Das Herz schlägt bis zum Hals, der Kopf wird knallrot - und am liebsten würde man im Boden versinken. Ein Referat halten zu müssen, ist für manche der reinste Horror. Dabei lässt sich die Aufregung mit der richtigen Vorbereitung gut in den Griff bekommen.

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Stichpunkte auf Karteikarten helfen, während des Referats nicht den roten Faden zu verlieren.

Stichpunkte auf Karteikarten helfen, während des Referats nicht den roten Faden zu verlieren.

dpa

Stichpunkte auf Karteikarten helfen, während des Referats nicht den roten Faden zu verlieren.

Tübingen. Viele Studenten tun sich schwer damit, vor dem ganzen Seminar ein Referat zu halten. Dabei seien solche Vorträge eigentlich nur dann schwierig, wenn man es sich zu schwermacht, sagt Rhetorik-Dozent Olaf Kramer von der Uni Tübingen. Denn ein gutes Referat darf auf keinen Fall kompliziert sein.

"Die große Kunst ist die des Weglassens und des Auswählens der wichtigen Punkte", sagt Kramer. Der wichtigste Tipp sei aber: "Man muss gut vorbereitet sein." Dazu gibt es ein paar Faustregeln:

VIER WOCHEN VOR DEM REFERAT: Spätestens jetzt sollte mit dem Dozenten geklärt werden, um welches Thema es geht und wie lang der Vortrag werden soll. Dann geht es in die Bibliothek. Für ein kleines Referat im Bachelor-Studium reiche in der Regel ein gutes Lehrbuch als Grundlage, sagt Alfred Brink, der an der Universität Münster Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten gibt.

ZWEI BIS DREI WOCHEN VORHER: Jetzt geht es darum, das angelesene Wissen in eigene Worte zu fassen und eine Argumentationsstruktur für das Referat zu erarbeiten. "Wenn man eine Gliederung fertig hat, sollte man sie einigen Studienfreunden geben. Die werden merken, wo logische Lücken und Fehler sind", rät Brink. Dann geht es an die inhaltliche Ausarbeitung. "Als erstes sollte man den Hauptteil fertig machen, erst danach die Einleitung und den Schluss", rät Kramer.

EINE WOCHE VORHER: Nun folgt der Feinschliff. "Entscheidend ist die Reduktion auf einzelne, schlagende Argumente", erklärt Kramer. Auf Karteikarten sollten Studenten Stichpunkte aufschreiben, an denen sie sich beim Vortrag entlanghangeln können. Komplett abgelesene Vorträge sind oft verpönt. Aber ein bisschen tricksen sei schon erlaubt, findet Kramer: "Man kann den Anfang ausformulieren. Dann muss man nicht gleich krampfhaft nach den ersten Worten suchen." Auch den Schlussteil könne man komplett aufschreiben.

Eine Powerpoint-Präsentation gehört heute eigentlich zu jedem Referat dazu. "Auf keinen Fall sollte man zu viele Folien zeigen oder die Folien überfrachten", warnt Brink. "Sonst können die Zuhörer dem Vortrag gar nicht mehr folgen, weil sie sich auf die Folien konzentrieren müssen."

DIE LETZTEN TAGE: Jetzt geht es ans Üben. "Man muss mit dem Inhalt vertraut sein, damit man souverän vortragen kann", sagt Kramer. "Manche Studenten schreiben noch bis fünf Minuten vor Seminarbeginn an ihrem Referat. Da hat man dann beim Vortrag das Gefühl, die hören ihren eigenen Text selbst zum ersten Mal." Am besten sei es, die Situation vor Freunden durchzuspielen. Nur so merkt man auch, wie viel Zeit man für den Vortrag eigentlich braucht.

ES GEHT LOS: Der Seminarraum ist voll, dutzende Augenpaare richten sich auf einen. Jetzt bloß keinen roten Kopf kriegen, denkt mancher noch - und spürt schon das Blut in den Kopf schießen. "Erstmal sollte man sich klarmachen: Das ist nur eine Ausbildungssituation", sagt Edith Püschel von der Psychologischen Beratung der Freien Uni Berlin.

Dann müssten sich Studenten der Situation aber einfach stellen: "Man kann das Publikum nicht ausblenden", sagt die Psychologin. "Vielen hilft es aber, Freunde im Publikum zu suchen und anzugucken. Dann hat man einen Blickanker und muss nicht an die Decke starren." Langfristig gebe es aber nur ein Mittel gegen Lampenfieber: "Erfahrungen sammeln und immer wieder Referate halten."

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