Stürmisch fiel die Eröffnung des sanierten Opernhauses in Barmen aus, was nicht nur am Wetter lag.

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Ein Opernhaus, das sich sehen lassen kann. Die Architektur folgt dem Stil der 1950er, die Bestuhlung haben die Wuppertaler selbst finanziert.

Ein Opernhaus, das sich sehen lassen kann. Die Architektur folgt dem Stil der 1950er, die Bestuhlung haben die Wuppertaler selbst finanziert.

Andreas Fischer

Ein Opernhaus, das sich sehen lassen kann. Die Architektur folgt dem Stil der 1950er, die Bestuhlung haben die Wuppertaler selbst finanziert.

Wuppertal. Die Schlussszene der feierlichen Wiedereröffnungsgala im Barmer Opernhaus war das Programm-Motto des Vormittags. "Alles ist Spaß auf dieser Erde" heißt es in Verdis "Fallstaff". Und den hatten die geladenen Gäste und Sponsoren im Opernhaus - ganz im Gegensatz zu den rund 100 Demonstranten vor dem frisch sanierten Kulturtempel. Seit das Land der Stadt untersagt hat, aufgrund der Haushaltslage Sozialprojekte in den Stadtteilen zu fördern, ist den Initiativen der Spaß gründlich vergangen.

"Wir haben nichts gegen Kulturförderung, aber nicht auf Kosten unserer sozialen Projekte. Steine haben keine Seele. Wir wollen nicht, dass wir kaputtgespart werden", fasste Sive Ersoy vom Nachbarschaftsheim Ostersbaum die Forderung der Demonstranten zusammen. Ihre Protestnote wollte sie eigentlich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) persönlich übergeben, doch der ließ sie sprichwörtlich im Regen stehen und hatte in letzten Minute für die Eröffnung abgesagt.

So verpasste er nicht nur, wie die Protestierenden unter einem "Rettungsschirm" Sturm und Regen trotzten. Er versäumte auch, wie Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) gleich zu Beginn seiner Eröffnungsrede den Ball der Demonstranten auffing und sich eindrucksvoll solidarisch mit jenen erklärte, "die draußen stehen und gegen das Ende ihrer sozialen Projekte protestieren". An die Adresse des Landes mahnte er: "Wenn man Kommunen so auszehrt, wie das der Fall ist, wird daraus ein Verteilungskampf zwischen sozialem und kulturellem Angebot, den niemand gewinnt."

Weder Jung noch alle übrigen Redner betonten aber auch immer wieder, wie sinnvoll die mehr als 23 Millionen Euro für die Sanierung des Opernhauses angelegt sind. "Wir erhalten Werte für kommende Generationen", rief Jung Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff zu, der die undankbare Rolle hatte, anstelle des Ministerpräsidenten auf die Proteste gegen die Landesregierung zu antworten.

"Das Haus ist so schön wie früher"

Sigrid Eckhold, Stuhlpatin

Der wies sich in der Eröffnungszeremonie zwar selbst die "Rolle des Harlekins" zu, versprach aber, Minister- und Regierungspräsident zu berichten: "Das Wichtigste ist, dass es zwischen Land und Kommunen Kommunikation gibt." In Anspielung auf den Haushaltsbankrott in Oberhausen wagte Grosse-Brockhoff die These: "Auch ein Fall Oberhausen lässt sich lösen, wenn man nur miteinander redet." Die Wuppertaler lobte er für ihren Mut, in wirtschaftlich schwierigen zeiten ein Opernhaus zu eröffnen.

Damit war die Krise auch abgearbeitet, der Rest der mehr als zweistündigen Eröffnungszeremonie gehörte der Kultur und den Danksagungen. Letztere richteten sich auch an Sigrid und Jörg Eckholdt. Das Ehepaar gehört zu den Kulturträgern, die durch ihre finanzielle Unterstützung die goldgelbe Bestuhlung des Opernhauses ermöglichte. Insgesamt 600.000 Euro trugen die Stuhlpaten zusammen und sind begeistert. "Die Sanierung hat sich wirklich gelohnt. Das Haus ist so schön wie früher", meinte Sigrid Eckholdt. Ihr Mann ergänzte: "Die Idee der Patenschaften sollte man bei der Sanierung des Schauspielhauses wieder aufgreifen."

Dort wartet in der Tat die nächste Baustelle des Wuppertaler Kulturbetrieb, weshalb für Jung feststeht: "Erst wenn das Schauspielhaus saniert ist, haben wir unseren Gebäudeauftrag erfüllt."

 

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