Bilanz: Die Aufforstung nach Sturm Kyrill sind fast abgeschlossen. Der Borkenkäfer spielte 2009 keine Rolle – es war zu nass.

wza_1500x691_573844.jpeg
Dem Wuppertaler Wald geht es wieder besser – die Schäden von Kyrill sind zudem fast beseitigt.

Dem Wuppertaler Wald geht es wieder besser – die Schäden von Kyrill sind zudem fast beseitigt.

Andreas Fischer

Dem Wuppertaler Wald geht es wieder besser – die Schäden von Kyrill sind zudem fast beseitigt.

Wuppertal. Wald wird es immer geben. Dieses beruhigende Resümee zieht Christian Buschmann vom Wuppertaler Stadtbetrieb Grünflächen und Forsten. Das große Waldsterben, das in den 80er Jahren prognostiziert wurde, sei dank hoher Investitionen glücklicherweise auch in Wuppertal ausgeblieben. Ein wichtiger Baustein sei die wesentlich verbesserte Entschwefelungstechnik in Kohlekraftwerken.

Der Autoverkehr ist ein Feind des Waldes

Aber auch die Öffnung des Ostens habe sich günstig ausgewirkt, weil dort zuvor das Thema Umweltschutz besonders sorglos behandelt worden sei.

Der grundsätzlich positiven Einschätzung stellt Buschmann allerdings Einschränkungen und Warnungen gegenüber. Ein Feind des Waldes bleibe der Autoverkehr. "Stickoxide wirken sich wie Dünger aus", sagt er. Ergebnis sei zum einen, dass sich Himbeer- und Brombeersträucher besonders gut entwickelt hätten, was eine massive Konkurrenz für junge Bäume darstelle. Zugleich handele es sich um eine einseitige Düngung der Bäume. "Wenn man dem Menschen nur Olivenöl verabreicht, ist das auch nicht mehr gesund", vergleicht Buschmann. Stickstoff lasse Bäume schneller wachsen, doch gehe die Überdüngung einher mit schlechter Bewurzelung und labiler Holzstruktur.

Was das bedeutet, hat der Sturm Kyrill vor Augen geführt. Betroffen waren in der Hauptsache Nadelbäume, vor allem die ohnehin schnell wachsenden Fichten. Bei der Aufforstung, die mittlerweile in Stadtwäldern fast abgeschlossen und in Privatwäldern zu immerhin 70 Prozent bewältigt ist, habe man sich deshalb für einen Mischwald aus Laubbäumen (Buche, Erle, Esche, Ahorn) entschieden.

Liegendes Holz sei in Wuppertal relativ schnell beiseite geschafft worden. Außerdem blieben 2009 die Trockenheitsspitzen aus. Deshalb habe man in diesem Jahr auch kaum Probleme mit dem Borkenkäfer gehabt. Dieser Käfer werde normalerweise im Harz festgebunden, doch wenn den Bäumen in heißen, trockenen Sommern die Kraft fehle, könne der Borkenkäfer auch in Zukunft wieder enorme Schäden anrichten.

Diese Woche wird gekalkt - diesmal in Cronenberg

Wuppertals Stadtwald umfasst etwa 1800 Hektar. Hinzu kommen etwa 1000 Hektar Privatwald sowie Bestände von Land und Bund. In der städtischen Forstabteilung kümmern sich 18 Mitarbeiter um den Wald in ihrer Zuständigkeit.

Die Gesamtfläche des Waldes bleibt konstant. Denn wird auf einer Fläche gerodet, dann müssen per Verordnung andernorts Ausgleichsflächen geschaffen werden. Das garantiert freilich nur gleichbleibende Quantität, während die Qualität - etwa alter Baumbestand - meistens nicht zu ersetzen ist.

Wenn in dieser Woche wieder Hubschrauber über der Stadt kreisen - dieses Mal über Cronenberg -, dann wird eine weitere Gefahr augenfällig. Wuppertal sei nun mal ein alter Industriestandort und zudem von zwei Autobahnen durchkreuzt. Damit einher gehe eine hohe Belastung durch Schwermetalle, die aktiviert würden, wenn der pH-Wert zu stark abfalle. Aus diesem Grund seien auch weiterhin regelmäßig Kompensationskalkungen aus der Luft erforderlich. Drei Tonnen pro Hektar seien allerdings "homöopathische Dosen" im Vergleich mit dem, was in der Landwirtschaft zum Einsatz komme.

Klimawandel: Neue Pflanzen besiedeln den Wald

Die gebündelten Maßnahmen gegen die drohenden Gefahren würden der Stadt auch langfristig ihr Grün erhalten - allerdings nicht unbedingt den Wald, den wir heute kennen. Flora und Fauna, die früher in diesen Breiten nicht überlebten, könnten sich mit dem Klimawandel im Bergischen ausbreiten. Schon jetzt gebe es etwa durch Herkulesstaude und asiatischen Knöterich aggressive Konkurrenten, die nicht mehr auszurotten seien und sich nur auf ausgewählten Flächen beseitigen ließen.

Im Zusammenhang mit Exoten sei auch der internationale Handel in Betracht zu ziehen. Große Sorgen bereite derzeit ein Nematode, der in Portugal grassiere und sehr leicht eingeschleppt werden könne. Zwar gebe es scharfe Kontrollen, aber die schädlichen Fadenwürmer seien äußerst klein und entsprechend schwer zu entdecken.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer