Deutlich zu sehen: Die rechte Röhre des Tunnels Schee ist heute zugemauert. Früher war sie offen, im Zweiten Weltkrieg sollen dort Granaten produziert worden sein, sicher vor alliierten Luftangriffen. Liegt in der zugemauerten Röhre das Bernsteinzimmer?
Deutlich zu sehen: Die rechte Röhre des Tunnels Schee ist heute zugemauert. Früher war sie offen, im Zweiten Weltkrieg sollen dort Granaten produziert worden sein, sicher vor alliierten Luftangriffen. Liegt in der zugemauerten Röhre das Bernsteinzimmer?

Deutlich zu sehen: Die rechte Röhre des Tunnels Schee ist heute zugemauert. Früher war sie offen, im Zweiten Weltkrieg sollen dort Granaten produziert worden sein, sicher vor alliierten Luftangriffen. Liegt in der zugemauerten Röhre das Bernsteinzimmer?

Zu dieser Rampe im Keller des Gebäudes in der Münzstraße 47- 53 führten früher Gleise .

Uwe Schinkel, Bild 1 von 2

Deutlich zu sehen: Die rechte Röhre des Tunnels Schee ist heute zugemauert. Früher war sie offen, im Zweiten Weltkrieg sollen dort Granaten produziert worden sein, sicher vor alliierten Luftangriffen. Liegt in der zugemauerten Röhre das Bernsteinzimmer?

Wuppertal. Es ist ein dunkles, muffiges und verzweigtes Gewölbe, ein düsterer Keller, in dem die SA im Dritten Reich gefoltert hat - die Rede ist von den Katakomben des alten Genossenschaftsgebäudes in der Münzstraße. Vielleicht lagert in diesem Keller heute jedoch einer der größten Mythen deutscher Geschichte - das verschollene Bernsteinzimmer.

Was zuerst absurd anmutet, hat einen ganz realen Hintergrund: Seit vergangenem Jahr sucht ein Mann aus Sachsen in Wuppertal nach dem Bernsteinzimmer. Er hat sogar eine offizielle Erlaubnis des Wuppertaler Gebäudemanagements und durfte deswegen Löcher in die Kellerwände bohren. Mit einem Endoskop blickte der Forscher hinter die Mauern - und will dort umfangreiche Hohlräume entdeckt haben.

Gauleiter Erich Koch stammt aus Wuppertal

Warum Wuppertal? Der anonyme Privat-Forscher will nicht mit der WZ reden, er droht sogar, seinen Anwalt einzuschalten. So viel jedoch kann recherchiert werden: Der damalige Reichskommissar für die Ukraine und Gauleiter von Ostpreußen, Erich Koch, stammte aus Wuppertal. Koch selbst hatte zuvor bei der Reichsbahn gelernt - hat er also in den Kriegswirren das Bernsteinzimmer aus Königsberg mit der Reichsbahn direkt nach Barmen fahren lassen? Die Gleise reichten damals direkt bis in den Keller des Gebäudes an der Münzstraße - das war optimal, um nicht entdeckt zu werden. Die vielen Räume und Zwischenräume sind dermaßen verwinkelt und verwirrend, könnte dort eine Wand eingebrochen und das in Kisten verpackte Zimmer gelagert worden sein?

Für Hans-Uwe Flunkert, Chef des Gebäudemanagements klingt die Geschichte "abenteuerlich" - aber er erteilte dem Mann die Genehmigung, in dem denkmalgeschützten Gebäude zu bohren. Das Haus wird derzeit saniert, und Vorarbeiter Dieter Mattner sagte am Donnerstag: "Ich kenne hier jeden Stein, ich glaube nicht, dass das Zimmer hier liegt. Aber ausschließen kann ich es auch nicht."

Noch bewahren die dicken Wände ihr Geheimnis

In der Tat: Tief unter dem Gebäude bewahren die dicken Wände noch ihr Geheimnis. Erste Versuche des Mannes, die Wände zu durchbohren, waren offenbar nur teilweise von Erfolg gekrönt. Aber: Allein die Geschichte des Gebäudes rechtfertigt seiner Meinung nach offenbar, dass dort das berühmteste Zimmer der Welt gesucht wird. Ab 1905 als Gebäude der Konsumgenossenschaft erbaut, nutzte eine SA-Reiterstaffel das Haus nach der Machtübernahme. Später wurden dort Antifaschisten verhört und gefoltert. Wuppertaler Nazis kannten das Gebäude also gut.

Ralf Meindl, Biograf von Erich Koch, ist überzeugt, dass das Bernsteinzimmer verbrannte. Koch habe gegen Kriegsende andere Sorgen gehabt, als das Zimmer zu retten. Zudem hätten Russen einst alle nicht brennbaren Teile des Zimmers gefunden.

Laut Meindl behauptete in den 60er Jahren ein Wünschelrutengänger, er habe telepathisch Kontakt zu Koch aufgenommen. Damit erst kamen Gerüchte um Kochs Beziehung zum Bernsteinzimmer auf. Dessen Wert bestehe eher im Mysterium.

Nach dem Krieg wurde es von dem Unternehmen "Koma" genutzt. Koma steht für "Koch&Mann" - und hier schließt sich für den Forscher offenbar der Kreis. Gauleiter Koch hatte Kontakte zu Verwandten in Wuppertal, der genaue Verwandtschaftsgrad zu Firmeninhaber Paul Koch ist nicht bekannt. Die Gretchenfrage lautet also: Hat der Gauleiter sein Wissen um die Örtlichkeit und seine verwandtschaftlichen Verhältnisse nach Wuppertal genutzt, um das Zimmer in der Stadt zu verstecken?

Zahlreiche Historiker, auch aus Wuppertal, möchten zu dem Thema keine Stellung beziehen. Zu oft und zu unseriös wurde schon über Fundorte des Zimmers spekuliert - aber im Gespräch mit der WZ dementiert keiner, dass das Bernsteinzimmer in der Stadt sein könnte.

Der Mann aus Sachsen vermutet nach Informationen der WZ sogar noch einen zweiten Fundort: Es geht um den Tunnel Schee. Dieser hatte früher zwei offene Röhren. Während des Zweiten Weltkrieges wurde in dem Tunnel - sicher vor alliierten Luftangriffen - Kriegsmaterial hergestellt. Heute ist eine Röhre zugemauert. Auch er wäre für Bahnwagen mit wertvoller Fracht leicht erreichbar gewesen. In den letzten Tagen des Dritten Reiches war das Bahnnetz in Deutschland stark zerbombt, ist es also eher unwahrscheinlich, das Zimmer überhaupt mit der Reichsbahn abtransportiert zu haben. Das mutmaßt ein Wuppertaler Historiker im Gespräch mit der WZ. Der Mann aus Sachsen jedoch wird weiter in der Münzstraße suchen.

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