Die vergangene Spielzeit hatte es in sich: Gerade einmal zwei Monate waren die neuen Intendanten im Amt, als sie das Fallbeil im Nacken spürten: Die Ankündigung drastischer Sparmaßnahmen und die Diskussion um die Schließung des Schauspielhauses hat das Bühnenteam sichtlich erschüttert, am Ende aber nicht aus der Bahn geworfen. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass man in Grenzsituationen am besten über sich hinauswächst und erfolgreiche Protestaktionen wie der Welttheatertag für eine Welle der Solidarität sorgten, die den Kreativen frische Kräfte verliehen hat.

Nun liegen jedoch Zahlen vor, die Wasser auf die Mühlen all derer bedeuten, die ohnehin der Meinung sind, dass es in Wuppertal zu viel (subventioniertes) Theater gebe. In Zeiten allgemeiner Sparzwänge könnte die Nachricht, dass sich weniger Wuppertaler für "ihr" Theater zu interessieren scheinen, nicht brisanter sein. Rund 36.000 Unterschriften hatten die Bühnen gegen die drohenden Sparmaßnahmen gesammelt - und bei mehreren Protestaktionen wahre Menschenmassen mobilisiert. Wie andernorts auch wird im Wuppertaler Theater jedoch immer am Ende abgerechnet - zum Schluss einer Spielzeit. Ausgerechnet im Krisen-Theaterjahr fällt die Abstimmung mit den Füßen negativ aus.

Auch wenn die Bühnen für den Zuschauerrückgang Erklärungen haben: Die Zahl ist alarmierend. Fast 15.000 Gäste weniger sind keine Größenordnung, die man einfach so unter den Teppich kehren kann. Das Leitungsteam verweist unter anderem auf die allgemeine Theater- und Wirtschaftskrise. Dass auch andere Bühnen um Nachwuchs buhlen müssen, steht außer Frage. Aber gerade in Wuppertal, wo die Zukunft als Drei-Sparten-Haus zur Diskussion steht, haben Zuschauerzahlen spezielles Gewicht. Nun gibt es in der neuen, gerade begonnenen Saison eine zweite Chance, mit den Füßen abzustimmen. Was auf dem Spiel steht, dürfte klar sein. 

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