Im November müssen sich zwei Männer vor dem Amtsgericht verantworten. Laut Anklage haben sie im Afrika-Revier reihenweise Praktikantinnen belästigt.

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Strafrechtliche Aufarbeitung: Im November stehen zwei Ex-Tierpfleger des Wuppertaler Zoos vor Gericht.

Strafrechtliche Aufarbeitung: Im November stehen zwei Ex-Tierpfleger des Wuppertaler Zoos vor Gericht.

Uwe Schinkel

Strafrechtliche Aufarbeitung: Im November stehen zwei Ex-Tierpfleger des Wuppertaler Zoos vor Gericht.

Wuppertal. Ab dem 12. November wird das Schöffengericht den Skandal um misshandelte Praktikantinnen im Wuppertaler Zoo aufarbeiten. Angesichts von 36 Zeugen - davon überwiegend mutmaßliche Opfer - sind bislang fünf Verhandlungstage geplant. Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft im Februar Anklage erhoben. Die wurde im vollem Umfang zur Hauptverhandlung zugelassen.

Demnach wird zwei ehemaligen Pflegern aus dem Afrika-Gehege gemeinschaftliche Freiheitsberaubung, versuchte Nötigung, versuchter sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Laut Anklage sollen die beiden 37 und 29 Jahre alten Männer jahrelang Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter misshandelt haben. Für die Ermittler steht fest: Die Misshandlungen hinter verschlossenen Stalltüren im eher beschaulichen Afrika-Gehege hatten System.

Die lange Liste von Vorwürfen fußt auf den Aussagen der mutmaßlichen Opfer. Kaum waren die ersten Vorwürfe öffentlich bekannt, folgte Anzeige auf Anzeige. Und immer wieder schilderten Frauen ähnliche Misshandlungsschemata. Für die Kripo ein klares Indiz für die Glaubwürdigkeit der Zeugen.

Im Strafverfahren haben die
Angeklagten bislang geschwiegen

Die beiden nicht vorbestraften Angeklagten haben im strafrechtlichen Verfahren von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Bleibt es auch im Prozess dabei, dürften alle fünf Verhandlungstage nötig sein, um den Zoo-Skandal strafrechtlich aufzuklären. Nur Geständnisse der Angeklagten könnten den Prozess entschlacken. Im arbeitsrechtlichen Verfahren zwischen den gefeuerten Tierpflegern und der Stadt standen die Zeichen jedenfalls auf Konfrontation. Auch für die Stadt beziehungsweise die Zoo-Leitung könnte es im Strafprozess peinlich werden.

Wie berichtet, gab es im Prozess um die Kündigungen der langjährigen Tierpfleger vom Direktor des Arbeitsgerichts seinerzeit eine schallende Ohrfeige: Dass bei der Zoo-Leitung nie jemand etwas von Übergriffen mitbekommen haben will, könne er sich nicht vorstellen, sagte der erfahrene Richter. Und er bewertete die Beweislage: Es sei nicht anzunehmen, dass sich die mutmaßlichen Opfer unabhängig voneinander diese immer wiederkehrenden Szenarien ausgedacht haben sollten.

Laut Anklage sollen junge Frauen, die im Afrika-Revier arbeiteten, mehrfach gefesselt worden sein. Ein mutmaßliches Opfer soll einen Kuss-Versuch abgewehrt haben, indem sie ihren Vorgesetzten anspuckte. Beim sogenannten "Viehtreiber-Test" sollen die Angeklagten einen Auszubildenden mit einem Stromstoß gequält haben. In einem weiteren Fall soll eine junge Frau solange in der Teeküche eingesperrt worden sein, bis sie die Einwilligung zu einem Foto ihres Intimpiercings gab. Das mutmaßliche Opfer tritt als Nebenklägerin auf, hat sich für den Strafprozess einen Anwalt genommen.

Den Zoo-Skandal machte der städtische Personaldezernent Johannes Slawig persönlich öffentlich. Flankiert von der Staatsanwaltschaft berichtete er im Spätsommer 2008 von sexistischer Anmache, Fesselungen und Nötigung von Praktikantinnen und Azubis im Zoo. Die Stadt fürchtete um ihr Image, sprach schnell die Kündigung gegen die unter verdacht geratenen langjährigen Tierpfleger aus. Die wehrten sich im arbeitsrechtlichen Verfahren.

Vor dem Arbeitsgericht schlossen die beiden Ex-Tierpflegern mit der Stadt einen vergleich. Der sah als Kündigungsdatum den 31. Dezember 2008 vor. Beide hatten aber schon unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe Haus- und Geländeverbot im Zoo. Beiden Männern wurde der ihnen zustehende Resturlaub ausgezahlt. Das arbeitsrechtliche Verfahren ist damit abgeschlossen. Die frei gewordenen Stellen im Rinderrevier sind mittlerweile wieder besetzt.

Die Kritik seitens des Arbeitsgerichts wies die Stadt zurück. Die Stadt hat im Zuge der Enthüllungen mehrfach angekündigt, die Kontrollstandards ihres Personals zu verbessern - nicht nur im Zoo.

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