Düsseldorf. In Deutsch ist Leander Winkels gut. Ein fleißiger Schüler der achten Klasse aus Düsseldorf. Er schreibt gern Geschichten, und seine Phantasie strömt in geheimnisvolle Welten. Über das Ergebnis staunen vor allem die Erwachsenen: Leander hat mit 13 Jahren seinen ersten Roman verfasst, den ein kleiner Verlag in Bocholt drucken ließ.

Die Geschichte ist ein Ausflug in das Reich lauter unheimlicher Schattengestalten. Fünf Menschen versuchen sich dem Tod entgegen zu stellen, der sich gern als Sensenmann zeigt und durch Mauern und Türen schweben kann. Er erscheint aber auch als Monster mit gelben Augen und rasiermesserscharfen kleinen Zähnen, dem grüner Schleim aus der Nase tropft. Der Tod greift nach den fünf Leuten vor allem in schaurigen Alpträumen, aber am Ende finden alle einen Weg, ihm zu entrinnen und ihn zu besiegen.

Fünf szenische Handlungsstränge laufen zusammen, sprachlich abwechslungsreich und in flüssigem Stil. Davon war der Vater des Jungen, ein Literaturkritiker, beeindruckt. Aber der junge Autor war mit seiner ersten Buchversion ("Die Blume des Bösen", 1. Auflage: 4000 Exemplare) nicht mehr zufrieden. Er überarbeitete alles und strickte eine Fortsetzung an. Das neue Buch heißt "schwarzweiß". 180 gruselige Seiten. Dialogisch verfasst. Szenen wie Videoclips.

Zunächst wird das Werk auf Nachfrage gedruckt. Sollte die so hoch sein wie bei dem Erstling, geht das Buch in Serie. Unter diesen Vorzeichen soll es, so hofft der Verlag, zum Hit auf der Leipziger Buchmesse werden, wo der Junge am 21. März eine Lesung hält. Im Herbst geht er mit seinem Vater auf eine Lesereise quer durchs Mittelmeer. Denn er ist für eine Kostprobe aus seinem Werk auf das ZDF-"Traumschiff" eingeladen worden.

Leanders findiger Kleinverlag Design-Pavoni in Bocholt existiert erst seit einem knappen Jahr. Und schon ist sich Chefin Nicole Küppers sicher, ihren Platz in der Literaturszene gefunden zu haben: Mit Büchern von Kindern für Kinder. "Wir nehmen nur Autoren, die sich für ihr Alter reif artikulieren können." Dafür tritt der Verlag finanziell komplett in Vorleistung.

Und der Verlag hat noch größere Pläne. Das Buch von Leander Winkels soll demnächst als E-Book erscheinen und ins Japanische übersetzt werden. In den Osterferien reist der Schüler nach Tokio, um an der Hosei-Universität eine Lesung vor Deutsch-Studenten zu halten. "Die Japaner sind große Fantasy-Fans", betont Verlegerin Küppers.

Warum aber gerade Japan? In der Familie Winkels können fast alle fließend japanisch: Die Mutter Ute, Leander und seine ältere Schwester Undine. Alle sind Japan-Fans, die Mutter ist häufig beruflich dort. Die Familie hat viele Kontakte zur großen japanischen Gemeinde in Düsseldorf. Seit Jahren paukt Leander fünf Stunden pro Woche Schriftzeichen und Sprache.

Bei all dem ist die junge Edelfeder aber ganz froh, dass Lehrer und Mitschüler am Düsseldorfer Görres-Gymnasium keinen großen Hype um sie machen. Leanders bester Freund Philipp bewertete den Roman knapp, aber anerkennend mit: "Cool". Der Lateinlehrer ließ durchblicken, dass er das Werk wohl gelesen hat. Auch die Deutschlehrerin bekundete Interesse. Ansonsten gilt unter den Jungen: Man hat besseres zu tun als über das Buch zu sprechen. Zum Beispiel? "Fußball". Wortreich gibt sich Leander vor allem zwischen den Buchdeckeln. Im Alltag reichen auch einsilbige Antworten.

Leanders Gruselgeschichten kommen selten ohne Blut aus und sind nichts für zimperliche Gemüter. "Er hat schon in der Grundschule Horrorbilder von Monstern gemalt und damit seine Lehrerin beunruhigt", erzählt die Mutter. Die Verlegerin sieht eine deutliche Entwicklung des jungen Schreibers: "In der neuen Fassung des Buches sind Leanders Schilderungen viel subtiler geworden. Nicht mehr so offensichtlich schaurig." Seit Leanders Debüt hat sie mehr als 100 Skripte von jugendlichen Autoren erhalten. Sieben brauchbare seien darunter.

Leander reagiert auf die Frage nach seinen schriftstellerischen Zukunftsplänen mit einem Schulterzucken. "Weiß noch nicht. Vielleicht schreibe ich mal ein Drehbuch."

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