Der Bürgermeister von Monheim, Daniel Zimmermann (27), spricht über die ersten 100 Tage seiner Amtszeit.
Der Bürgermeister von Monheim, Daniel Zimmermann (27), spricht über die ersten 100 Tage seiner Amtszeit.

Der Bürgermeister von Monheim, Daniel Zimmermann (27), spricht über die ersten 100 Tage seiner Amtszeit.

Der Bürgermeister von Monheim, Daniel Zimmermann (27), spricht über die ersten 100 Tage seiner Amtszeit.

Monheim. Daniel Zimmermann, dem jüngsten Bürgermeister Nordrhein-Westfalens, steht am 100. Tag seiner Amtszeit ein schmerzhafter Praxistest bevor. An diesem Donnerstag (28.1.) wird der 27-jährige Verwaltungs-Chef der kleinen Stadt Monheim erstmals einen Haushaltsentwurf vorlegen. Der Stadtetat für das Jahr 2010 weist eine Besonderheit auf: ein Rekorddefizit von gut 20 Millionen Euro.

Aber der junge Bürgermeister, der am 21. Oktober sein Amt antrat, wird von der bitteren Realität der Kommunalpolitik keineswegs überrumpelt. Zimmermann ist gelassen und sehr ruhig. "Das war absehbar", sagt er. "Ich wusste im Wahlkampf, dass ich keine großen Versprechungen machen durfte, die ich nicht halten kann."

Ohne mit der Wimper zu zucken, redet er souverän vom strukturellen Defizit, von Ausgleichsrücklage und Nothaushalt, aber auch von Generationengerechtigkeit. Immerhin muss die 43 000-Einwohner-Stadt angesichts einer geschätzten Gesamtverschuldung von rund 130 Millionen Euro wohl jahrzehntelang eisern sparen. Dann vertieft sich Zimmermann in die statistische Kurve, die den dramatischen Absturz der Gewerbesteuereinnahmen 2009 dokumentiert. "Die Finanzkrise ist in Monheim angekommen", konstatiert er.

Der Monheimer ist trotz seiner Jugend ein alter Hase in der Stadtpolitik. Schon als Schüler gründete er vor 10 Jahren mit fünf Gymnasiasten die politische Bewegung "Peto" (lateinisch: "Ich fordere"). Seit 2004 ist er Ratsmitglied, als Peto-Fraktionschef hat er Haushalts-Reden gehalten. "Damit habe ich weniger Schwierigkeiten", sagt er. Komplizierter sei für ihn dagegen, das "Innere der Verwaltung" zu verstehen. Vor kurzem musste Zimmermann die erste Personalversammlung mit 250 Mitarbeitern abhalten.

Lohn der ernsthaften politischen Arbeit der Jugendpartei "Peto" war die Eroberung des Chefsessels im Rathaus bei den Kommunalwahlen im vergangenen August. 30,35 Prozent der Stimmen errang Zimmermann. Sein stärkster Rivale von der CDU war übrigens auch erst 31 Jahre alt.

Zimmermann wird die Bürger auf Grausamkeiten einstimmen müssen, doch er hat genug politische Erfahrung, um nicht sofort mit Sparvorschlägen vorzupreschen. "Wir wollen mit den Fraktionen Sparvarianten diskutieren", sagt er. Er werde nicht mit einer Streichliste in die Ratssitzung gehen. Denn um politisch in Monheim etwas bewegen zu können, braucht Zimmermann entweder die CDU- Fraktion, die mit 12 Mitgliedern genau so groß ist wie die "Peto"- Fraktion, oder die acht SPD-Abgeordneten. Eine feste Koalition gibt es im Monheimer Rathaus nicht.

Die Verantwortung für das Haushaltsloch will Zimmermann nicht übernehmen. Nicht er, sondern sein CDU-Vorgänger habe die Ausgleichsrücklage ausgeschöpft. Jetzt müsse die Stadt erstmals an die allgemeinen Rücklagen gehen. "Wir sind aber nicht überschuldet - so wie Oberhausen", betont er.

Das graue Jackett ist etwas zerknautscht, die Jeans hat ein wenig Hochwasser, auf eine Krawatte verzichtet Zimmermann. In seinem Büro im Rathaus sind die Wände noch weiß - er hatte bisher keine Zeit, Bilder aufzuhängen. In seiner Amtsführung will der junge Mann mit dem braven Kurzhaarschnitt einiges anders machen - mehr auf Teamarbeit setzen, keine einsamen Entscheidungen treffen. "Mit der Faust auf den Tisch hauen, das mache ich nicht."

Morgens um acht geht er in sein Büro und arbeitet dort oft 14 Stunden. Er wohnt bescheiden in einer 35-Quadratmeter-Wohnung, seine Freundin in einer WG in Köln. Fürs Gitarrespielen bleibt angesichts der zahlreichen Verpflichtungen vom Besuch im Altersheim bis zur Karnevalssitzung kaum Zeit. Aber den Uni-Tanzkurs mit seiner Freundin habe er bis auf einmal immer besucht, sagt Zimmermann.

Trotz der Härten gleich zu Beginn der sechsjährigen Amtszeit mache ihm der Job Spaß, "weil man auch viel Einfluss hat." Eigentlich hat er Französisch und Physik auf Lehramt studiert und kann sich vorstellen, später als Lehrer zu arbeiten. Zunächst aber will Zimmermann 2015 wiedergewählt werden - dann ist er 33. Eine Karriere als Berufspolitiker schwebt ihm allerdings nicht vor. "Ich glaube nicht, dass ich mich einer anderen Partei anschließen würde."

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