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Die Kinderstars Florentine Burckhardt (links) und Mats Köhlert bereiten sich am Filmset in Duisburg für den Film "Vom Glück nur ein Schatten" vor. Es hört sich an wie im Film: Florentine Burckhardt wurde als kleines Mädchen auf dem Spielplatz "entdeckt". Da war sie sieben Jahre alt. Heute ist die Zwölfjährige schon ein"alter Hase" am Filmset. Mats' erste Rolle war die Kinder-Schokobon-Werbung, nun spielt er in seinem zweiten Film mit. Filmstar sein - das ist der Traum vieler Kinder, Florentine und Mats haben die ersten Hürden zum Erfolg schon genommen.

Die Kinderstars Florentine Burckhardt (links) und Mats Köhlert bereiten sich am Filmset in Duisburg für den Film "Vom Glück nur ein Schatten" vor. Es hört sich an wie im Film: Florentine Burckhardt wurde als kleines Mädchen auf dem Spielplatz "entdeckt". Da war sie sieben Jahre alt. Heute ist die Zwölfjährige schon ein"alter Hase" am Filmset. Mats' erste Rolle war die Kinder-Schokobon-Werbung, nun spielt er in seinem zweiten Film mit. Filmstar sein - das ist der Traum vieler Kinder, Florentine und Mats haben die ersten Hürden zum Erfolg schon genommen.

dpa

Die Kinderstars Florentine Burckhardt (links) und Mats Köhlert bereiten sich am Filmset in Duisburg für den Film "Vom Glück nur ein Schatten" vor. Es hört sich an wie im Film: Florentine Burckhardt wurde als kleines Mädchen auf dem Spielplatz "entdeckt". Da war sie sieben Jahre alt. Heute ist die Zwölfjährige schon ein"alter Hase" am Filmset. Mats' erste Rolle war die Kinder-Schokobon-Werbung, nun spielt er in seinem zweiten Film mit. Filmstar sein - das ist der Traum vieler Kinder, Florentine und Mats haben die ersten Hürden zum Erfolg schon genommen.

Duisburg. Es hört sich an wie im Film: Florentine Burckhardt wurde als kleines Mädchen auf dem Spielplatz "entdeckt". Im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Da war sie sieben Jahre alt. Heute ist die Zwölfjährige schon ein "alter Hase" am Filmset. Anstatt für die Schule zu büffeln, darf sie zwei Wochen vor der Kamera stehen - mit der berühmten Schauspielerin Maria Furtwängler. Filmstar sein - das ist der Traum vieler Mädchen, und Florentine hat die ersten Hürden zum Erfolg schon genommen.

Florentine lacht sich kaputt, als die Maskenbildnerin ihr Menthol in die Augen tröpfelt, damit die Tränen kullern. "Das finde ich lustig", kichert sie. Und im nächsten Augenblick, als die Klappe fällt, spielt sie schluchzend eine dramatische Abschiedsszene zusammen mit ihrem Filmbruder Mats Köhlert und der Schauspielerin Dorka Gryllus.

In ihrem honiggelben Petticoat-Tüllkleid der 50er Jahre und weißen Strickkniestrümpfen bewegt sich Florentine so normal, als hätte sie Jeans und T-Shirt an. "Irgendwie ganz cool", findet sie das Kleid. Ihre blonden Haare sind zu "Affenschaukeln" geflochten. Sie spielt in dem ZDF-Zweiteiler "Vom Glück nur ein Schatten" mit. Der Film basiert auf den Familienerinnerungen von Uwe-Karsten Heye, der Sprecher des früheren Kanzlers Gerhard Schröder (SPD) war.

Heyes Mutter Ursula, gespielt von Maria Furtwängler, steht für den Lebensweg einer ganzen Generation von Frauen vom Zweiten Weltkrieg bis in die 50er und 60er Jahre. Frauen, deren Männer für Nazi-Deutschland in den Krieg zogen, die ihre Kinder durch die Kriegsjahre brachten, oft Besitz und Heimat verloren und im zerstörten Deutschland allein wieder bei Null anfangen mussten. Florentine und der elfjährige Mats stellen die Geschwister Bärbel und Uwe Heye in Kindertagen dar.

Plötzlich wird Florentine ernst. "Ich habe mich gerade hineinversetzt in die Szene." Die Szene, das ist ein Bild von 35 Sekunden. Das gesamte Drehbuch ist in minikleine "Bilder" von 30 Sekunden bis eineinhalb Minuten gestückelt, die an 60 Drehtagen gedreht werden. Das geschieht aber nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern wie es praktisch organisiert werden kann.

Heute ist Bild 2/107 dran. Eine Wohnung in Mainz. In Wirklichkeit wird in einem Abbruchhaus im Duisburger Stadtteil Bruckhausen gefilmt, im Schatten der Krupp-Stahlwerke und Fördertürme. In dem alten Haus aus der Vorkriegszeit ist eine Wohnung komplett im Stil der ausgehenden 40er Jahre eingerichtet - vom Kinderzimmer mit zerfleddertem Teddy und Stundenplan in Sütterlinschrift bis zum Kohleofen und den Rosentapeten.

Die Wolga-Deutsche Norah alias Dorka Gryllus verabschiedet sich von dem kleinen Uwe und seiner Schwester Bärbel. Die Tränen fließen, Uwe und Bärbel umarmen Norah. Um sie herum stehen Kameraleute, Regieassistent, Beleuchter. "So, Rock 'n'Roll, wir drehen", ertönt ein Ruf. "Der Ton läuft!" Stille am Set. Dann ein Kinderschluchzen, Bärbel alias Florentine weint: "Mama sagt immer, sterben ist die leichtere Übung." Uwe alias Mats ruft verzweifelt: "Nein, ich will nicht, dass du gehst", und klammert sich an Norah.

"Aus! Noch einmal", sagt Regieassistent Jannis Skalieris. "Achtung, wir drehen!" Wieder Stille, wieder Schluchzen, wieder verzweifelte Worte der Kinder. "Aus! Danke!", ruft Skalieris. Der Film-Uwe läuft aus dem Zimmer und wird wieder zu Mats Köhlert. "Ich hab' Durst", ruft Mats. "Aber kein Wasser, Spezi!"

Dass die Kinder keinen Einsatz in der bis auf die Minute geplanten Produktion verpassen, textsicher und ausgeschlafen sind und nicht zu lange arbeiten, dafür sorgt vor allem die Medienpädagogin Doris Sacala. Die 33-Jährige ist immer um die Kinder herum, erklärt ihnen, warum sie weinen oder lachen sollen, spielt in den Drehpausen im Wohnwagen mit ihnen Karten.

Sacala ist es auch, die mit dem Regieassistenten verhandelt, wie lange die Kinder drehen dürfen. Laut Gesetz dürfen sie maximal fünf Stunden pro Tag am Drehort sein, höchstens 30 Tage im Jahr. Notfalls sorgt Sacala dafür, dass nach Drehabschluss die Produktionsfirma eine Nachhilfe weiterzahlt.

"Wir machen es noch einmal!", ruft Regieassistent Skalieris. Die gleiche Szene, aber jetzt hält die Kamera auf Norah. "Achtung, wir drehen. Und ... bitte!" Wieder schluchzen die Kinder auf Kommando. "Ganz toll", lobt Regisseur Miguel Alexandre, als die Szene "im Kasten" ist. Alle am Set applaudieren. Mats und Florentine stürmen aus dem Kinderzimmer. Florentine hat rote Augen, schaut sich im Spiegel an und strahlt. "Ihr habt super geheult", sagt ihr Vater Torsten Burkhardt.

Florentines Vater achtet streng darauf, dass über das Drehen die Schule nicht zu kurz kommt. Zwei Wochen fällt für Florentine und Mats wegen der Dreharbeiten die Schule aus, und Mats kann nicht an seinem geliebten Fußball-Training in der D-Jugend des HSV teilnehmen. Bei 20 Drehtagen darf Florentine nicht den Anschluss im Gymnasium verlieren. Nachmittags im Hotel liegen schon die Faxe eines "Patenschülers" aus der siebten Klasse mit den Hausaufgaben bereit. "Das ist schon eine Belastung", sagt Burkhardt. "Das erfordert hohe Selbstdisziplin." Streng blickt er zu seiner Tochter: "Die überwiegende Zeit des Jahres ist sie Schülerin, und zwar hauptberuflich."

Florentine hat schon mit acht Jahren in dem Film "Die Entscheidung" ein entführtes Kind gespielt, war aber auch in der Nutella-Werbung dabei und spielte die Tochter von Effi Briest am Thalia Theater in Hamburg. "Flo war eine typische Spielplatzentdeckung", sagt Burckhardt. Sie wurde in die Kartei einer Agentur aufgenommen. Irgendwann kamen die ersten Einladungen zu Filmcastings.

Mats' erste Rolle war die Kinder-Schokobon-Werbung, nun spielt er in seinem zweiten Film mit. Der Elfjährige musste sich für die Rolle von seinen Langhaarfransen trennen und bekam eine antiquierte "Entenfrisur" mit Scheitel und über den Ohren kurz geschorenen Haaren verpasst. Auch der schwarze Kinderdreiteiler mit Krawatte hat einen Nachteil: "Er kratzt." Aber weder Florentine noch Mats beklagen sich. Überhaupt kommt während der Aufnahmen nicht ein Meckern über ihre Lippen. Kein Wunder, denn weder Florentine noch Mats empfinden den Dreh als Arbeit.

"Die würden das auch ohne Geld machen", sagt Florentines Vater trocken. Das Geld, das Florentine verdient, kommt aufs Sparkonto. Wenn sie 18 wird, kann sie davon den Führerschein machen oder ein Auslandsjahr. Die Tagesgagen für Kinder fangen meist bei 250 bis 350 Euro an. Doch reich werden die Kids damit nicht. Die Agenturen bekommen zwischen 14 und 15 Prozent. Und die Kinder arbeiten auf Lohnsteuerkarte, müssen Steuern zahlen, Renten- und Sozialversicherung, wie Erwachsene auch.

"Ich möchte, dass sie einen Beruf findet, der sie glücklich macht", sagt Florentines Vater. Für seine Tochter ist bereits jetzt klar, was sie werden will: Schauspielerin. "Wenn ein Dreh vorbei ist, bin ich traurig." "Klar" sei sie stolz, wenn man sie auf der Straße erkenne, sagt Florentine und strahlt. Mats weiß noch nicht, ob er lieber Fußballer oder Schauspieler werden will. Sein Vorbild ist Lionel Messi vom FC Barcelona.

In einem Film mitzuspielen, heißt aber nicht, dass ein Kind auch berühmt wird. "Wenn man beim Casting genommen wird, dann fühlt sich das vielleicht so an, als würden einen jetzt alle Leute kennen und man würde tausend Angebote kriegen", sagt Sacala. "Manchmal ist man aber auch nur einer von ganz vielen Schauspielern, die man im Fernsehen sieht."

Die Zahl der Freunde in der Klasse hat sich für beide Kinder jedenfalls auf wundersame Weise erhöht, seit sie "beim Film sind". Ein Mädchen sei aber auch ziemlich neidisch auf sie, sagt Florentine. Einige andere Mädchen hätten auch schon bei ihrer Casting-Agentur vorgesprochen. "Ich habe viele Freunde in der Klasse", sagt auch Mats. Einer habe ihn aber auch schon gehänselt wegen seiner Frisur und ihn "Kokosnuss-Kopf" genannt. In der Schule erzählt Mats wenig von seiner Filmkarriere. Wenn er zum Dreh fährt, wissen das nur die besten Freunde.

Für ausgefallene Stunden bekommt Mats Nachhilfe-Gutscheine. Wegen der Dreharbeiten hat er Klassenarbeiten in Russisch, Deutsch und Religion und Mathe verpasst. In Deutsch steht Mats auf Eins, in Russisch auf drei. Florentine hat eine Lateinarbeit verpasst und muss auf Anweisung ihres Vaters im Hotel pauken. Ihre Klassenlehrerin unterstützt den "Nebenjob". Das ist wichtig, denn die Lehrerin könnte Florentine auch einen Strich durch die Film-Rechnung machen, wenn sie in der Schule absacken sollte.

"Wenn Kinder sich zu sehr an das Filmleben gewöhnen, können sie später enttäuscht sein", warnt Dorka Gryllus. Die Berühmtheit in jungen Jahren zu verarbeiten, sei sehr schwer. Und der frühe Erfolg berge die Gefahr einer späteren Enttäuschung. "Man kann jetzt noch nicht wissen, ob sie mit 20 Jahren talentiert sein werden", sagt die aus Ungarn stammende Schauspielerin. "Es ist wichtig, den Kindern zu erklären, dass es nicht nur Glamour ist, sondern dass es auch Schattenseiten gibt, zum Beispiel, wenn man sich für Rollen anstrengt und sie doch nicht bekommt oder wenn der Regisseur brüllt. Als Schauspieler bist du auch ausgeliefert."

Regisseur Miguel Alexandre käme nie auf die Idee, am Set auszurasten: "Kinder sind noch sehr spontan und wahrhaftig, das ist ihre Stärke", sagt Alexandre, der auch die Frau vom "Checkpoint Charlie" mit Veronika Ferres gedreht hat. "Ich drehe sehr gern mit Kindern", sagt der 41-jährige Alexandre. Die Kinder sollten aber nicht nur Talent mitbringen, sondern auch von ihren Eltern unterstützt werden. Alexandre hat aber auch schon Eltern erlebt, die unbedingt aus ihren Kids kleine Stars machen wollen, obwohl ihre Sprösslinge selbst gar keine Lust aufs Drehen hatten.

"Wir behandeln die Kinder ganz normal, geben ihnen nicht das Gefühl, Prinzen oder Prinzessinnen zu sein", sagt Alexandre. Ihm ist eine vertrauensvolle Atmosphäre wichtig, aber auch Humor und Lachen. "Ich begegne ihnen auf Augenhöhe und nehme sie ernst", sagt Alexandre. Immer wieder lobt er die Filmkinder. Wenn ihm etwas nicht gefällt, dann übt er mit den kleinen Darstellern.

Das nächste Bild: Uwe und Bärbel verabschieden sich von ihrer Mutter Ursula. Die Kamera läuft. Uwe schreit seine Filmmutter Maria Furtwängler an und heult: "Du warst doch nie für uns, Norah war da, Norah war immer für uns da." Fünf Mal wird die Szene geprobt. Regisseur Alexandre möchte noch ein wenig mehr Emotion, nimmt Mats an der Hand. "Komm mit, ich mache mit dir eine kleine Übung." In einem Nebenraum übt er mit Mats Schreien. "Das kam schon aus dem Bauch", lobt er anschließend.

Die Schauspieler und das Drehteam lieben die Kinder am Set. Dorka Gryllus umarmt Florentine und Mats. Und selbst die etwas kühlere Maria Furtwängler muss lachen, als Mats ihr am Catering-Wagen zuruft: "Maria, ich hab' ein Geschenk für Dich!"

Nach dem Ende der spannenden Drehtage bleibt von den Filmfreundschaften mit den Erwachsenen oft nicht viel übrig. Doris Sacala kümmert sich auch um die Nachbetreuung der Kinder, damit sie nicht in ein Loch fallen. Schließlich fürchten auch Erwachsene die "Nachdreh-Depression". "Die Realität schlägt blitzartig zu, wenn das hier vorbei ist", sagt Torsten Burkhardt. "Dann ist sie nicht mehr die Schauspielerin, sondern ganz einfach Florentine Burckhardt."

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