Vor dem Landgericht geht es um die Patronatserklärung von Friedhelm Runge.

Zivilverfahren
Friedhelm Runge war viele Jahre Mäzen des WSV.

Friedhelm Runge war viele Jahre Mäzen des WSV.

Schinkel

Friedhelm Runge war viele Jahre Mäzen des WSV.

Wuppertal. Muss Ex-WSV-Präsident Friedhelm Runge finanzielle Ansprüche von ehemaligen WSV-Gläubigern aus der Saison 2012/13 befriedigen? Im Zivilverfahren vor dem Landgericht sagten der ehemalige Verwaltungsratschef Christoph Strieder und Tobias Gebert als damaliger hauptamtlicher Berater des Vorstands aus.

Zentrale Frage: Welchen Wert hat ein Schriftstück, in dem Runge vor der Saison erklärte, für alle entstehenden Fehlbeträge aufzukommen. Runge selbst, sein Wirtschaftsprüfer Jochen Leonardt und Ex-Geschäftsstellenleiter Helmut Lepiorz hatten in früheren Verhandlungen dargelegt, dass es sich um eine Anlage zum Antrag für die Drittliga-Lizenz gehandelt hatte, die sich, weil der WSV die Liga sportlich verpasste, erledigt habe.

Zeugen: Patronatserklärung wurde als taktisches Mittel eingesetzt

Die Aussagen von Strieder und Gebert ergeben ein anderes Bild. So sei die später so genannte Patronatserklärung nach dem Rücktritt Runges im Januar 2013 dafür verwendet worden, die neuen Verantwortlichen bei der Stange zu halten, bis sich eine Perspektive eröffne – mit oder ohne Runge. Der hatte nach seinem Rücktritt öffentlich erklärt, dass er nur bis 31. März für die Außenstände aufkomme.

„Ich habe Herrn Runge und Finanzvorstand Lothar Stücker am 20. Januar am Telefon gesagt, dass ich einen Insolvenzantrag stellen werde“, sagte Christoph Strieder vor Gericht. Daraufhin hätten ihn beide unabhängig voneinander aufgefordert, das nicht zu tun. Er habe aber Sicherheiten gefordert, zumal der Verwaltungsrat Jahre lang nur bruchstückhafte Finanzinformationen erhalten habe, nun aber in der Verantwortung stand.

Am nächsten Tag habe ihm Stücker per Mail die Patronatserklärung zugesandt. Strieder: „Für mich war das die Sicherheit, die ich brauchte.“ Eine mögliche Einschränkung sei für ihn nicht ersichtlich gewesen, explizit habe er mit Runge darüber nicht gesprochen. „Ach ja, diese Garantie“, habe der nur einmal gesagt. Dass Strieder die Patronatserklärung nicht öffentlich erwähnt habe, sei aus Rücksicht auf Runge geschehen, um die Initiativen (WSV 2.0 und Liga 4+, d. Red.) nicht frühzeitig aus der Verantwortung zu lassen. Strieder erinnerte sich an einen Satz Runges: „Schauen wir mal, was die auf der Kappe haben.“

Gebert, der die Patronatserklärung am 18. Januar von Stücker per Mail erhalten hatte, hatte keine Zweifel an der Gültigkeit. „Es stand ja nichts anderes darin, als das, was ich beim WSV bisher erlebt hatte.“ Mit Runge sei er bis Mai in Gesprächen für die neue Saison gewesen. Noch im Mai habe er von ihm einen Scheck für Spielergehälter erhalten. Auch in den Vorstand, in den Gebert im März eintrat, wäre er nie gegangen, wenn er nicht auf die Patronatserklärung vertraut hätte.