Wegen mehrerer Krankheitsfälle musste das Helios Gebärende verlegen. Der Fall einer jungen Mutter zeigt: Die Personaldecke ist dünn in der Geburtshilfe.

Wegen mehrerer Krankheitsfälle musste das Helios Gebärende verlegen. Der Fall zeigt: Die Personaldecke ist dünn in der Geburtshilfe.
Anja Pannek und Lisa-Marie Wicke mit ihrem Kind.

Anja Pannek und Lisa-Marie Wicke mit ihrem Kind.

Stefan Fries

Anja Pannek und Lisa-Marie Wicke mit ihrem Kind.

Für Lisa-Marie Wicke lief die Geburt ihres Sohnes nicht ganz stressfrei. Die junge Frau aus Wuppertal hatte sich am Mittwoch vergangener Woche ins Helios Klinikum begeben, um ihr Kind zu kriegen. Sie war zehn Tage über dem errechneten Termin. Die Geburt sei dann am Donnerstag langsam eingeleitet worden. Als sich aber bis Freitag nichts getan hatte, habe man ihr gesagt, dass sie verlegt werden müsse. Nicht, weil mit dem Kind etwas nicht stimmte. Sondern weil die Klinik nicht ausreichend Hebammen hatte, um die Geburten alle abzudecken.

In der Helios Klinik gibt es 17 Hebammen, wobei zwei derzeit länger ausfallen. Die restlichen 15 müssen die Schichtdienste unter sich aufteilen, immer drei pro Schicht. An besagtem Freitag seien zwei Hebammen krank geworden, sagt Markus Fleisch, Direktor der Landesfrauenklinik. Er habe für den Wochenendbetrieb zwar drei Hebammen aus Düsseldorf aktivieren können, aber eben immer nur eine pro Schicht. 40 freiberufliche Hebammen aus Wuppertal hätten auf seine Anfrage hin abgesagt, sagt er. Deswegen habe man nur den Notfallbetrieb sichern können, nicht die vorgesehenen Geburten. Auch, um die Sicherheit und Qualität der Betreuung sicherzustellen. So wurde Wicke verlegt.

Auch andere Kliniken kennen solche Probleme – bis hin zur vorübergehenden Schließung der Geburtsabteilungen wie in Köln und Hagen. Davon sei bei der Helios Klinik aber nicht die Rede, sagt Fleisch.

Selbst eine Überweisung von Patientinnen habe man bis dato nicht gehabt. Der Fall sei einmalig. Aber, so sagt Fleisch, generell gebe es schon ein Personalproblem in der Geburtshilfe. „Hebammen sind knapp geworden“, sagt er.

Dem pflichtet auch die Sprecherin des Bethesda-Krankenhauses bei. "Hebammen sind generell knapp.". Dort habe man aber mit dem Ausbau der Kreißsäle Stellen aufgestockt und derzeit keine offenen Stellen. "Zwar ist die Belegung der Kreißsäle hoch, aber Ausfälle zum Beispiel durch Krankheit konnten bisher gut kompensiert und Geburten durchgeführt werden", versichert sie.

Fleisch aus dem Helios sagt, dass der Ausfall mehrerer Hebammen im Krankheitsfall deswegen für sie schwer zu kompensieren sei. „Es gibt immer weniger Hebammen in der Geburtshilfe“. Viele würden lieber freiberuflich tätig und dann vor allem in der Geburtsvor- und -nachbereitung. Fleisch sieht die mangelnde Attraktivität von Schicht- und Nachtdiensten in der Klinik als mögliche Gründe.

Und das bei steigenden Geburtszahlen. Allein am Helios Krankenhaus hat es dieses Jahr schon mehr als 1900 Geburten gegeben. Mehr als im ganzen Jahr zuvor. „Da findet eine Arbeitsverdichtung statt“, sagt Fleisch.

Das Problem liege in den Arbeitsbedingungen

Das ist aber nur ein Teil des generellen Problems. Barbara Blomeier, Vorsitzende des Landesverbands der Hebammen NRW, sagt, die Überlastung gebe es überall. „Zu enge Besetzung, zu wenig Budget, hoher Krankenstand“, zählt sie die Symptome auf. Das Problem dahinter liege aber in den vielfach nicht akzeptablen Arbeitsbedingungen. Hebammen müssen Sprechstunden mitbetreuen, Sekretärinnenaufgaben übernehmen oder nach Geburten den Kreißsaal putzen. „Unter solchen Bedingungen bewerben sich die Hebammen nicht bei Kliniken“, sagt sie.

Blomeier sieht das Problem in der Gesundheitsreform, nach der Krankenhäuser nach Leistungen pauschal vergütet werden. Für Geburten gebe es zu wenig Geld. „Die Finanzierung muss sich ändern“, sagt sie.

Das sagt auch Anja Pannek, Hebamme von Lisa-Marie Wicke. Ihr Berufsstand werde zu gering bezahlt. Sie sieht den Mangel an Hebammen infolgedessen als deutschlandweites Problem. Während die Geburtenzahlen steigen, würden die Arbeitsbedingungen nicht verbessert und der Personalschlüssel nicht erhöht, sagt sie. „So arbeiten die Hebammen am Limit“, sagt sie. Angesichts der Verantwortung, die sie tragen, sei das kein Zustand.

Pannek und Wicke betonen aber, dass sie das Verhalten des Helios-Klinikums nicht beanstanden. „Das war komplett richtig“, sagt Wicke – und Pannek stimmt zu. Auch hätten alle Mitarbeiter ihr Bestes gegeben und sie habe sich wohlgefühlt.

Lisa-Marie Wicke hat ihren Sohn in Schwelm zur Welt gebracht. Allen geht es gut.

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