geschichten -, sowie in der Animation oder Texturierung von Spielen. "Hier verschwimmt die Spiele- mit der Filmbranche", sagt Hannemann.

Teil des dualen Systems ist die Ausbildung nicht, es gibt keine klassische Zweiteilung mit Berufsschulunterricht und Praxisphase im Betrieb. Die meisten Angebote werden durch "interne Vorschriften der Lehrgangsträger" geregelt, wie es die Arbeitsagentur ausdrückt. Für Hannemann stellt das kein Problem dar, die Qualität der Ausbildung werde von Arbeitgebern anerkannt. Schwieriger sei es, den eigenen Eltern klarzumachen, warum man so etwas werden will. "Dabei ist das eine ernsthafte und milliardenschwere Industrie." Zu schaffen macht der Branche so manches Klischee. "Im Schatten von Amokläufen wird man mit vielen Vorurteilen konfrontiert", sagt Breiner.

 

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