Anneliese Klein muss zu Wochenbeginn auf ihre Post verzichten. Nur die WZ ist pünktlich.

Anneliese Klein freut sich jeden Tag darauf, ihre Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.
Anneliese Klein freut sich jeden Tag darauf, ihre Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.

Anneliese Klein freut sich jeden Tag darauf, ihre Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.

Stefan Fries

Anneliese Klein freut sich jeden Tag darauf, ihre Zeitung aus dem Briefkasten zu holen.

Wuppertal.  Anneliese Klein ist 96 Jahre alt und liest gern und viel. Deshalb hat sie nicht nur die WZ abonniert, sondern auch diverse Zeitschriften. Einige brachte ihr der Briefträger stets am Montag. Doch seit etwa einem Monat fehlen an diesem Wochentag nicht nur die Illustrierten, sondern jedwede Korrespondenz. „Offenbar kommt montags gar keine Post mehr“, vermutet die Sonnbornerin, die seit über 60 Jahren an der Kirchhofstraße wohnt.

Deshalb habe sie den Briefzusteller, als sie einmal im Treppenhaus hörte, darauf angesprochen. „Der hat gesagt, dass das stimmt, dass montags nicht zugestellt wird“, berichtet Anneliese Klein. Auch ihre Nachbarn und zahlreiche Bekannte in der Bayer-Siedlung hätten das schon bemerkt. Da sie nicht wisse, wen man bei der Post anrufen solle, könne sie das auch nicht klären, so die alte Dame.

Dieter Pietruck, Pressesprecher der Deutschen Post, hört Klagen oder vermeintlich zustellungsfreie Tage öfter. „Aber das ist Quatsch. Wir haben den gesetzlichen Auftrag, an sechs Tagen in der Woche zuzustellen.“ Allerdings, räumt er ein, würde montags in der Regel keine Werbung zugestellt. „Und da Firmen und Ämter ihre letzten Briefe am Freitag einliefern und diese am Samstag zugestellt werden, ist am Montag nicht viel zuzustellen“, so Pietruck. Das gelte auch für die Kirchstraße.

Eine Nachfrage bei der zuständigen Verteilstation in Elberfeld habe ergeben, berichtet der Pressesprecher, dass dort manchmal nur eine handvoll Briefe ausgetragen werden müsse.

Etwa die Hälfte der Postboten hat montags einen freien Tag

Eines kann er aber bestätigen: Dass montags grundsätzlich weniger Personal im Einsatz ist als sonst üblich. „Wir können es uns am Montag leisten, die Hälfte der Zusteller zuhause zu lassen“, sagt Dieter Pietruck. „Dann übernimmt ein Zusteller zwei Verteilgebiete.“ Sei ein Zusteller krank oder im Urlaub, gebe es Springer oder sonstige Vertretungen. „Aber das ist in der Kirchhofstraße nicht der Fall. Da gibt es keine Ausfälle.“

Was durchaus sein könne, so Pietruck, sei, dass in den Ferien oder am Montag nicht die bekannte Stammkraft unterwegs sei und sich daher die Uhrzeit der Zustellung ändere. Aber dass an einem Tag gar kein Postbote käme, das gebe es nicht.

Warum die Zeitschriften von Anneliese Klein jetzt nicht mehr montags in ihrem Briefkasten landen, kann der Post-Sprecher auch nicht erklären. Und so freut sich die Sonnbornerin, dass wenigstens die WZ pünktlich um 4 Uhr am Montagmorgen bei ihr im Kasten liegt. „Die lese ich nämlich schon seit ich acht Jahre alt bin“, sagt Anneliese Klein stolz. „Damals haben meine Großeltern, die einen Friseursalon hatten, den General Anzeiger bezogen.“

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